Commerzbank-Umweltpraktikum

Ein guter Tag im Multimar Wattforum

Ein guter Tag, um zu beschreiben, was man als Praktikant in Multimar für Aufgaben hat, ist folgender Dienstag kurz nach Ende der Herbstferien: Ich komme um viertel vor zehn zum Spätdienst in die Ausstellung und werde direkt von meiner Gruppe begrüßt, beziehungsweise von den vier Klassen einer Grundschule, die alle eine Führug gebucht haben. Dass dieser Tag anstrengend werden würde, wussten wir alle schon vorher, deshalb wurde auch schon im Vorfeld Verstärkung von einem weiteren Kollegen angefordert. So können wir dann alle vier je eine Klasse übernehmen und die Forschertouren beginnen. Hier zeigt sich gut, was ich im Miltimar sehr schnell gelernt habe, sobald ich meine eigenen Führungen machen durfte: improvisieren!

Diese vier Forschertouren (das waren über hundert Kinder zwischen sechs und elf!) haben natürlich alle mehr oder weniger den gleichen Inhalt, das heißt, wir müssen alle umeinander herumlaufen und können nicht unsere gewohnte Tour durch die Ausstellung gehen. Meine zweite Klasse ist aber echt süß, die Kinder hören gut zu und erzählen auch von sich aus einige spannende Dinge. Zur Forschertour gehört nach der Führung auch noch eine Rallye, bei der die Kinder zu zweit selbstständig durch die Ausstellung laufen und Fragen beantworten sollen. In der Zeit kann man also einen Schluck trinken, einen Raum für die Abschlussbesprechung organisieren und – ganz wichtig – an der Brandungszone stehen, das ist das „Anfassbecken“, in dem unter Aufsicht Seesterne oder sogar Seeanemonen und Strandkrabben berührt werden dürfen, ein echtes Highlight für fast alle Besucher, vom Kleinkind bis zu den Senioren!

Dann die Besprechung mit der zweiten Klasse, damit auf den Lösungsbögen hinterher nichts Falsches steht. Das geht recht schnell, weil die Kinder gut mitarbeiten und sich begeistert melden, sobald ich eine Lösung abfrage. Am Ende gibt es noch ein paar Ansagen von den Lehrern, dann dürfen die Kiddies sich weiter in der Ausstellung umgucken oder unseren Spielplatz erkunden. Die tägliche Mittagsfütterung an den beiden offenen Becken (der Gezeiten- und der Brandungszone) übernimmt heute eine andere Kollegin, sodass ich in der Zeit meine Mittagspause machen und mich mit meinen Mitstreitern unterhalten kann.

Für den Nachmittag sind zwei Forscherlabore gebucht, für zwei vierte Klassen. Bei einem Forscherlabor wird erst eine Führung mit Rallye gehalten, aber danach dürfen die Kinder noch in unser Schullabor und sich dort ausführlicher mit Seesternen, Seepocken und Miesmuscheln beschäftigen. Das Labor muss also vorbereitet werden, bevor die Klassen eintreffen: Becken füllen, Binokulare kontrollieren und Schlamm (für den Miesmuschelversuch) anrühren. Die Tiere werden erst im allerletzten Moment geholt, damit sie möglichst wenig Stress ausgesetzt sind.

Über den Mittag kam noch eine weitere Klasse, die eine Entdeckertour gebucht hatte, das heißt die Kinder bekommen jeder einen Rallyebogen in die Hand und erforschen selbstständig die Ausstellung, ohne Führung vorher. Da es heute draußen recht regnerisch ist, kommen auch viele Familien, da sich das Multimar als „Schlecht-Wetter-Attraktion“ durchaus anbietet. Dank des zusätzlichen Kollegen steht immer jemand an der Brandungszone, das ist gerade an solchen Tagen enorm wichtig!

Dann kommen die vierten Klassen und meine Kollegin geht mit „ihrer“ Klasse erst ins Labor, ich erst in die Ausstellung. Das ist noch eine wichtige Eigenschaft, die man hier lernt: Kommunikation. Die Führung läuft super, die Kinder sind begeistert und gehen auf meine Fragen ein, wissen meistens sogar noch mehr als gefragt war. Nach der Rallye und der anschließenden Besprechung kriegen sie noch einmal zwanzig Minuten frei, in denen ich das Labor wieder vorbereite. Als ich die Kinder dann ins Labor führe und ihnen die Versuche erkläre, sind sie begeistert, verständlicherweise aufgeregt und trotzdem aufmerksam genug, um zu wissen, was sie machen sollen: als Erstes wird der Seestern beobachtet, seine Saugfüßchen und seine Mundöffnung betrachtet. Dann sind die Miesmuscheln dran: in eins von zwei Bechergläsern sollen zehn Miesmuscheln gelegt werden.

Während die Kinder eifrig zählen, bringe ich die empfindlichen Seesterne zurück in ihr Aquarium. Der Miesmuschelversuch, den die Kinder gerade angesetzt haben, rückt jetzt in den Hintergrund, denn nun dürfen die Binokulare benutzt werden – natürlich mit vorheriger Erläuterung! Dieser Versuch, in dem Seepocken betrachtet – und von mir mit Plankton gefüttert – werden, ist der, der die Kinder am meisten fasziniert. Aufgeregt erzählen sie ihren Nachbarn, was sie sehen, tauschen die Plätze, schauen sich die Seepocken ganz genau an. Das wird natürlich etwas laut, aber es ist toll zu sehen, wie begeistert die Kinder bei der Sache sind.

Zum Schluss wird der Miesmuschelversuch ausgewertet: in den meisten Gruppen ist das Wasser in dem Becherglas, in das die Muscheln gelegt wurden, vollkommen klar, während das „Vergleichsglas“ (ohne Muscheln) immer noch trüb-schlammiges Wasser zeigt. Von diesem Ergebnis fasziniert und noch ganz von den Eindrücken des heutigen Tages gefangen verlassen die Kinder das Labor - welches jetzt, am Ende des Tages, natürlich wieder abgebaut und aufgeräumt werden muss, aber das geht recht schnell, vor allem, weil mir mein Kollege hilft.

Da ich Spätdienst habe, bleibe ich bis alle Gäste gegangen sind und bringe solange die Ausstellung wieder einigermaßen in Ordnung: die Bälle in der Spielecke gehören ins Bällebad, nicht daneben, die Hocker, die der Frühdienst morgens in der Ausstellung verteilt, müssen wieder eingesammelt und gestapelt, die Flyer wieder nachgefüllt werden. Da heute alle Gäste überpünktlich gehen, kann auch ich etwas früher Feierabend machen und nach Hause fahren. Ein weitere toller Tag im Multimar!

Elisabeth Trautner, Umweltpraktikantin 2018 im Multimar Wattforum im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer