Commerzbank-Umweltpraktikum

Wer schätzt, der schützt!

Jetzt ist es schon Herbst im Nationalpark Hainich. Die Blätter färben sich bunt und fallen von den Bäumen. Die Wege sind matschig vom vielen Regen und die Temperaturen sinken stetig. Es gibt fast keine Führungen mehr draußen in der Natur mit den Kindern, aber das hält uns nicht davon ab unseren Bildungsauftrag ernst zu nehmen und an anderer Stelle zu verwirklichen. Deshalb fahre ich heute mit meinen Kollegen, den zwei FÖJlern Felix und Lucas, nach Weimar zu einer Grundschule, die erst vor einem Jahr neu gebaut wurde. Die Kinder können nicht zu uns kommen - also kommen wir zu ihnen. Vollgepackt mit Materialien düsen wir mit dem Nationalpark-Bus in die Stadt, wo früher Goethe und Schiller ihren Wohnsitz hatten. Bevor die zweite Schulstunde beginnt, laden wir alles aus dem Auto aus und bauen unsere drei Stationen in einem Raum auf, der uns dafür extra zur Verfügung gestellt wurde. Auf dem Weg dahin wirft schon so mancher einen neugierigen Blick auf uns. Die Aufregung und Vorfreude der Kinder ist riesig und ich kann es auch kaum erwarten. Nach dem Klingeln der Schulglocke treffen wir uns draußen auf dem Schulhof mit den Kindern aus der vierten Klasse. Im Halbkreis stellt sich der kleine wilde Haufen um uns und jeder Einzelne will wissen, was wir heute machen. Zuerst begrüßen wir die Schüler und im Chor antworten sie: 
                                                    
 „Gu-ten Mor-gen!“
Das klappt immer ganz prima. Meine Kollegen und ich stellen uns vor und beginnen das Programm mit einem Bilderrätsel. Die Kinder sollen erraten, was der Nationalpark Hainich 2011 für einen wichtigen Titel verliehen bekommen hat. Ein aufblasbarer Erdball soll für das Wort „Welt“, ein Bild vom Buchenwald für das Wort „Natur“ und ein Fernglas vom Opa für das Wort „Erbe“ stehen. Aber was es bedeutet, „Weltnaturerbe“ zu sein und was den Nationalpark so außergewöhnlich macht, lernen die Kinder bei unserem „Weltnaturerbe“-Programm im Klassenzimmer an drei verschiedenen Stationen. Bevor wir aber den Raum betreten können, müssen wir die Kinder in Gruppen aufteilen. Also hole ich ein Tastsäckchen gefüllt mit Schnecken, Beeren und Haselnüssen hervor und lasse jedes Kind einmal hineingreifen. Alle Kinder, die identische Naturmaterialien in der Hand haben, bilden nun eine Gruppe. Endlich dürfen sie nun in das Zimmer stürmen und sich gruppenweise an die Stationen verteilen. Felix stellt an seinem Tisch das Thema Totholz und die davon abhängigen Lebewesen vor. Über die Materialien, die man im Wald finden kann, sowie das Problem Müll in Großschutzgebieten lernen die Schüler auch etwas. In einer großen Holzkiste mit Totholz suchen sie nach Abfall um selbst zu sehen, was die Menschen gedankenlos in die Natur werfen.  Lucas gibt den Kindern allgemeine Informationen und Eckdaten zu der Geschichte im Nationalpark. Hier erfahren sie auch, was der Titel „Weltnaturerbe“ für uns bedeutet und was das eigentlich ist. Tastboxen und ein kleines Puzzle sollen die Kinder zum Nachdenken anregen. Meine Station handelt von den Tieren im Nationalpark. Ich erzähle von den Säugetieren, insbesondere von deren Charakteristika, wie beispielweise den ernährungsspezifischen Gebissen, und wie man herausfinden kann, was für Tierarten sich im Hainich vorkommen. Außerdem entführe ich sie in die Welt der Wildkatze. Durch Fotofallenbilder, Tierspurenabgüsse, einen Lockstock, einer Baldrianlösung, Felle, Präparate und Geweihe ist meine Station sehr anschaulich aufgebaut. Nach ungefähr 15 Minuten wechseln die Gruppen im Uhrzeigersinn zur nächsten Station. Die Schüler lernen hierdurch die Natur mit allen Sinnen und die Weltnaturerbestätte genau kennen.

Wenn wir damit durch und die kleinen Köpfe voller Wissen sind, ist die Zeit gekommen um wieder raus auf das Schulgelände zu gehen. Also Jacke an und ab an die frische Luft! Umweltbildung macht Spaß, lautet die Devise! Hier erkläre ich die Spielregeln für „Wildkatze und Maus“. Ein Fangspiel, bei dem die Mäuse von dem einen ins andere Mäuseloch rennen müssen, ohne von den Wildkatzen abgetippt zu werden. Die Freude und Motivation steht den Viertklässlern ins Gesicht geschrieben. Wir spielen drei Runden, verteilen danach noch kleine Geschenke an die Kinder für die gute Mitarbeit und verabschieden uns von der Klasse. Über die nette Geste der Lehrerin, die uns noch ein kleines Dankeschön-Geschenk überreicht hat, sind wir sehr erfreut und hoffen natürlich, dass etwas Wissen bei den Schülern hängen geblieben ist und wir damit nachhaltig etwas für unsere schützenswerte Welterbestätte gemacht haben. Wer schätzt, der schützt!

Marika Victoria Richter, Umweltpraktikantin 2016 im Nationalpark Hainich