Commerzbank-Umweltpraktikum

Nationalpark Harz

Foto:Ingrid Nörenberg

Von Bergstädten, Steigungen, ersten Eindrücken und einer entlaufenen Kuh

Es ist allgemein bekannt, dass der erste Eindruck wichtig und einprägsam ist, sei es bei einer Person oder einem Ort. Warum also nicht von meinen ersten Eindrücken und Erfahrungen im Nationalpark Harz in der Bergstadt Sankt Andreasberg berichten?

Anfang April begann mein Praktikum im Umweltbildungszentrum in Sankt Andreasberg. Voll bepackt mit Backpacker, Fahrradtaschen und meinem treuen Tourenrad stieg ich also in Sankt Andreasberg an einer Bushaltestelle aus. Nachdem mir die Richtung zu meiner Unterkunft gewiesen wurde, radelte ich los, nur um kurz darauf am oberen Ende der Herrengasse stark abzubremsen. Denn mit einem Gefälle bzw. einer Steigung von 22% hatte ich natürlich genau die richtige Abfahrt erwischt. Mir wurde schlagartig klar, dass ich am Ende des drei monatigen Praktikums mit Sicherheit ausdauertechnisch auf höchstem Niveau sein würde.

Nach dem ich an meiner Unterkunft angekommen war und mich soweit eingerichtet hatte, blieb mir noch ein wenig Zeit bis zum Abend. So beschloss ich, vor Beginn meines Praktikums am nächsten Tag noch ein wenig die Gegend zu erkunden. Gesagt getan, wanderte ich also los. Kaum aus der Haustür, kam mir auf der Auffahrt ein aufgeregter Junge entgegen gelaufen und warnte mich vor einer entlaufenden Kuh. Für den Fall, dass ich sie sehen würde, müsste ich ihm sofort Bescheid geben. Leicht verwundert wanderte ich gerade die Straße zum Nationalparkhaus hinauf, als ich plötzlich hinter mir eine Kuh hörte. Ich drehte mich um und sah auf dem gegenüberliegenden Hang tatsächlich die entlaufene Kuh stetig bergauf steigen. In gewissem Abstand folgte der Junge mit ein paar anderen Verfolgern. Das Tier war jedoch sicher an die Weide oder den Stall gewöhnt und machte nach ein paar Metern Aufstieg erstmal eine wohlverdiente Pause. Das Einfangen des Tieres schien also kein Problem zu sein und so machte ich mit meiner geplanten Wandertour weiter.

Während der Rücktour traf ich auf einen älteren Herrn, der mich direkt darauf ansprach, ob man die Kuh schon wieder eingefangen habe. Offensichtlich hatte sich der Kuhausbruch in Sankt Andreasberg herumgesprochen. Während ich ihm erzählte, dass ich mir ziemlich sicher wäre, hörten wir beide die Stimme der Mutter des Jungen. Diese schimpfte den Jungen für das erneute Offenlassen des Gatters deftig aus. Die Tatsache, dass wir beide das Gespräch am unteren Ende einer längeren Straße noch ohne Probleme mitverfolgen konnten, finde ich auch jetzt noch beeindruckend und furchteinflößend zugleich. Soviel also zu ersten Eindrücken.

Sankt Andreasberg ist an sich keine wirkliche Bergstadt, sondern vielmehr ein verschlafenes Nest mit durchaus sehr sympathischen Einwohnern. Die Umgebung ist einfach perfekt für längere Wanderungen geeignet und wenn man mit einer großen Menge an Ruhe klarkommt, kann die “Bergstadt“ ein sehr heimischer Ort sein.

Die Arbeit im Bildungszentrum ist sehr abwechslungsreich und es ergaben sich bisher immer viele Möglichkeiten auch bei anderen Veranstaltungen, Vorträgen und Fahrten dabei sein zu können. Dadurch war es mir bisher möglich, verschiedenste Menschen, Orte und Arbeiten im Nationalpark kennen zu lernen. Ich bin zufrieden mit dem Praktikum und würde die Praktikumstelle hier in Sankt Andreasberg weiterempfehlen. Denn wann wohnt man schon noch mal wieder in einer richtigen “Bergstadt“ und kann zur Ruhe kommen? Zumindest so lange bis wieder mal jemand das Gatter nicht richtig zumacht und die Kuh zum Bergsteigen aufbricht.

 

Jan Schütt - Umweltpraktikant 2016 im Nationalpark Harz

Nationalparkbildungszentrum in Sankt Andreasberg