Commerzbank-Umweltpraktikum

Von Seehunden, Seeschwalben, einer Schar Kinder und dem besten Nordseewetter

Seit einigen Wochen bin ich nun schon in Tönning und erlebe den Lebensraum Wattenmeer ganz nah im größten Informationshaus des Nationalparks, dem Multimar Wattforum.
Heute ist ein besonderer Tag, denn es geht auf Seetierfangfahrt auf der Eider. Der Blick aus dem Fenster vermittelt jedoch nicht die größte Vorfreude. Es regnet in Strömen. In den letzten Wochen habe ich die Erfahrung gemacht, dass das Wetter an der Küste nicht sonderlich beständig ist. Gestern noch strahlender Sonnenschein, heute strömender Regen. Naja, denke ich, genauso schnell hört der Regen auch wieder auf und es geht ja schließlich um die wetterfeste Kleidung.

Ich mache mich also im Regen auf zum Multimar Wattforum. Meine Kollegin Gesa hat schon alles bereitgestellt. Für sie startet heute die Projektwoche mit der Tönninger Grundschule. Eine Woche, in der sich die Kinder ausschließlich mit dem Thema Wattenmeer beschäftigen. Von der heutigen Seetierfangfahrt sollen ein paar Tiere mit ins Multimar genommern werden, die sich die Kinder in den nächsten Tagen dann genauer ansehen können. Also stiefeln wir in unseren Regenjacken und einem Eimer und Handziehwagen los zur Anlegestelle, wo uns die aufgeregte Schar schon erwartet.
Es geht auf das Boot und bald schon los in Richtung Eidersperrwerk. Auf dem Weg entdecken wir einige Seehunde, sie liegen auf einer Sandbank und lassen sich nicht weiter von uns stören. Trotz der langsam durchweichenden Jacke genieße ich die Fahrt und den frischen Wind. Hinter dem Boot hat sich eine Gruppe von Lachmöwen und Küstenseeschwalben an die Verfolgung gemacht und sie stürzen sich, in der Hoffnung auf Fisch in die Welle, welche wir nachziehen. Einige Kinder und ich beobachten sie eine ganze Weile. Am Sperrwerk angekommen können wir dann auch die Küstenseeschwalben brüten sehen. Sie sitzen auf ihren Nestern und schreien aufgeregt. Die kleinen Lachmöwen sind schon geschlüpft und sitzen wie graue Wollknäuel am Ufer und lassen sich füttern. Sie sehen unheimlich niedlich aus.

Es geht auf den Rückweg und nun wird ein Schleppnetz ausgeschmissen, welches einige Minuten mitgezogen wird. Dann wird der Fang eingeholt und die Kinder versammeln sich aufgeregt um das Becken. Ein Ranger erklärt die einzelnen Arten. Wir haben tatsächlich Nordseegarnelen erwischt, aber auch viele Strandkrabben, kleine Heringe und Flundern und auch einen kleinen Scheibenbauch und eine Wollhandkrabbe. Diese und den Scheibenbauch packen wir in den kleinen Eimer, sie werden im Multimar genauer betrachtet. Die restlichen Tiere finden ihren Weg zurück in die Eider.

Dann ist die Fahrt auch schon zu Ende. Wir erreichen durchgeregnet, aber zufrieden den Tönninger Anleger. Gesa geht mit den Kindern direkt zurück ins Multimar, ich muss jedoch erst meine nassen Klamotten loswerden. Pünktlich zum Ende unserer Tour lässt der Regen dann auch langsam nach. Ich mache mich in frischen Sachen auf den Weg zurück nach Tönning ins größte Info-Haus des Nationalparks. Heute steht noch eine Führung mit einer 7. Klasse an und ich freue mich, meine Begeisterung über den Nationalpark weitergeben zu können. Bei den kleinen Lachmöwen am Eidersperrwerk werde ich einen anderen Tag nochmal vorbeischauen. Ich freue mich schon, auf die nächsten Wochen, welche ich noch hier in Tönning verbringen darf, denn kein Tag ist gleich und jede Schulklasse unterschiedlich und der Lebensraum Wattenmeer bei jedem Wetter faszinierend!

 

Lisa Kattenhorn, Umweltpraktikantin 2016 im Nationalpark Schleswig Holsteinisches Wattenmeer