Commerzbank-Umweltpraktikum

"Und wie heißt das, was ihr macht?"

Foto: Simon Schöbinger

Morgens um acht komme ich ins Büro und mein Kollege Stefan begrüßt mich mit den Worten:"Ich habe schon alles gepackt, Simon, wir fahren gleich los?". "Alles klar" sage ich, denn es wartet eine siebte Klasse aus Küllstedt, einem der vielen kleinen Dörfer des Eichsfeldes, auf uns, die heute mehr über das Ökosystem Wald erfahren will. Auf dem Weg zum Treffpunkt legen Stefan und ich uns einen Ablaufplan zurecht: "Also wir gehen vom Restaurant Lindenhof an der alten Kanonenbahn vorbei runter zu den Drei Eichen. Unterwegs erzählen wir etwas zur Geschichte und zu den Baumarten und dann treffen wir noch diese Studenten. Anschließend können wir zu den Hünenlöchern gehen, da habe ich noch eine Sage, die ich vorlesen kann, oder möchtest du sie wieder vorlesen? Wir machen es einfach wie letzte Woche...". "Ok", sage ich, denn längst habe ich mitbekommen, dass Umweltbildung im Eichsfeld auch sehr eng mit der Geschichte dieser Region verbunden ist.
Die Gruppe ist eingesammelt, die Kanonenbahn bereits abgehakt und auch die Hünenlöcher sind nach einer Kraxelei durchs Unterholz inklusive spannender Sage bereits besichtigt. "Die müssten schon längst hier sein! Soll ich da mal anrufen? Was meinst du Simon?", fragt mich Stefan, woraufhin zwei Mitarbeiter der TU München aus dem Wald neben uns gestolpert kommen. Sie erzählen uns etwas über die wissenschaftliche Versuchsfläche, die sich im Waldstück zu unserer Rechten erstreckt und die Kinder und Betreuer alle von eigenen Besuchen des Waldes kennen, aber nie etwas damit anzufangen wussten. Dort hängen Blumentöpfe an Bäumen, Flaschen stecken im Boden und graue Kisten stehen neben toten Bäumen. Nach einer interessanten Führung über das Gelände und Erläuterungen zu den verschiedenen Versuchsaufbauten, wo wir erfuhren, dass die Blumentöpfe zum Beispiel Baumhöhlen nachahmen sollen, meldet sich am Ende des Rundganges ein Junge und fragt: "Und wie heißt das, was ihr macht?". "Wir gehören zu den Biodiversitäts-Exploratorien." Betretenes Schweigen tritt ein. "Wir erforschen, wie die Umwelt funktioniert,"  legt die Studentin nach."Ah," sagt der Siebtklässler.
Beim abschließenden Stockbrot-Essen am Lagerfeuer hängen alle ihren Gedanken und dem Erlebten des Tages nach. Wie ich die Schulklasse vor mir sitzen sehe, fällt mir auf, dass es für die Kinder sehr oft wichtiger ist, Natur spielerisch zu erfahren, als mit Informationen im Unterricht überrumpelt zu werden. Umso schöner, dass sie im Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal dazu die Chance bekommen!

Simon Schöbinger, Umweltpraktikant 2015 im Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal