Commerzbank-Umweltpraktikum

Nachtwanderung

Foto: Wildniscamp Nationalpark Bayerischer Wald

Wir wandern durch den Wald, nicht weit vom Wildniscamp entfernt. Es ist nach 22 Uhr und man erkennt nur noch die Umrisse der Bäume. Im Wald ist es noch stiller als sonst und die Kinder, die tagsüber unruhig sind und vor Energie sprühen, sind gespannt und aufgeregt. Sie gehen schweigend auf dem Waldweg hinter mir her. Sobald ich ein Geräusch von den Kindern höre, bleibe ich stehen und verharre solange bis es wieder komplett still wird. Dann schleichen wir weiter durch den Wald, in dem es immer dunkler und geheimnisvoller wird. Die Strecke, die wir gehen, ist dieselbe, die ich mit den Schulklassen jedes Mal bei der Ankunft am Bahnhof bis zum Wildniscamp wandere und am Freitag wieder zurück. Aber trotzdem sind der Weg und die Stimmung eine andere. Rechts und links von uns tauchen Glühwürmchen auf, die um uns herum tanzen und uns begleiten. Nach einer gewissen Zeit bleiben wir stehen und Monica, eine weitere Betreuerin der Schulklasse, bereitet den weiteren Weg für einen Lichtergang vor. Auf einer kurvigen Strecke stellt sie in je 100 Metern Abstand kleine Laternen mit Teelichtern auf und wartet am Ende. Die Kinder stehen währenddessen bei mir, beobachten die Glühwürmchen oder unterhalten sich, bis ich die erste Person auf ihren eigenen Lichtergang schicke. Die Kinder gehen dabei alleine von Laterne zu Laterne bis sie die letzte erreicht haben und Monica sie dort empfängt. Jedes Kind macht das auf seine eigene Art und Weise. Einige rennen die Strecke, andere gehen langsam, manche summen vor sich hin und wieder andere gehen lieber zu zweit. Aber am Ende haben es alle geschafft. Mittlerweile ist es schon kurz vor 24 Uhr und wir machen es uns zum Abschluss der Nachtwanderung im Falkensteinsaal im Wildniscamp auf den Schaffellen gemütlich. Als Betthupferl bekommen die Kinder eine Geschichte vorgelesen. Darin wird erzählt wie es auf unserer Erde zur Nacht kam und wie die vielen Sterne entstanden sind. Hundemüde fallen die Kinder danach ins Bett und träumen von Kolibris und Glühwürmchen.

Lisa Mayer, Nationalpark Bayerischer Wald 2014