Commerzbank-Umweltpraktikum

Ein Tag auf der Sellnitz

Es ist 7:00 Uhr, mein Wecker klingelt. Ich mache mir ein Müsli und schmiere ein paar Brote bevor ich mich auf den Weg zum Fähranleger nach Halbestadt mache. Der Weg von der Umweltbildungsstätte Sellnitz führt mich durch einen dichten Wald. Hinter manchen Bäumen ragen riesige, vom Morgentau feuchte Sandsteinfelsen hervor.
In Halbestadt angekommen, treffe ich zwei meiner Kollegen. Wir warten darauf, dass die S-Bahn aus Dresden am Bahnhof Königstein eintrifft und eine 2. Klasse mit 28 Kindern mit der Fähre zu uns übersetzt. Diese Klasse hat heute das Programm „Nationalpark schmecken – Auf den Spuren der Wildkräuter“ gebucht.
Nach einer kleinen Vorstellungsrunde wird die Klasse unter mir und meinen Kollegen aufgeteilt und wir laufen auf unterschiedlichen Wegen zurück zur Sellnitz. Auf dem Weg dorthin sammeln wir zusammen mit den Kindern viele verschiedene essbare Wildkräuter, die später im Quark, Rührei und Tee verarbeitet werden. Der Tisch wird gedeckt und alle Kinder und auch die mitgekommenen Lehrer freuen sich über ein leckeres und gesundes Mittagessen. Dann folgt der Abwasch, an dem sich alle Kinder beteiligen müssen, auch wenn es ihnen nicht passt.
Kurz darauf muss sich die Klasse schon wieder auf den Rückweg machen, da sie noch eine Weile unterwegs sein werden, bis sie wieder zu Hause sind. Ich laufe mit  ihnen wieder zum Fähranleger und verabschiede mich von den Kindern. Auf der Sellnitz erledige ich den restlichen Abwasch und räume auf. Danach schraube ich im Garten ein wenig an einer Informationstafel herum, die noch aufgestellt werden soll, als plötzlich zwei Ziegen den Wanderweg heraufgehen.
Die beiden waren jetzt schon häufiger hier und genießen das umfangreiche Nahrungsangebot auf der großen Wiese vor der Bildungsstätte. Da sie von einem Hof in Halbestadt ausgebüxt sind, sollen sie wieder eingefangen werden. Die Tiere sind allerdings viel zu flink und zu schlau und lassen sich auch nach etlichen Versuchen nicht einfangen, was mir persönlich aber auch eigentlich gefällt. Das Motto des Nationalparks ist ja „Natur Natur sein lassen“. Gehören diese Ziegen jetzt nicht auch zur Natur? Ihnen geht es jetzt auf jeden Fall nicht schlechter als vorher, Wanderer und Schulklassen freuen sich jedes Mal, wenn sie die Ziegen sehen und die Wiese vor dem Haus wird sorgfältig gepflegt. Ich mache mir nach dem Beobachten der Ziegen noch etwas zu Essen und dann laufe ich mit meinem Mitbewohner den Nordaufstieg des Liliensteins hoch.
Die Sellnitz liegt direkt am Fuße des Liliensteins, man kann innerhalb von 20 Minuten auf dem Tafelberg sein. Langsam geht die Sonne unter und oben angekommen genießen wir eine atemberaubende Aussicht und den Sonnenuntergang mit einem mitgebrachten Bier. Als es schließlich ganz dunkel ist knipsen wir die Taschenlampen an und machen uns auf den Weg nach unten. Wieder auf der Sellnitz angekommen, essen wir noch gemeinsam und spielen ein Kartenspiel. Danach falle ich dann erschöpft aber glücklich ins Bett.

Jonas Rüterbories, Umweltpraktikant 2019 im Nationalpark Sächsische Schweiz