Commerzbank-Umweltpraktikum

The show must go on

Mein Arbeitstag beginnt entspannt um halb neun. Ich bin nun gute sechs Wochen in der Seehundstation und voll im Arbeitsalltag angekommen. Bevor ich die fünf Minuten vom Haus zur Station radel, gehe ich noch zum Bäcker und hole das Brot für die hungrige Meute ab. Denn nicht nur unsere 188 Heuler wollen versorgt werden auch das Team von Freiwilligen und Festangestellten braucht am Morgen ihre Grundration Nahrung.

Nach der Morgenroutine sitzen wir alle beim Frühstück beisammen und der Tag wird besprochen. Heute wird ein schöner Tag an dem ich sehr viel Zeit mit den Besucher/innen verbringen darf. Ich bin auch für eine der Führungen am Morgen eingeteilt. Es ist eine sehr interessierte, aufgeweckte, sechste Klasse und die Stunde vergeht wie im Flug. Nach Mittagspause und einigen Austellungsdiensten neigt sich mein Arbeitstag auch schon langsam dem Ende zu, allerdings steht noch eine Sache auf dem Plan. Die Fütterungskommentierung um 17:30 Uhr.

Dabei werden die sieben Dauerhaltungstiere gefüttert in Verbindung mit einem medizinischen Training. Meine Aufgabe ist es dabei die Übungen zu kommentieren und zu erklären, welche Übungen aktuell durchgeführt werden. Vor Beginn bespreche ich mich mit Lars, einem der Tierpfleger. Er plant heute das obere Becken zu trainieren und anschließend das untere mit einer Wurffütterung zu versorgen. Bei der Begrüßung stehen alle Besucher/innen am unteren Becken - also bitte ich sie nach oben. Die Trainer/innen versuchen die Tiere an ihre Positionen zu rufen, doch es scheint so als hätte heute niemand Lust diesem Aufruf zu folgen. Mittlerweile bin ich mit der allgemeinen Begrüßung fertig und warte darauf Übungen erklären zu können. Aber die vier Seehunde drehen unbekümmert ihre Bahnen im Becken. Ich schaue Lars an, er zuckt mit den Schultern. Das medizinische Training ist auf freiwilliger Basis für die Tiere, sollte eines keine Lust haben, ist das vollkommen in Ordnung - dass aber alle vier keine Lust haben ist ein ungewohnter Zufall.

Die Zuschauer/innen schauen mich erwartungsvoll und ich blicke verwirrt zu Lars, der wieder mit den Schultern zuckt. Schließlich geben wir es auf, werfen jedem Tier seine Grundration Fisch zu und ich bitte die Zuschauer/innen doch wieder an das andere Becken zurückzugehen. Ich schaue in verwirrte Gesichter und sie schauen in mein verwirrtes Gesicht, aber letztendlich folgen alle meinen Anweisungen. Denn: „The show must go on“.

Unten sind die Tiere wesentlich motivierter und führen wie gewohnt das Training durch, welches ich kommentiere. Schließlich ist die Fütterung beendet und es gibt Applaus. Geschafft, nun einmal Abspülen und schon ist der Feierabend zum Greifen nah.

Malin Herke, Umweltpraktikantin 2019 in der Seehundstation Friedrichskoog