Commerzbank-Umweltpraktikum

Vögel im Fokus – ein Tag auf der Hamburger Hallig

Mein Tagesrhythmus hat sich hier auf der Hamburger Hallig den Öffnungszeiten der Wattwerkstatt angepasst. Gemütlich stehe ich um halb Neun auf und schaue, was der Tag so bringt. Für heute steht eine Spülsaumkontrolle auf dem Plan und für den morgigen Tag die Springtidenzählung. Ein Blick auf den Wetterbericht verrät mir, dass der morgige Tag von Wind und Schauern geprägt sein soll. Deshalb kläre ich ab, ob es möglich wäre, die Zählung um einen Tag vorzuziehen.  Nachdem Frühstück beginne ich um viertel Zehn die Spülsaumkontrolle.  Diese verläuft am heutigen Tage ohne besondere Entdeckungen wie Paraffin, größere Müllansammlungen oder Tierkadaver. Noch bevor ich den Halligkopf erreiche, auf dem sowohl meine Unterkunft als auch die Wattwerkstatt stehen, bekomme ich per SMS grünes Licht. Die Vogelzählung soll sogar witterungsbedingt heute durchgeführt werden. Aber bis diese beginnt, habe ich noch ein wenig Zeit und öffne die Wattwerkstatt. Bei dieser handelt es sich um meine Haupteinsatzstelle, eine Informationseinrichtung mit Schautafeln zum Nationalpark, dem Watt, der Hallig und ihrer Pflanzen und Vogelwelt. Weitere Einrichtungsgegenstände sind Binokulare, ein Spektiv sowie zwei Brettspiele. Darüber hinaus gibt es Exponate von Strandfunden und Vögeln. Im Zentrum der Wattwerkstatt steht eine Wühlkiste mit Strandfunden, über die man immer wieder mit Besuchern ins Gespräch kommt. Während der zwei Stunden, die ich heute geöffnet habe, kommen elf Besucher vorbei. An schönen Tagen während der Saison können es zwischen 10:00 Uhr und 18:30 Uhr auch einmal weit über 100 Besucher sein. Nach einer kurzen Mittagspause mache ich mich auf zur Zählung. Diese beginnt zwei Stunden vor Hochwasser am Halligkopf. Dort erwarten mich unzählige Alpenstrandläufer, weitere Watvögel und mit Lach-, Sturm,- Silber- Herings- und Mantelmöwe auch fünf verschiedene Möwenarten. Am nächsten wichtigen Zählpunkt habe ich heute Glück. Die Austernfischer, die bei Hochwasser immer eine schwer einsehbare Stelle aufsuchen, fliegen erst ein, als ich mich mit dem Spektiv postiert habe. Diesmal fliegen in kleineren Gruppen, die sich gut nacheinander auszählen lassen, 350 Stück ein. Nachdem ich an diesem Punkt mit dem Zählen fertig bin, suche ich als nächstes den Schafberg auf. Dieser ist sowohl Unterkunft als auch Auskunftsstelle von Ehrenamtlichen des NABU. Neben einer guten Übersicht über das Gelände bekomme ich dort einen Tee. Nach einem kurzen Austausch über schon gesehene Vögel zieht es mich weiter Richtung Deich. Dort angekommen, warten am letzten Zählpunkt etliche Goldregenpfeifer auf mich. Nachdem ich 60 Goldregenpfeifer auszählen und notieren konnte, packe ich meinen Zählblock und das Spektiv ein. Bei starkem Gegenwind kämpfe ich mit dem Rad zurück zu meiner Unterkunft. Dort angekommen rechne ich die Zahlen zusammen und leite sie weiter. Schon morgen Mittag werde ich eine ausgedruckte Liste in der Wattwerkstatt aufhängen können.

Stefan Guth, Umweltpraktikant 2017 im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer auf der Hamburger Hallig