Commerzbank-Umweltpraktikum

Indianer im wilden Wald

Heute ist einiges anders als sonst: An diesem frühen, sonnigen Morgen erhebt sich weißer Rauch über das Gelände des Jugendwaldheims. Allmählich zieht er am Lagerfeuerplatz und dem daneben liegenden Teich vorbei, den Wiesen entlang bis hinauf weit über die Kronen der Bäume im Nationalpark Bayerischer Wald. Ich bin mir sicher, dass man unsere Rauchzeichen auch in der näheren Umgebung noch sehen kann. Es ist der vierte Tag unserer Indianer-Projektwoche und meine Kollegen und ich sind bereits vor Ankunft der Schüler damit beschäftigt das Lagerfeuer vorzubereiten, das heute noch eine wichtige Rolle spielen soll.

Kaum haben wir auch alle anderen Materialien für diesen Tag auf den verwitterten Holzbänken neben der Feuerstelle bereit gelegt, hören wir wie sich die drei wilden Indianerstämme der Montessori-Schule nähern. Einige Schüler tragen sogar Federschmuck auf dem Kopf und einen Lederbeutel am Gürtel – nur zwei von vielen Dingen, die wir in den vergangenen Tagen gemeinsam gebastelt hatten. Wir versammeln uns um die Feuerstelle, wie jeden Morgen erklingt die Gitarre und wir beginnen den Tag mit: „Indianer heißen wir, ahu, ahu, ahu....“

Nach einem Laufspiel, das wir in Anlehnung an unser Thema „Büffeljagd“ getauft hatten, dürfen sich die Kinder nun je nach Interesse in verschiedene Gruppen einteilen. Im Laufe des Tages benutzen die kleinen Indianer Zunderschwamm und Bogen zum Feuer machen, kochen Tannennadeltee mit Holunderblütensirup auf dem offenen Feuer, bemalen zwei große, entrindete Holzstämme zu Totempfählen und backen schließlich Bannock-Fladenbrot an der Feuerstelle.

Zum Abschluss des Tages sitzen wir wieder alle gemeinsam am Feuer. Einige Kinder fallen noch über die letzten Reste des Brotes her. Dann erklingt die Gitarre und geht es wieder los „ ... ahu, ahu, ahu“.

 

Julia Rothacher, Umweltpraktikantin 2018 im Nationalpark Bayerischer Wald