Commerzbank-Umweltpraktikum

Eine Nacht im Kreidemuseum

Vier Wochen bin ich nun hier im Nationalpark Jasmund und was mir ziemlich schnell klar wurde, ist, kein Tag gleicht dem anderen. Jeden Morgen steht ein neues Abenteuer auf dem Arbeitsplan. Beginnend mit der Moor-Renaturierung im Buchenwald, über selbst geplante Projekte am Strand oder Botanik-Kurse für Kinder bis hin zu aufregenden Wildnis-Camps mit den Junior Rangern. In kürzester Zeit habe ich hier schon viel gelernt und erlebt. Der Nationalpark Jasmund bietet mit einer wunderschönen Natur eine so große Vielfalt, dass auch die alltägliche Arbeit hier immer wieder aufs Neue etwas Besonderes ist.

Heute steht auf dem Plan, dass wir mit circa zehn Kindern im Kreidemuseum auf Rügen übernachten. Vor dem Eintreffen der Kinder muss allerdings noch einiges vorbereitet werden. Es soll eine Jurte aufgebaut werden, in der wir alle zusammen übernachten können. Diese Jurte soll nach ihrer Fertigstellung einem traditionellen Zelt der Nomaden in Zentralasien ähneln. Also nichts wie ran, wir packen Seile, Hammer und Holzstangen, die wir zum Bau benötigen auf einen Hänger und fahren Richtung Kreidemuseum.  Dort angekommen gibt es zur Stärkung ein paar Kekse und eine Tasse Tee. 
Zum Glück unterstützen uns heute drei Jungs von den Junior Rangern und die Jurte ist trotz starkem Wind schnell aufgebaut. Man hat von dem Platz, auf dem wir heute übernachten eine sehr schöne Aussicht auf den Kreidebruch, wo früher die berühmte Rügener Kreide abgebaut wurde und auf den Kreidesee, der darunter liegt. Bis zum Eintreffen der Kinder um 21 Uhr bereiten wir noch die Feuerstelle vor, um später leckeres Stockbrot machen zu können.
Die Kinder sind allesamt ziemlich aufgeregt. Eine Nacht im Museum zu verbringen ist für viele ein einmaliges Abenteuer. Und in dieser Nacht hat die Natur zudem ein wunderschönes Schauspiel zu bieten, das wir uns später gemeinsam anschauen werden.

Mit Taschenlampen bewaffnet laufen wir gemeinsam in die dunklen Räume des Museums. An der ersten Station wird Feuer aus Feuersteinen und Zunder gemacht. Wenn alle Taschenlampen aus sind, kann man die orangeroten Funken, die entstehen, wenn man zwei Feuersteine aufeinander schlägt, am besten sehen. Nur leider klappt es diesmal nicht, Zunder und Stroh zum Glühen zu bringen. Doch umso besser wissen wir nun, wie schwer es die Menschen damals wohl hatten, ihr Feuer nur auf diese Weise zu entfachen. Weiter geht unsere Führung durch die verwinkelten Räume des Museums. Währenddessen erzählt der Museumsleiter spannende Geschichten über die Dinosaurier, die hier mal gelebt haben und über die Fossilien, die man heute noch in der Kreide finden kann. Ein riesengroßes Modell von einem Mosasaurus hoffmani, der vor vielen Millionen Jahren mal im Kreidemeer gelebt hat, hängt oben an der Decke und sieht im dunklen Museum ziemlich furchteinflößend aus. Mittlerweile ist es ziemlich spät geworden und wir machen uns auf zu einer kleinen Nachtwanderung um das außergewöhnliche Naturschauspiel, das in dieser Nacht stattfinden wird. 
Vorbei an hochbewachsenen Feldern laufen wir den Kreidebruchhügel, den man im Hellen so gut von unserer Jurte aus sehen konnte, hinauf und schauen in den Himmel. Genau rechtzeitig, um zu sehen wie sich der Mond in den Erdschatten taucht. Alle stehen da und sind von dem sich bietenden Bild verzaubert. Der Mond erscheint blutrot und gleichzeitig erkennt man den Mars daneben, der der Erde so nahe steht wie selten. 
Eine Weile stehen wir so da und entdecken noch ein paar Sternbilder wie den großen Wagen oder Kassiopeia. Auf dem Weg zurück an den Zeltplatz wartet schon das Stockbrot am Lagerfeuer. Und es dauert nicht lange, bis alle Stockbrote fertig gemacht und zu Ende gegessen wurden.Müde und übermannt von aufregenden Erlebnissen gehen alle Kinder ziemlich spät, aber zufrieden schlafen.

Ich hingegen halte noch bis vier Uhr Nachtwache und beobachte am Feuer, wie der Mond sein einmaliges Spektakel beendet. 

 

Sheila Schilling, Umweltpraktikantin 2018 im Nationalpark Jasmund.