Commerzbank-Umweltpraktikum

Wo sich der Wald im Wasser spiegelt – Ein Tag im Biosphärenreservat Spreewald



Ein Frühlingshauch liegt in der Luft. Umspielt vom feinen Duft des Flieders und dem Zwitschern der Vögel, fahre ich an diesem Morgen mit dem Fahrrad zu meinem Arbeitsplatz im Haus für Mensch und Natur. Die Sonne scheint und lässt auf einen regenfreien Tag im Freien hoffen.

Für den heutigen Vormittag ist eine Fahrt zu mehreren Spreewaldwiesen geplant. Zusammen mit den Rangern der Naturwacht sollen sie hinsichtlich des Vegetationsvorkommens untersucht werden. Demnächst werden die Wiesen gemäht und das Heu zur thermischen Verwertung genutzt. Ausgestattet mit Gummistiefeln und Anti-Mücken-Spray machen wir uns also auf den Weg in die Natur.

Unser Weg führt uns über mehrere Brücken, entlang weiter, noch vom Winterstau überschwemmter Wiesen. Ein Traktor mäht den Randstreifen eines Grabens als wir an ihm vorbeifahren. Ein paar Meter weiter lauert schon ein Weißstorch und hält Ausschau nach Insekten und Fröschen, denn auf die ersten Störche warten bereits hungrige Küken. Wir überfahren eine weitere kleine Brücke und vor uns öffnet sich eine große Wiesenlandschaft in deren Mitte ein alter Baumstamm thront. Daneben zieht ein Schwan ruhig seine Bahnen und bewacht sein brütendes Weibchen. Gerade als wir die erste Fläche für die Vegetationsaufnahme erreichen, fliegt ein seltener Schwarzstorch an uns vorbei. 

Seit 1996 wird im Spreewald ein Flächenmonitoring durchgeführt, wobei im Oberspreewald 25 Referenzflächen beobachtet werden und im Unterspreewald weitere 15. Auf den kostbaren Moorböden der Wiesen gedeiht eine prächtige Vielfalt an Pflanzen, darunter viele seltene und gefährdete Arten, wie die Sumpfdotterblume. Diese wiederum bieten Insekten und anderen Tieren einen wertvollen Lebensraum. Die Niedermoorböden im Spreewald weisen Mächtigkeiten von 30 bis 70 cm auf. Sie bestehen vor allem aus pflanzlichem Material ehemaliger Bruchwälder, das sich in den sauerstoffarmen Sümpfen nicht zersetzt hat. Um auf den Flächen Landwirtschaft betreiben zu können, hat man große Gebiete in den 60er und 70er Jahren entwässert. Viele Moorböden, die sich in Jahrtausenden aufgebaut hatten, sackten dadurch innerhalb weniger Jahrzehnte um teilweise über 50 cm in sich zusammen. Die Schwammfunktion der Moore ging zurück und Nährstoffe wurden freigesetzt, die die Gewässer belasteten.

Um die Artenvielfalt zu dokumentieren und einer Artenabnahme rechtzeitig entgegenzuwirken, wird die Vegetation der Wiesen nach der Braun-Blanquet-Skala aufgenommen. Neben vielen spreewaldtypischen Seggen- und Binsenarten schmücken zahlreiche blühende Farbtupfer, wie die Kuckucks-Lichtnelke, die Sumpf-Schwertlilie oder der Kriechende Hahnenfuß, die Flächen. Das Grünland ist in diesem Mai noch sehr nass und viele Pflanzen stehen noch nicht in voller Blüte. Gerade als ich eine Wiese durchquere, erhebt sich eine Stockente aus den dichten Gräsern. Vor mir befindet sich ihr Gelege mit 8 Eiern, die in den nächsten Tagen schlüpfen werden.

Als wir die Artenverteilung auf der letzten Wiesenfläche des heutigen Tages besprechen, zieht sich der Himmel zu und ein Regenschauer überrascht uns. Wir springen schnell ins Auto und treten die Rückfahrt zum Verwaltungsgebäude in Lübbenau an.

Dort warten eine neue Rechercheaufgabe und meine Bachelorarbeit zur Landnutzungsform der Wasserschlagwiesen auf mich.

Victoria Kopsch, Umweltpraktikantin 2017 im Biosphärenreservat Spreewald