Commerzbank-Umweltpraktikum

Totholz ist nicht gleich Totholz

Foto: Anne Hebekeuser

Die meisten Besucher würden an diesem Baum wohl eher ahnungslos vorbei laufen. Aber Totholz hat seinen Namen eigentlich gar nicht verdient. Denn im Totholz, also in abgestorbenen Bäumen, fängt das Leben gerade erst an. Zum Beispiel für das Rotkehlchen, das im liegenden Totholz brütet.

Totholz bietet Lebensraum für viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten wie Insekten, Vögel, Flechten, Moose und Pilze. Die Fruchtkörper des Zunderschwamms kann man auf dem Bild sehr gut sehen. Für mehr als die Hälfte aller Käferarten ist Holz die Lebensgrundlage. Holzwespen, Wildbienen und Ameisen benötigen abgestorbenes Holz um existieren zu können. Diese Tiere sind wiederum Nahrung für Vögel. Der Specht hat an diesem Baum unverkennbare Spuren hinterlassen. Die verlassenen Höhlen des Spechtes werden wiederum von Waschbären, Baummardern, Fledermäusen oder Hornissen als Nachmieter genutzt. Ihr seht also: Totholz ist nicht gleich Totholz.

So oder so ähnlich versuche ich auf meinen zahlreichen Touren durch den Wald die Bedeutung des Mottos „Natur Natur sein lassen“ an Grundschüler weiterzugeben.

Während meines 4-monatigen Praktikums für die Umwelt im Jugendwaldheim Steinmühle im Müritz Nationalpark betreue ich vor allem Schulklassen, die im Rahmen einer Klassenfahrt eine Woche im Serrahner Teil des Müritz-Nationalparks unterkommen und dabei viel entdecken können. So sprechen wir in unserer ersten Einführungsrunde „Nationalpark – Was ist das?“ nicht nur über die eiszeitliche Entstehung der Region, sondern auch über die Besonderheiten, die einen Nationalpark ausmachen. Dazu gehört natürlich Totholz als Lebensraum genauso wie die manchmal unterschätze Artenvielfalt der alten Buchenwälder, die seit 2011 zum UNESCO Weltnaturerbe gehören. Weiß man erst einmal über die Bedeutung des Totholzes in der Waldentwicklung Bescheid, so wird ein abgestorbener Baum plötzlich zum Schauplatz spannender Entdeckungen. Oder zu einem Postkartenmotiv.

 

Anne Hebekeuser, Müritz-Nationalpark 2014