Commerzbank-Umweltpraktikum

Sandsteintiere aus dem Pfälzerwald

Es ist ein Samstagmorgen - Wochenende für mich als Umweltpraktikantin! Aber ich verbringe den sonnigen Vormittag heute nicht schlafend, sondern bin schon früh auf dem Weg nach Lambrecht in die Geschäftsstelle des Biosphärenreservats Pfälzerwald-Nordvogesen. Im Zug durch die Rheinebene genieße ich die Aussicht auf die äußerste Bergkette des Pfälzerwaldes, die von kleinen Weindörfern gesäumt ist. Ich fühle mich immer noch wie im Urlaub hier. Dieses Gefühl macht mein Praktikum im Biosphärenreservat besonders schön!

Heute treffe ich zum zweiten Mal die beiden Junior Rangerinnen mit denen ich im Juni aufs bundesweite Junior Ranger Camp fahren werde. Das Junior Ranger-Programm bildet junge Menschen zu Botschaftern und Botschafterinnen für den Schutz der Natur und den Erhalt der biologischen Vielfalt aus. Elin und Emelie sind 12 und 13 Jahre alt und werden die ersten beiden aus dem Junior Ranger-Programm des Biosphärenreservats Pfälzerwald-Nordvogesen sein, die das Bundescamp besuchen.
In diesem Jahr wird es im Nationalpark Sächsische Schweiz unter dem Motto "Dichter Wald trifft Felsgestalt" stattfinden. Dafür haben alle teilnehmenden Gruppen als Hausaufgabe bekommen, ein Bild aus regionalem Gestein mit einem für unser Schutzgebiet typischem Motiv zu basteln und dazu ein Gedicht zu schreiben. Das ist heute für uns drei der Plan. Außerdem wollen wir uns gegenseitig besser kennenlernen während wir auf der sonnigen Terrasse sitzen und die beiden Junior Rangerinnen dürfen heute zum ersten Mal ihr Zelt aufbauen, in dem sie in der Sächsischen Schweiz übernachten werden.

Die Terrasse ist umgeben von den upgecycelten Weinkisten, die ich in den letzten Wochen zu Garten- und Wildkräuterbeeten gemacht habe. Gestern und vorgestern habe ich außerdem dünne Holzplatten, Heißkleber und Naturmaterialien für unser Bild besorgt, also Sandsteine verschiedener Größen, Rinde, Stöcke und Gräser gesammelt, mit denen wir unser Bild gestalten können. Ich lege alle Materialien auf den Tischen auf der Terrasse hinter der Geschäftsstelle bereit damit wir loslegen können. In den letzten Tagen habe ich zwar schon ein wenig herumprobiert wie sich Motive aus Steinen bilden lassen - aber das ist gar nicht so einfach! Ich bin gespannt wie die beiden Mädchen diese Aufgabe meistern und auch für welches Motiv wir uns zusammen entscheiden werden. Dafür habe ich verschiedene Bücher, Flyer und Postkarten aus dem Biosphärenreservat zur Inspiration bereit gelegt. Als beide Mädchen da sind, erzählen sie, was für sie unser Schutzgebiet ausmacht:

Felsen, Wald, Wärme, Weinbau, Weidetiere, Wildtiere... Wir haben viele Möglichkeiten! Besonders spannend finden wir alle ein Tier, was noch nicht sehr lange bei uns zu Hause ist - der Luchs! Aber bevor wir uns an die Gestaltung unseres gemeinsamen Bildes machen, dürfen Emelie und Elin ein eigenes kleines Bild gestalten und ausprobieren wie es sich so mit dem Sandstein arbeiten lässt. Es ist gar nicht so leicht, passende Steine für eine Form zu finden und dann die krümeligen Steine sicher auf den Holzplatten zu befestigen. Aber die beiden Junior Rangerinnen gewöhnen sich schnell an die ungewohnten Materialien und entscheiden sich für ihre Bilder für Weintrauben und Berge sowie einen Luchs und ein Schaf. Die Motive umrahmen sie mit Ästen, die die Bilderrahmen ergeben. Mit ein bisschen Übung sind wir jetzt bereit für unser gemeinsames Bild, dass wir mit in die Sächsische Schweiz nehmen wollen. Wir bilden mit Steinen den Berg und setzen den Luchs darauf, doch es ist noch ein wenig Platz! Einen Sternenhimmel mit Mond schlägt Elin vor. Passend zum Sternenpark Projekt des Biosphärenreservats. Außerdem findet Emelie, dass wir noch einen Menschen dazu basteln können, der den Luchs beobachtet. Denn Menschen gehören ja schließlich auch zu unserem Schutzgebiet! Auch dieses Bild umrahmen wir mit Stöcken und verzieren es mit Gräsern, die die Pflanzen im Bild darstellen. Wir sind alle sehr zufrieden! Nach einer kurzen Pause bauen die beiden probeweise ihr Zelt auf und sind schon aufgeregt beim Gedanken an ihre bevorstehende Reise! Auch ich bin aufgeregt und freue mich, ein kleines Reiseabenteuer mit den beiden zu erleben. In Gedanken an den Luchs schreiben wir unser Gedicht:

Der Luchs
Augen, die gelb funkeln
leuchten da im Dunkeln.
Hier schleicht er ganz ganz leise
Auf ganz besond’re Weise.
Seine Ohren sind ganz spitz
und er kann rennen wie der Blitz.
Doch passt gut auf!
Verwechselt den Fuchs nicht mit uns’rem Pfälzer Luchs!

Pünktlich werden wir mit unseren Aufgaben fertig und die beiden Junior Rangerinnen werden von ihren Eltern abgeholt. Auch die sind schon aufgeregt! Ein Gewitter ist im Anmarsch und ich beeile mich alles zusammen zu packen, aufzuräumen und nach drinnen zu tragen. Aber wie typisch für hier bleibt es trocken und es donnert und blitzt nur in der Ferne. Jetzt ist alles vorbereitet für unsere Fahrt. In ein paar Tagen geht es los und es wird ein toller Abschluss für mein Umweltpraktikum!

 

Ronja Hoßbach, Umweltpraktikantin 2019 im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen