Commerzbank-Umweltpraktikum

Von der Grundmoräne zur Endmoräne

Von der kuppigen Grundmoräne zur Endmoräne-Ein Praktikum im Jugendwaldheim Steinmühle (Serrahner Teil des Müritz Nationalparks)

Ein Statement vorweg: „Die alltägliche Umgebung in der Stadt ist es allemal wert temporär gegen ein altes Forsthaus, welches “fernab“ jeglicher Zivilisation mitten im Serrahner Teil des Müritz Nationalparks liegt, einzutauschen.“

Das im Nationalparkdorf Serrahn -insgesamt drei Wohnhäuser und ein Gebäude für die Ausstellung des UNESCO Weltnaturerbes Serrahner Buchenwälder- gelegene Forsthaus vereint zwei verschiedene Nutzungsformen. In erster Linie ist das Forsthaus als Verwaltungsgebäude des “kleinen“ Nationalparkablegers zu bezeichnen, da sich im Erdgeschoss ausgebaute Büroräumlichkeiten zur Verwaltung der Serrahner Reviere befinden. Hier wird, neben den im Revier stattfindenden praktischen Tätigkeiten der Ranger und Revierleiter, diensteifrig der Ausübung der bürokratischen Organisation des Nationalparkgeschehens nachgegangen. Im Obergeschoss befindet sich eine mit insgesamt 4 Zimmern voll ausgestattete, zweckmäßige und nahezu neu ausgebaute Praktikantenwohnung, welche den Praktikanten und „FÖJ-lern“ kostengünstig zur Verfügung gestellt wird. Der darüber liegende Dachboden wird von den Mitarbeitern wohl als Lagerraum genutzt. Außerdem dient der Dachboden den geschätzt tausenden Fledermäusen, verschiedener Arten noch als Sommer- und Winterquartier. Die Eingänge, welche zeitgleich als Fledermaus-Toilette fungieren, befinden sich in Form von kleinen Schlitzen unterhalb des Dachkastens. In den wärmeren Monaten des Jahres zur Abenddämmerung ist es ohne Zählhilfe beinahe unmöglich die ausströmenden Fledermäuse zu zählen. Den Geräuschen nach zu urteilen gibt es mindestens einen weiteren Bewohner des Dachbodens. Vermutlich ist es eine Art Marder, der die örtlichen Gegebenheiten des Dachbodens als Schlaf- und Speiseraum nutzt. Möglicherweise wird dies mit der dort lebenden Fledermauspopulation und der vorhandenen gestauten Wärme zusammenhängen. 

Doch nun zum eigentlichen Tagebucheintrag. Weil ich eigentlich echt begeistert von meiner jetzigen Wohnsituation bin, musste ich einen kleinen Abriss über diese schreiben, um eventuell den Lesern, die noch überlegen ein Praktikum im Müritz-Nationalpark zu machen, die gemütliche Abgeschiedenheit schmackhaft zu machen. In den Sommermonaten war der Arbeitsweg mit das schönste Erlebnis des Tages. Er führt direkt durch das UNESCO Weltnaturerbe „Serrahner Buchenwälder“, welche inmitten der Kernzone des Parks liegen. Man kommt einfach nicht drum herum am Schweingartensee (siehe Abb.1) anzuhalten und den Sonnenaufgang anzuschauen. Wenn man sich für diesen Moment auf die Bank setzt und einfach nur die Stille genießen will, merkt man, dass es eigentlich gar nicht still ist, sondern der gesamte Wald in ein morgendliches Getöse eingehüllt wird. Damwild, Rehe, Waldkäuze, Insekten und diverse Vogelarten begrüßen lautstark den anbrechenden Tag. Wenn man die Augen schließt und sich der Situation hingibt, sollte man natürlich nicht vergessen, dass man ja eigentlich zur Arbeit fahren muss, um die nächste Schulklasse zusammen mit den Rangern des Jugendwaldheims vom Bus abzuholen. Denn in den nächsten 4 Tagen werden die Kinder der vierten Klasse den Nationalpark näher kennenlernen und mit unserem umfangreichen Bildungsprogramm Bekanntschaft machen.
Zu allererst erleben die Kinder unsere „Nationalpark- Was ist das?“ -Tour um mit dem Schutzgedanken und den örtlichen Gegebenheiten, sowie Regeln des Parks vertraut gemacht zu werden. Bei schönem Wetter ist auch unsere Wald- und Wasserrallye immer wieder ein spaßiger „Dauerläufer“, bei dem die Kinder nicht nur etwas über die Waldbewohner, Pflanzen und Gewässer lernen, sondern auch noch unheimlich der Teamgeist gestärkt wird. Nach so einem Programm bekommt natürlich auch Hunger. Zum Mittagessen gibt es erst einmal eine Stärkung, welche den ganzen Vormittag von unseren Köchinnen Barbara und Heidi gekocht wurde. Meistens haben die Kinder im Gegensatz zu uns Erwachsenen direkt nach dem Essen einen enormen Bewegungsdrang, welchen sie auf unserem großen Gelände mit Seilbahn, Schaukel und Fußballplatz voll und ganz nachkommen können. Doch irgendwann ist auch die private Mittagspause vorbei und es steht die Floßtour an. Diese machte ich immer sehr gerne, da die Kinder immer sehr interessiert waren und selbst forschten. Bei der Gewässererkundungstour werden Wasserproben genommen sowie Pflanzen und Wasserlebewesen gekeschert und anschließend bestimmt. Die Fülle der verschiedenen Arten von Muscheln, Schnecken, Insekten und auch Fischen begeistert nicht nur die Kinder, sondern auch mich immer wieder aufs Neue. Am besten gefiel mir und den Kindern jedoch die Geschichte vom geheimnisvollen Tier des Grünower Sees. Ich las die Geschichte vor und die Kinder sollten anhand meiner Erzählung und Beschreibung des Tieres versuchen das gesuchte Lebewesen aufs Papier zu bringen. Als wir dann das Tier kescherten und die Kinder es erkannt haben, war die Freude groß es endlich gefunden zu haben. Es war der Wasserskorpion, welcher auch hin und wieder gerne in unserem Fangbecken von einer Spitzschlammschnecke verspeist wurde. In solchen Fällen stieg die Begeisterung nochmals an und holte auch die Kinder wieder ins Boot, bei denen die Lust am Forschen schon leicht nachgelassen hatte. Solche Tage sind zwar anstrengend, aber sie brachten uns allen eine Menge Spaß.  

 

Christian Kleeblatt, Umweltpraktikant 2016 im Müritz-Nationalpark