Commerzbank-Umweltpraktikum

Wo ist der Wattwurm?

Schon auf dem Weg zur Arbeit zeigt sich, dass es ein gutes Wetter werden wird, um heute ins Watt zu gehen. Es sind zwar 6 km gegen den Wind zu strampeln, aber das macht die Sonne wieder wett, die die Rapsfelder vor dem Deich zum Leuchten bringt.

Nachdem wir im Umweltbildungsbüro in der Seehundstation die Veranstaltungen für den heutigen Tag unter uns aufgeteilt haben – mehrere Wattwanderungen, Stranddetektive und Seehundvorträge – mache ich mich fertig. Mit Rucksack, Gummistiefeln, Eimer und Wattgabel mache ich mich auf zum Treffpunkt am Deich, wo schon die Kinder der dritten Klasse auf mich warten, mit denen ich heute die Stranddetektive mache. Die meisten haben keine Gummistiefel mit, sondern wollen auf Socken ins Watt. Das ist prinzipiell kein Problem, nur so warm ist es dann doch noch nicht.

Allerdings schauen wir uns erst den Deich an, erklimmen dann den Aussichtsturm, mit dem man einen guten Blick auf die Wattflächen, Juist und Norderney hat, gehen dann an den künstlichen Strand, wo wir ein paar Muschelarten kennenlernen, und arbeiten uns so Schritt für Schritt Richtung Watt vor. Nachdem wir auf der Wiese an der Uferpromenade noch ein paar wichtige Regeln fürs Watt geklärt haben (alles hört auf mein Kommando – lebende Tiere bleiben im Watt – nicht zu weit weglaufen) und alle ihre Schuhe um- oder ausgezogen haben, ist es dann endlich soweit. Das Gefühl von Watt unter den Füßen ist komisch und neu für die Kinder, aber die meisten haben schnell Spaß bei der Sache und es beschwert sich keiner darüber, dass es zu kalt wäre. Ich lasse sie nach Tieren suchen, die sie in eine Schale mit Nordseewasser sammeln sollen, und in Löchern buddeln, die ich ihnen aushebe. Am Ende treffen wir uns im Kreis wieder, wo wir alle Fundstücke begutachten können und ich noch ein paar Sachen dazu erkläre. Eine Garnele, einige Schlickkrebse, Strand- und Wattschnecken, ein paar Quallen, eine Herzmuschel, ein Seeringelwurm – die Prominenzen Wattwurm und Strandkrabbe lassen sich heute leider nicht blicken. Dann geht es für die Kinder in die Mittagspause, denn danach kommen sie für einen Seehundvortrag in die Station.

Mit Bildern erkläre ich ihnen verschiedene Robbenarten und die Unterschiede zwischen den Robbenfamilien. Wir schauen uns den Seehund genauer an, wie er lebt und was er das ganze Jahr über macht. Dann erkläre ich ihnen noch, wie ein Heuler entsteht und nach vielen Fragen der Kinder mache ich noch einen kurzen Film an, der die verschiedenen Stationen eines Heulers in unserer Seehundstation vom Fund bis zur Auswilderung zeigt. Den Kindern hat die Veranstaltung anscheinend genauso viel Spaß gemacht wie mir und auch die Lehrerinnen sind zufrieden. Die Klasse kann sich danach noch die Ausstellung und die Nachmittagsfütterung der Seehunde und Kegelrobben ansehen und auf mich wartet noch ein bisschen Arbeit im Büro. Für eine Führung durch die Ausstellung ist es jetzt zur Fütterungszeit zu voll – vielleicht morgen wieder, wenn es in den Veranstaltungsplan passt. 


Pia Bachmann, Umweltpraktikantin 2019 im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer