Commerzbank-Umweltpraktikum

Spätsommerliche Erlebnisse ...

.....aus dem BR Flusslandschaft Elbe-Brandenburg in Rühstädt.

Die Scharen von Weißstörchen sind nach Südafrika verreist und somit auch die Hauptattraktion des schnuckeligen europäischen Storchendorfes Rühstädt, gelegen in der menschenleeren, nordwestbrandenburgischen Prignitz. Zu merken ist die Abreise von Adebar, neben des fehlenden Klapperns tagsüber, nur in der verringerten Anzahl der, meist auf dem Fahrrad kommenden, Touristen, in der hiesigen Besucherinformation. Ansonsten geht in unserer Behörde das tägliche Treiben ungeirrt seinen Gang.

Ein leichtes, immerzu langsam erbrausendes Vogelorchester reißt mich ziemlich exakt gegen 7 Uhr sanft aus dem Schlaf. Wäre dem keine genauso steigernde Klaviersonate unterlegt, hätte dieses Konzert genauso gut drei Meter weiter hinter meiner Fensterfassade passieren können, anstatt aus meinem Handy zu ertönen. Einmal durch meine Teppichboden belegte 25m² getigert, frisch abgeduscht, vier Türen mit einem stetigen Drang nach rechts durchschritten und nun im Personalraum befindend den befüllten Wasserkocher zum Leuchten und Kochen gebracht. Mit dem frühmorgendlichen Gedankenchaos im Hirn sich zwischen Kaffee oder Tee, sowie Brot oder Müsli entscheiden zu müssen, schnell abgefunden, denn es läuft bei jenen Entscheidungen meistens sowieso auf Beides hinaus. Nach dem Dinieren und vollständigen Getränkebrühen noch schnell die Tageszeitung aus dem Postfach im Sekretariat abgeholt und an meinen Arbeitsplatz, in der Bibliothek, im zweiten Stockwerk des innenhofgeprägten Gebäudes teleportiert, kann die Arbeit jetzt beginnen. Ja am Arbeitsplatz wohnen hat auch seine Vorteile. Meine Kollegen pendeln zum Großteil.

Es wird schnell die Zeitung nach Biosphäre-betreffenden Artikeln durchforstet und gegebenenfalls archiviert um den Pressespiegel nicht zu vernachlässigen, während parallel dazu die Mails gecheckt werden. Laut Zeitung wurde ein Wolf bei der Auffahrt zur A24 überfahren, in dem Moment wusste ich noch nicht, dass mich der Artikel länger verfolgen würde, da das Thema Akzeptanz und Umgang mit dem Wolf noch weite Kreise ziehen wird. Im Gegensatz zu den sonstigen Aufgaben, wie der Kartenbearbeitung mit GIS, als eine Publikation für unsere Haltepunkte-Natur, oder die Planung der Schülerprojektwoche im Oktober mit einem Gymnasium aus Wittenberge, ist heute eine Begehung zweier Flora-Fauna-Habitat–Zonen angepeilt. Es ist schön und abwechslungsreich, wenn Mal, aus verwaltungstechnischer Perspektive, eine tiefe, reale Begegnung mit dem zu bearbeiteten Lebensraum vonstattengeht und unser Kollege und Experte für Forst und Wild ausführlichst über Hindernisse, Probleme, Zukunftseinblicke und Neuanschaffungen von Grund und Boden des Landes berichten kann. Die interessante Facette des Interessenkonfliktes, welche innerhalb eines nachhaltig zu schützenden Naturraumes, nicht nur zwischen „Naturschützern“ und „Einwohnern“, sondern auch innerhalb dieser Gruppierungen entstehen, sind für mich als Geograf von außerordentlicher Bedeutung.

Es soll nicht so rüberkommen als wenn ich sonst nur vorm PC hocke, allerdings ist mein Praktikum im Vergleich zu anderen C.U.–Praktikanten weniger draußen, umweltpädagogisch und nicht kleinkinderzieherisch, sondern meinem Studium und späteren potenziellen (verwaltungstechnischen) Anforderungen entsprechend eher formal, bürokratisch und am Arbeitsplatz ausgerichtet, was nicht bedeutet dass ich nie während der Arbeitszeit draußen bin, wie ja hier bereits geschildert. Der Öffentlichkeitsarbeit unterliegend ist die Organisation und Kommunikation mit Partnern des Biosphärenreservates unverzichtbar, sodass ich dem unter-die-Hand-greifen meines Praktikumsbetreuers mit Zuversicht entgegensehe und bereits einige weitere aufschlussreiche Außentermine im Kalender erspähen kann.

Leon Yessad, Umweltpraktikant 2016 im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg Rühstädt