Commerzbank-Umweltpraktikum

Vogelzählung auf dem Gellen

Seit nun schon sieben Wochen ist die wunderschöne Ostseeinsel Hiddensee, Teil des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft, mein Arbeitsplatz. Zu meinen Aufgaben gehören vor allem die Begleitung und Durchführung der naturkundlichen Führungen für Touristen über die landschaftlichen Höhepunkte der Insel und die Betreuung der Info-Ausstellung.

Neben den täglich und wöchentlich stattfindenden Tätigkeiten und Veranstaltungen findet einmal im Monat die Zählung der Küstenvögel statt. Aus diesem Grund ging es Mitte Juni für mich auf den Gellen, zusammen mit dem Ranger und der FÖJlerin. Auf diesen Tag hatte ich mich schon sehr gefreut, da die Zählung aus einer Wanderung durch die Kernzone besteht, welche nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Ein absolutes Highlight meines Umweltpraktikums!

Der Gellen ist die südliche Spitze Hiddensees, die sich seit dem Ende der letzten Eiszeit durch Sandabtragungen im Inselnorden, küstenparallelen Transport und Akkumulation im Süden gebildet hat und sich bis heute sehr dynamisch weiter entwickelt. Der Gellen und das angrenzende Windwatt bilden wichtige Brut- und Rastplätze für diverse Vogelarten und besitzen deshalb den höchsten Schutzstatus.

Ausgestattet mit Spektiv und Fernglas fuhren wir mit dem Fahrrad vom Nationalparkhaus in Vitte Richtung Süden, vorbei an der Küstendünenheide, dem Ort Neuendorf und dem Süderleuchturm. An der Kernzonengrenze ließen wir die Fahrräder zurück, um von dort etwa 5 km zu Fuß am unberührten Strand bis zur Spitze des Gellen zu kommen. Auf dem Weg dorthin wurde jeder am Boden befindliche und fliegende Küstenvogel vermerkt. Wegen des recht starken Westwindes der Stärke 6 zeigten sich am Strand aber nur wenige Vögel, darunter Sandregenpfeifer, Brachvögel, Silber- und Lachöwen und Kormorane. Auf der windgeschützten Ostseite des Gellens am Bodden war etwas mehr los. Zahlreiche Stockenten, Höckerschwäne und einzelne Austernfischer, Alpenstrandläufer, Möwen und Brandseeschwalben waren zu sehen. Das Highlight war aber ein Seeadler, der majestätisch über dem Windwatt kreiste.

Neben der Vogelzählung gehören auch das Küsten- und das Müllmonitoring zu den Aufgaben an diesem Tag. Dafür werden an einem geodätischen Punkt die Entfernungen vom Messpunkt zur Vegetationskante und von dort zur Wasserlinie ausgemessen. So können küstendynamische Veränderungen erkannt und langfristige Entwicklungen dokumentiert werden. Beim Müllmonitoring werden auf einem festgelegten Strandabschnitt von 100m Länge alle Gegenstände und Partikel anthropogenen Ursprungs eingesammelt und dokumentiert.

Nach einem langen Tag an frischer Luft ging es nachmittags am Bodden entlang zurück Richtung Nationalparkhaus. Im Gepäck viele unvergessliche Eindrücke von wunderschöner unberührter Natur.

Marthe-Marlene Bahnsen, Umweltpraktikantin 2017 auf Hiddensee im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft