Commerzbank-Umweltpraktikum

Einsame Idylle in der Nordsee – ein Tag auf Scharhörn

Ich bin für drei Monate die Vogelwartin für den Verein Jordsand auf Scharhörn und damit auch die einzige Einwohnerin auf der kleinen Insel in der Nordsee. Eine halbe Stunde Fußmarsch entfernt liegt die ebenfalls unbewohnte Insel Nigehörn, die ich mitbetreue.

Als Vogelwartin bin ich zuständig für die Brutvogelkartierung, d.h. ich beobachte welche Vogelarten und wie viele Paare auf den beiden Inseln brüten und ich zähle regelmäßig alle anderen anwesenden Vögel und beobachte, welche Zugvögel durchziehen. Gelegentlich besuchen mich auch Touristen von der bewohnten Nachbarinsel Neuwerk aus, die ich dann eine halbe Stunde auf der Insel herumführe, bevor ich sie wieder zurückschicke, damit sie es trockenen Fußes nach Neuwerk schaffen, bevor die Flut kommt.

Eine weitere Aufgabe sind verschiedene Müll-Monitorings, d.h. ich gehe am Strand entlang und schreibe auf wieviel Müll ich finde und woher der stammt. Dort finde ich vor allem Müll aus der Fischerei, z.B. sogenannte Dolly Ropes- Plastikfäden aus der Schleppnetzfischerei und Plastikmüll den wir im täglichen Leben produzieren: Tüten, Flaschen, Verpackungen aller Art und die für die Vögel besonders lebensgefährlichen Plastikschnüre, an denen Luftballons steigen gelassen werden. Leider hilft es nicht, einfach regelmäßig die Strände zu säubern- wir alle müssen dringend weniger Müll produzieren und auf Einwegplastik vollkommen verzichten, denn es gibt tolle Alternativen: vom Jutebeutel, über Strohhalme aus Glas oder Edelstahl, Trinkflaschen zum selber befüllen bis zu Zahnbürsten aus Bambus.

Meine Tage auf der Insel richten sich stark nach den Gezeiten. Nach dem Aufwachen prüfe ich also auf der Tabelle als erstes wann heute Hochwasser sein wird und ich Möwen zählen kann und wann Niedrigwasser sein wird und ich Ausschau nach Gästen halten muss. Danach koche ich das Wasser ab für meinen Kaffee, mein Wasser kommt nämlich in Kanistern aus Neuwerk zu mir auf die Insel. Wenn ich Glück habe, dann habe ich kürzlich eine Essenlieferung mit einem Wattwagen erhalten und es gibt frisches Obst zum Frühstück, sonst gibt es Haferbrei, wenn lange niemand da war auch mal mit Wasser gekocht, anstatt mit Sojamilch. Wenn zwischen Brutvogelkartierung und Besucherführung Zeit ist, dann mache ich oft einen Inselrundgang, gut ausgerüstet mit Spektiv und Fernglas, das Bestimmungsbuch für den Notfall und die Kamera sind auch meistens mit dabei. Alle Funde dokumentiere ich in einem kleinen Buch und übertrage sie später in Karten und Exceltabellen: Insekten und Pflanzen, Säugetiere, besondere Vögel und alle ungewöhnlichen Vorkommnisse.

Natürlich ist dazwischen auch immer Zeit den wunderschönen Strand zu genießen und den Sonnenuntergang über dem Meer lasse ich mir auch kaum einen Abend entgehen.


Dorothee Hagenschulte, Umweltpraktikantin 2018 auf Scharhörn im Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer