Commerzbank-Umweltpraktikum

Von 1.600 gelben Monstern und lachenden Kinderaugen

Foto: Wolfgang Degott


Schweißgebadet wache ich auf, eine grauenvolle Nacht liegt hinter mir. Die ganze Zeit wurde ich von gelben Brotbox-Monstern verfolgt, die ich eigentlich mit leckeren Lebensmitteln füllen sollte. Stattdessen schmissen diese mit gekochten Eiern nach mir.
Zum Glück war dies nur ein Albtraum der Bliesgau-Bio-Brotbox-Aktion und nicht die Realität, denn die sah zum Glück ganz anders aus.

Die Bliesgau-Bio-Brotbox-Aktion ist eines meiner ganz großen Projekte hier beim Biosphärenzweckverband Bliesgau. Zum Glück gibt es diese inzwischen schon seit sechs Jahren und der Name klingt komplizierter als es am Ende tatsächlich ist. Kurz gesagt geht es darum circa 1.300 Kindern im Biosphärenreservat Bliesgau und einer angrenzenden Gemeinde eine Vesperdose zu schenken, aber natürlich keine leere sondern eine gefüllte. Und die Besonderheit: regional sollen die Produkte sein und wie der Name schon sagt auch biologisch angebaut.
So kurz ist alles erklärt. Aber wenn es tatsächlich so einfach wäre dann… ja, dann… wie man so schön sagt: „wenn das Wörtchen wenn nicht wär…“.

Deswegen begannen die Planungen für diese Tage, denn die Aktion ist in eine große Packaktion und mehrere Verteilaktionen aufgeteilt, schon ganz zu Beginn meines Umweltpraktikums. Schon von Anfang an war mir klar was die größte Stolperfalle von meiner Seite aus sein wird: die Menschen und Gemeinden. Denn wie soll man sich denn bitte über 30 Schulen und die dazugehörigen Ansprechpartner merken? Spätestens als dann noch Dependancen hinzukamen war es vorbei mit meiner Übersicht. Aber zum Glück wurde mir in der Geschäftsstelle des Biosphärenzweckverbandes ein großer Engel an die Seite gestellt, meine Kollegin und Ansprechpartnerin für die Brotbox-Aktion suchte sich gemeinsam mit mir durch all die Wirrungen und Irrungen und wurde nicht müde mir unzählige Male den Standort einzelner Schulen zu erklären.


Außerdem unterstütze sie mich bei einem spannenden Unterfangen. Wir, das ist die Bliesgau-Bio-Brotbox-Initiative, beschlossen dass sich neben Brot, Apfel, Karotte, Käse, Tee, Schokolade, Gummibär und Magnet ein gekochtes Ei doch sicherlich sehr gut machen würde in unserer Box. Gesagt getan. Haben Sie schon mal Eier gekocht? Sicherlich. Haben Sie aber schon mal 1.500 Eier gekocht? Nein? Wir schon!

Ungefähr an dieser Stelle setzt mein Traum ein, man kann sich schon denken, dass ich in der Realität nicht mit Eiern beworfen wurde. Stattdessen lief die Packaktion bei der Bürgermeister, Ortsvorsteher, Lehrer und viele andere Freiwillige mitgeholfen haben wie am Schnürchen. In dem Moment als unser Schirmherr, Dr. Theophil Gallo, den Startschuss zum Packen der vielen Boxen gab kam ich mir vor wie in einem kleinen Ameisenhaufen. Oder wohl eher in einem großen. Jeder Handgriff saß, die Boxen wurden durch unzählige Hände gereicht während alle Produkte hineinwanderten. Kaum war eine gute Stunde rum war der Spuk auch schon vorbei. Wie eine Wüste kam mir der Ort des Geschehens vor, oder wie ein verlassenes Dorf in dem viele leere Pappschachteln von den ehemaligen Bewohnern zeugten.

Natürlich wollte ich es mir auch nicht nehmen lassen einen Tag später bei einer der vielen Verteilaktionen dabei zu sein. Eine tolle Unterrichtsstunde wurde für diesen Moment vorbereitet. Es gab außer den Boxen noch eine Kiste Sprudel pro Klasse und anhand einer Ernährungspyramide und einer kleinen Geschichte wurde den Kindern die Wertigkeit von gesunder Ernährung und vor allem einem gesunden Frühstück vermittelt. Als sie dann schlussendlich die Boxen öffnen durften gab es kein Halten mehr. Alles wurde begutachtet probiert und das meiste für gut befunden.

Plötzlich wurde mir klar: das passiert in genau diesem Moment (oder auch eine Stunde später) überall in der Region. 55 Schulklassen mit vielen Kindern erleben diesen Moment und ich bin sehr froh, dass ich am Ende mit lachenden Kinderaugen und nicht mit werfenden Monster-Boxen belohnt wurde.

Friederike Gaß, Biosphärenreservat Blöiesgau 2014