Commerzbank-Umweltpraktikum

Naturschutz vom Schreibtisch aus


3. August 2018, Havenhaus in Wilhelmshaven – 8:30 Uhr:
Zur gewohnten Uhrzeit komme ich nach 25-minütiger Fahrradfahrt an der Nationalparkverwaltung des Niedersächsischen Wattenmeers an. Allerdings sind meine Beine etwas schwerer als sonst und die Haut gut gebräunt vom Vortag, den ich komplett auf der Insel Borkum mit zwei Kollegen verbracht habe. Gestern war ich schon um 7:15 Uhr hier, um 
dann mit Auto, Schiff und Inselbahn auf die größte der Ostfriesischen Inseln zu fahren. So ein Auswärtseinsatz ist eine willkommene Abwechslung zu meinem sonstigen Büroalltag, vor allem bei diesen mörderisch heißen Temperaturen. Auf der Insel angekommen, haben wir uns erstmal aufs Fahrrad geschwungen und ich habe im Alleingang das Westland, die Greune Stee (grüne Stelle, ein kleiner Dünenwald) und den Seedeich erkundet. Bei einer kurzen Mittagspause gab es dann auch eine Tasse Kaffee Borkum, einen eigens auf Borkum gehandelter Kaffee, der Sponsor der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer ist und über den ich in meinen ersten Wochen eine Pressemitteilung verfasst habe. Nachmittags habe ich meine Kollegen bei Begehungen mehrerer Dünentäler begleitet: hier habe ich viel Neues über diesen besonderen Lebensraum sowie Neophyten gelernt und mich von der Begeisterung, die der Fund von Littorella (Europäischer Strandling, eine selten gewordene Pflanze) bei den Umstehenden hervorgerufen hat, anstecken lassen.

Nach sieben Stunden auf Borkum ging es dann wieder mit Inselbahn, Schiff und Auto zurück nach Wilhelmshaven. Um 21 Uhr bin ich müde, aber glücklich zuhause angekommen und habe mich sogar wieder ein kleines bisschen auf mein Büro morgen gefreut.

Und hier sitze ich nun und frage mich nach den vielen intensiven Eindrücken gestern, was ich eigentlich konkret zum Naturschutz des Wattenmeers beitrage? Doch mir wird bewusst: Öffentlichkeits- und Pressearbeit ist neben Umweltbildung und „direktem“ Naturschutz ein wichtiger Bestandteil der Erhaltung dieser einzigartigen Naturlandschaft. Mit Beiträgen für die Website oder den Newsletter sowie dem Verfassen von Pressemitteilungen helfe ich mit, den Nationalparkgedanken an verschiedene Zielgruppen über diverse Wege heranzutragen. Denn nur wer informiert und aufgeklärt ist, weiß um die Notwendigkeit, Natur einfach mal Natur sein zu lassen und der Flora und Fauna im Wattenmeer ihre natürliche und vor allem ungestörte Entwicklung zu erlauben.

Und dann denke ich mir noch, dass ich mit meinem Studium der Kulturwirtschaft eigentlich nicht wirklich in das Feld der Geographen, Biologen oder Umweltwissenschaftler des Commerzbank-Umweltpraktikums passe… Aber wer sagt, dass sich nicht jeder für den Naturschutz in den deutschen Schutzgebieten einsetzen kann? Mit meinem ganz individuellen Studienhintergrund möchte ich in den kommenden Wochen die Arbeit meiner netten Kollegen so gut es geht weiter unterstützen und die Wahrnehmung des Nationalparks in der Öffentlichkeit ausweiten, auch wenn es „nur“ vom Schreibtisch aus ist. So bin ich an der Gestaltung eines Fotokalenders für die nächsten Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer beteiligt, kümmere mich mit um die Vorbereitungen für eine Messe in Düsseldorf und setze mich mit dem Thema Kommunikation über soziale Medien auseinander. Zu weiteren Auswärtseinsätzen im Nationalpark werde ich aber ganz bestimmt nicht Nein sagen! Bis dahin arbeite ich auch gerne am Schreibtisch weiter.

Marlene Radinger, Umweltpraktikantin 2018 in der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer in Wilhelmshaven