Commerzbank-Umweltpraktikum

Von Milanen und Äpfeln – Mein Einsatz im „Haus für Mensch und Natur“

Um kurz vor acht fahre ich über das Kopfsteinpflaster der Lübbenauer Altstadt. Im Herzen der Stadt sitzt die Verwaltung des Biosphärenreservats Spreewald. Heute bereite ich mich auf meine erste Führung zur Wasserschlagwiese am nächsten Tag vor. Dafür präge ich mir Informationen zum Biosphärenreservat, der Stadt Lübbenau, der Grafenfamilie Lynar und insbesondere der Wasserschlagwiese zwischen Lübbenau und Lehde ein. Ganz schön viele Details, aber immerhin dauert die Führung auch fast zwei Stunden.

Mitten in meiner Vorbereitung kommt Caro, eine Rangerin der Naturwacht Brandenburg, zu mir und fragt, ob ich nicht Lust hätte mit ihr Milane zu kartieren. Aber natürlich! So eine Chance gibt es ja nicht täglich. Kurz darauf sind wir mit dem dunkelgrünen Wagen der Naturwacht unterwegs Richtung Burg. Zwischen den Gehöften der Streusiedlung Burg und kleinen, artenreichen Wald- und Wiesenstücken schlängelt sich die Straße durch das Landschaftsschutzgebiet. Wir sehen mindestens drei Raubvögel auf unserem Weg zu den Nestern. Majestätisch schrauben sich die Vögel in die Höhe.

An dem ersten Nest angekommen, geht es durch hüfthohe Gräser. Um nicht von oben gesehen zu werden, verstecken Caro und ich uns in der gegenüberliegenden Baumgruppe. Gut, dass wir uns vorher mit Autan eingesprüht haben – hier im feuchten Unterholz fühlen sich die Mücken besonders wohl. Caro hat das Teleskop auf das große Nest ausgerichtet. Oben in den Baumkronen, hoffen wir einen Milan zu entdecken. Zehn Minuten später regt sich etwas – ein Jungvogel mit flauschigem Gefieder richtet sich auf. Er streckt sich und versucht sich an seinen ersten Flügelschlägen. Das Highlight unserer Exkursion. Denn leider lässt sich weder bei diesem noch bei dem nächsten Nest ein Altvogel blicken. Heute war das Glück nicht auf unserer Seite, vielleicht aber beim nächsten Mal.

Nachmittags haben wir noch einen Termin auf der Streuobstwiese zwischen Burg und Stradow. Die Streuobstwiese wird von der Bürgerstiftung Kulturlandschaft Spreewald gepflegt. Hier können Privatpersonen, Unternehmen und Schulen eine dreijährige Patenschaft für einen Obstbaum übernehmen und diesen im Herbst abernten. Heute ist Landrat Harald Altekrüger hier, um die Patenschaft für den Apfelbaum der Bauhausschule Cottbus zu erneuern. Wir kommen zeitgleich mit den Schülern aus Cottbus bei der Wiese an. Langsam geht es auf die Streuobstwiese, wo Victoria und ich noch kurz Frau Jacob von der Bürgerstiftung beim Anrichten der Getränke und Äpfel helfen. Die Schüler sind begeistert. Sie begutachten die Maispflanzen auf dem benachbarten Acker und schwelgen in Erinnerungen an ihre Projektarbeit. Sie haben in den letzten Jahren fleißig Äpfel geerntet und verarbeitet. Als der Landrat ankommt, begrüßt er alle herzlich mit Handschlag und ihm wird die Patenschaftsurkunde überreicht. Währenddessen mache ich Fotos von den Gästen und genieße die letzten Sonnenstrahlen. Schließlich könnte es morgen wieder regnen. 

Christiane Baumgärtner, Umweltpraktikantin 2017 im Biosphärenreservat Spreewald