Commerzbank-Umweltpraktikum

Wildnis hautnah erleben

 

Puh, ich habe ein spannendes, anstrengendes Wochenende hinter mir. Bei der Veranstaltung „Wildnis hautnah erleben“ war Schluss mit Zivilisation, überleben in den Wäldern des Bayerischen Waldes und ursprüngliche Natur erfahren war angesagt.

Doch ich erzähle besser von Anfang an. Als „Commerzi“ (Praktikant für die Umwelt) im Bereich Sonderveranstaltungen am Nationalpark Bayerischer Wald bin ich für viele kleinere und größere Projekte zuständig. Dies besteht meist aus drei Teilen: Zuerst muss ein Konzept erarbeitet werden. Was wird überhaupt gemacht? Welche Aktionen sind sinnvoll? Für welche Altersgruppe? Für welchen Zweck? Anschließend kommt die Organisation: Material muss besorgt und Papierkram erledigt werden, Presseartikel müssen geschrieben werden, die Aktion muss beworben werden usw. Der beste Teil ist dann aber die Durchführung. Die selbstgeplante Veranstaltung wird natürlich von einem persönlich betreut!

Für „Wildnis hautnah erleben“ musst erst mal ordentlich eingekauft werden - natürlich möglichst regional und biologisch. Auch die ganzen Materialien, etwa Schnitzmesser, Lupen, Pflanzenbestimmungsbücher und vieles mehr musste von den verschiedenen Dienststellen besorgt werden. Nachdem dann noch am Freitag auf dem Grafenauer Wochenmarkt frisches Gemüse und Käse eingekauft worden war, konnte es endlich losgehen. Die Kinder, welche eintrafen, waren eine bunte Truppe im Alter von 10 bis 14 Jahren. Meist waren es kleine Grüppchen aus Dörfern der Region, aber auch vereinzelte „Auswärtige“ waren gespannt auf ein Wildnisabenteuer. Zu unserem Ziel, der Tummelplatzhütte, welche auf 1139 Meter idyllisch auf einer ehemaligen Waldweide liegt, ging es zu Fuß - 16 Kinder, ein Bufdi (Bundesfreiwilligendienstleistender…kein Wunder, das das Wort immer abgekürzt wird), eine Waldführerin, 2 freiwillige des Kreisjugendrings sowie der Commerzbankpraktikant (ich, hihi!). Nach einer etwa einstündigen Wanderung durch eine herrliche Waldlandschaft kamen wir an.

Auf der Tummelplatzhütte gibt es weder Strom noch fließend Wasser, sie war der ideale Ausgangspunkt für unser Wildnisabenteuer. Vor etwa 100 Jahren diente sie als Forstdiensthütte, jetzt wird sie vom Nationalpark für verschiedene Veranstaltungen genutzt. Nach dem man sich häuslich eingerichtet hat, wurden mit zwei Betreuerinnen des Jugendkreisring Kennenlernspiele gespielt. Dann war es auch schon Zeit für das Abendessen – da im Nationalpark ja nicht selbst mit Pfeil und Bogen auf die Jagd gegangen werden darf, gab es Würstchen und Stockbrot. Anschließend saßen wir noch am prasselnden Lagerfeuer. Weit abseits der Lichtverschmutzung durch die Städte konnten wir den Sternenhimmel beobachten: Sternschnuppen, Sternbilder, die Milchstraße, alles war in der kristallklaren Nacht zu sehen. Bei der Wanderung zum Großalmeyerschloß (kein Schloss, sondern ein Berg…komischer Name) musste man vorsichtig sein. Mit der Taschenlampe ging es hinauf auf den Berg, welcher relativ nahe an der Tummeplatz gelegen ist. Beim Schlafen vor der Hütte (die Nacht war viel zu schön um drinnen zu schlafen. Außerdem riecht’s drinnen recht streng…) wurde dann noch eine „Gutenachtgeschichte“ vorgelesen: „Into the Wild“ von Jon Krakauer.

Nach einer kalten Nacht unter freiem Himmel und nach einem guten Frühstück – Käsebrote und Dinkelgrießbrei – ging es samstags mit der Vorstellung der Nationalparkphilosophie los. Wo befinden wir uns hier? Was macht den Nationalpark aus? Was bedeutet für die Kinder der Begriff „Wildnis“? Wieso liegt hier eigentlich Totholz rum? Den restlichen Vormittag verbrachten die Kinder in zwei Gruppen. Die einen konnten den Wald in verschiedenen Aktionen mit allen Sinnen erfahren. Mit Hören, Sehen und Fühlen wurde die Wildnis greifbar und lebendig. Die Zweite Gruppe wagte sich ans Überlebenstraining. Navigationsmöglichkeiten (selbstgebauter Kompass, Uhrmethode, verschiedene natürliche Indikatoren, welche die Himmelsrichtungen anzeigen), Feuer machen mit Zunder, Lebensmittel ohne Kühlschrank per Verdunstungsmethode kühl halten – alles konnte ausprobiert werden. Nach einem leichten Mittagessen konnten die Kinder in Gruppen eigenständig den ganzen Nachmittag an einem eigenen Projekt arbeiten. Nichts war vorgegeben, Idee und Umsetzung wurde ganz ihnen überlassen, die Betreuer hielten sich zurück und waren nur beratend dabei. Unglaublich, welch kreative Aktionen und Bauwerke entstanden. Inspiriert durch unser „Überlebenstraining“ führte beispielsweise eine Gruppe ein kurzes Stück auf, in dem ein „Verletzter“ mit einer selbst zusammengezimmerten Trage gerettet wurde. Eine andere Gruppe spielte als Band namens „Die Fünf Abzweigungen“ mit Instrumenten aus Ästen und anderen im Wald vorkommenden Materialien „Eye of the Tiger“ und erntete verdienten Applaus. Auch die Hütten, Feuerstellen und Miniaturcamps der anderen Gruppen wurden bei der Besichtigung bewundert. Zum Abendessen gab es einen über dem offenen Feuer gekochten Gemüseeintopf. Natürlich mussten alle beim Gemüseschneiden zusammenhelfen.

Am nächsten Tag konnten sich die Kinder noch Erinnerungsstücke aus Naturmaterialien basteln. Dann war die Zeit des Abschieds gekommen: Die Hütte musste noch aufgeräumt werden, dann brachen wir auf – zurück zum Parkplatz, wo uns die Eltern der Kinder schon erwarteten. Alles in allem war es ein interessantes, wildes Wochenende – es war toll zu sehen, wie eine selbstgeplante und organisierte Veranstaltung ein voller Erfolg wird.

Thomas Hobelsberger, Nationalpark Bayerischer Wald

Ihr Ansprechpartner

Anette Jung Corporate Responsibility Commerzbank AG 60261 Frankfurt am Main Tel: +49 69 136-50791 Fax: +49 69 795351158 E-Mail schreiben