Commerzbank-Umweltpraktikum

Der frühe Vogel auf Hiddensee


Hiddensee. Auf der Insel inmitten der Ostsee ticken die Uhren anders als am Festland. Kein Verkehrslärm, sondern Möwen, der Wind und das Meeresrauschen wecken mich morgens, -meist sogar noch vor dem Klingeln des Weckers um 7 Uhr. Neben der Öffentlichkeitsarbeit nimmt die Gebietssicherung und Gebietsbetreuung einen wichtigen Teil der Arbeit ein, so auch die monatliche Vogelzählung, die heute ansteht.

Dabei werden mehrere Gebiete auf Hiddensee und Westrügen erfasst. Nach der morgendlichen Besprechung bilden wir Teams und verteilen uns auf die Gebiete. Ich begleite einen der Ranger in den Süden von Hiddensee. Wir packen Ferngläser, Spektiv, samt Stativ, Zähluhren, Stifte und Notizzettel sowie Verpflegung ein, da wir den ganzen Tag unterwegs sein werden. Mit dem Fahrrad radeln wir bis südlich von Neuendorf, bis die Straße in einen sandigen Weg übergeht – abenteuerlich für mein Stadtfahrrad. Gegen 9 Uhr legen wir am südlichen Leuchtfeuer eine Frühstückspause ein und spähen mit dem Fernglas neugierig Richtung Bodden. Ob wir schon den ein oder anderen Vogel entdecken? Ein Seeadler fliegt über die Wiese, ein Highlight direkt am Morgen. Am Gellen (so heißt das Gebiet) angekommen, geht es zu Fuß in die Schutzzone 1. Für diese Zone besteht ein Befahrens- und Betretungsverbot. Nur von Nationalparkwächtern und Mitarbeitern des Nationalparks darf diese Kernzone betreten werden. Am Strand entlang, 4 km bis zur Spitze, erfassen wir Stockenten, allerlei Möwen, Austernfischer und Steinwälzer. Leider liegt auch sehr viel Müll am Strand, von Zigarettenkippen über Plastikflaschen, Luftballons und Kinderspielzeug alles ist dabei - ich finde sogar einen kleinen Bernstein und eine Luftmatratze (welche ich auf jeden Fall beim Baden ausprobieren werde). Vorne an der Landspitze wird das Spektiv aufgebaut, um besser die Windwattflächen einsehen zu können. Diese Flachwasserflächen werden vom Wind freigelegt und bieten für die Vögel einen Schlaf-, Rastplatz und die Möglichkeit auf Nahrungssuche zu gehen. Die Witterungsbedingungen heute (wenig Wind, wenige Wolken, die nur kurzfristig die Sonne bedecken) sind gut zum Vögel zählen – nur die Entfernung erschwert die Zählung. Im näherkommenden Herbst beginnt der Vogelzug, wenn die Tage kürzer werden und die Vögel sich auf ihre Reise in die Winterquartiere begeben, finden sich nach und nach mehr Schwärme ein. Heute haben wir bereits die ersten Anzeichen dafür: hunderte Grau- und Kanadagänse, Höckerschwäne, Limikolen wie Säbelschnäbler und Große Brachvögel sowie Raubseeschwalben (eine Seeschwalbenart mit großem, rotem Schnabel der wie eine Karotte ausschaut). 13 Uhr, Mittagspause. Wir stapfen gestärkt am Strand wieder in Richtung Norden zurück. Nun muss die Boddenseite erfasst werden. Hierfür halten wir an kleinen Buchten an, um auf die Boddengewässer einen Blick erhaschen zu können. Mehr als ein paar Boote, Angler und wenige Höckerschwäne bekommen wir allerdings nicht zu sehen. Kurz hinter Neuendorf treffen wir den Wanderschäfer, - er ist mit seiner Schafherde auf Hiddensee unterwegs – damit leistet er einen wichtigen Beitrag zur Landschaftspflege am Gellen und in der Heide. Ein letzter Stopp - mit Blick auf den Bodden - dann geht es auch schon zurück zum Nationalparkhaus. Nachdem die Daten dort schließlich in den Feldbogen eingetragen wurden, heißt es nach einem erlebnisreichen und naturnahen Arbeitstag um 16.30 Uhr: Feierabend!

Thalea Wörner, Umweltpraktikantin 2018 auf Hiddensee im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft