Commerzbank-Umweltpraktikum

"Schau mir in die Augen, Kleines"

Foto: Sarah Herrmann

Seit Anfang Mai wohne ich nun im idyllisch gelegenen, alten Forsthaus direkt am Nationalpark Kellerwald-Edersee. Dass es hier einige große Säugetiere zu beobachten gibt, wurde mir spätestens nach meiner ersten, sehr eindrücklichen Begegnung mit einem freilebenden Waschbären klar, der eines Abends unmittelbar vor meiner Haustür vorbeigeschlichen kam.
Doch alles Große hat seinen Ursprung im Kleinen, wie mir Ranger Uwe bei seiner Führung zum Thema "Was lebt in Bach und Tümpel?" nochmals anhand einer Feuersalamanderlarve verdeutlicht hat. So kam mir die Idee, im Rahmen meines Praktikums ein Mikroskopier-Projekt zu entwickeln.
Unter dem Motto "Kleines mal ganz groß" soll es Schulklassen ermöglicht werden, die faszinierende Welt des Mikrokosmos zu erforschen und für sich zu entdecken. Das besondere Highlight stellen dabei die Kameramikroskope dar: Unter Berücksichtigung der Naturschutzbestimmungen dürfen Tiere und Pflanzen aus Teich und Wiese selbst gesammelt, unter dem Mikroskop betrachtet und die Großaufnahmen direkt fotografiert werden. Die Fotos können von den Kindern anschließend in einem von mir eigens entworfenes "Mikrobarium" eingeklebt und mit nach Hause genommen werden.
Soweit so gut - wenn da nicht die Technik wäre. Das Kamera-Livebild wollte sich nicht auf den Laptops anzeigen lassen. Sagenhafte zwei Wochen bastelten diverse Praktikanten, Ranger und ich an den Laptops und Mikroskopen herum, bis wir den "Fehler im System" endlich gefunden und behoben hatten. Ein echtes Geduldsspiel!
Doch die Mühe hat sich gelohnt. Ausgerüstet mit Petrischalen, Becherlupen und Käscher machte ich mich gemeinsam mit dem FÖJler Julian heute erstmals auf, um den Teich und die Wiese genauer unter die Lupe zu nehmen. Was wir fanden, hat uns schwer beeindruckt: Im eutrophen Gewässer in der Nähe des Wildtierparks fanden wir Rückenschwimmer, Mückenlarven und ein, in seiner Erscheinung sehr merkwürdig auftretendes Tierchen, welches uns zunächst ein großes Rätsel aufgab (und vor dem wir uns ehrlich gesagt auch ein bisschen gruselten). Das lange Abdomen, die zwei großen Augen sowie die drei Beinpaare am Thorax ließen mich letztendlich vermuten, dass es sich hierbei um ein Insekt handeln muss. Voller Euphorie über diesen besonderen Fund, konfrontierten wir Tierkenner Ranger Uwe damit - wenn er dieses Tierchen nicht kannte, dann kannte es wohl niemand. Und tatsächlich: Uwe bestätigte meinen Verdacht mit dem Hinweis, dass es sich bei unserem Fund um eine Libellenlarve handelt.
Die Larve kurzerhand unter das Fotomikroskop gelegt, erschrak ich nicht schlecht, als mir plötzlich die Augen der Libelle in 30-facher Vergrößerung entgegen blickten! Sehr gut konnte man nun auch die schon vorhandenen, aber noch zu kleinen, Hautflügelchen erkennen. Mein Finger klebte regelrecht am Fotoauslöser des Mikroskops, während ich die Larve bis aufs kleinste Detail betrachtete. Sie hat ein super Fotomodell abgegeben und mir bestätigt, dass die Welt des Mikrokosmos einfach unglaublich spannend zu entdecken ist!

Sarah Herrmann, Nationalpark Kellerwald-Edersee 2014