Commerzbank-Umweltpraktikum

Watt für Entdecker

Los geht's morgens um neun mit dem Fahrrad einmal quer über die Insel. Die Insel, das ist Neuwerk; der Außenposten Hamburgs mitten im Wattenmeer. Der Wind kommt, wie so häufig aus Westen, die im Gegensatz zum Festland noch immer nicht wirklich grünen Bäume stehen gekrümmt entlang des Mittelweges. Ich hätte auch linksherum oder rechtsherum am Deich entlang fahren können, habe mich aber für den Weg einmal gerade über die Insel entschieden. So bekomme ich schon am Morgen einen schönen Überblick über die unzähligen auf der Insel rastenden Gänse.
Angekommen im Nationalpark-Haus wird zusammen mit meinen Kolleginnen die Ausstellung gefegt und für die Ankunft zahlreicher naturinteressierter Besucher vorbereitet, die bald mit dem Pferdewagen oder zu Fuß durchs Watt beziehungsweise bei Hochwasser mit dem Schiff nach Neuwerk kommen werden. Viele Besucher bleiben nur für wenige Stunden, weil sie noch innerhalb derselben Tide zurück müssen. Ausreichend ist diese kurze Zeit sicher nicht, um die Einzigartigkeit Neuwerks und des Nationalparks Hamburgisches Wattenmeer, mit seinen zwei weiteren Inseln Scharhörn und Nigehörn kennenzulernen, denke ich mir Tag für Tag. Anschließend habe ich meine Lieblings-Führung, sie heißt „Watt für Entdecker“. Mit einer sehr interessierten Schulklasse buddele ich im Watt vor Neuwerk nach Muscheln, Würmern und was es noch so alles zu entdecken gibt. Im nahen Priel an der Muschelbank fangen wir Nordseegarnelen. Anschließend werden die gefundenen Tiere im „Wattlabor“ genauer unter die Lupe genommen. Besonders das „Winken“ der auf einigen Austern sitzenden Seepocken sorgt für Begeisterung, nicht nur bei den Kindern.
Die Abendsonne nutze ich, diesmal auf dem Deich laufend, um die unzähligen Lachmöwen und Seeschwalben in ihren Kolonien zu bestaunen. Ich muss daran denken wie froh ich bin, mehr als nur eine Tide Zeit auf Neuwerk haben zu dürfen. Das Wasser ist inzwischen zurück, das Schiff ist grade abgefahren und die Insel wieder ruhiger und nun wieder ganz sich und ihren, zumeist tierischen, Bewohnern überlassen. 
 

Jakob Gismann, Umweltpraktikant 2016 beim Verein Jordsand auf der Insel Neuwerk im Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer