Commerzbank-Umweltpraktikum

Nachts, wenn alles schläft

Foto: Tabea Streicher

In meiner ersten Woche auf der Hamburger Hallig erhielt ich am Freitagmorgen einen Anruf. Ein paar Mitarbeiter des Forschungs- und Technologiezentrums Westküste der Universität Kiel wollten dieses Wochenende einen Großen Brachvogel fangen und besendern, ob ich nicht Lust hätte sie zu begleiten. Ich hatte sogar große Lust, wann geht man schon mal auf Vogelfang. So schwang ich mich gleich auf meinen Drahtesel und radelte los. In der Ferne konnte ich ein paar Köpfe in der Salzwiese ausmachen. Ahnungslos vom eigenwilligen Aufbau der Salzwiesen stapfte ich also munter drauflos. Schnell  musste ich aber feststellen, dass es so leicht nicht werden würde. Nachdem ich gefühlt hundert Gräben übersprungen hatte, schien ich endlich fast am Ziel zu sein. Dummerweise erschien nun ein unüberwindbarer Graben und ich war natürlich auf der falschen Seite herausgekommen. Zerknirscht trat ich den Rückweg an. Vielleicht sollte ich nun doch mal den Schafsdamm suchen, von dem am Telefon die Rede war. Der war dann schließlich schneller gefunden als gedacht und endlich hatte ich die Leute vom FTZ erreicht. So viel zu meinem ersten Gang über die Salzwiese.

Die Mitarbeiter vom FTZ waren gerade dabei ein Japannetz am Übergang zum Wasser aufzustellen. Das Netz schnürten wir dann vorerst mit Bändern zusammen, damit sich bis zum nächsten Tag keine Vögel verfangen konnten.

Nachdem ich am Samstagmorgen das Netz nochmal überprüft hatte, konnte es in der Nacht losgehen. Wir trafen uns kurz vor Mitternacht, schlüpften in die Wathosen und rüsteten uns mit Stirnlampen aus. Dann stiefelten wir in die Nacht hinein, um das Netz für den Fang aufzuspannen. Hochwasser sollte um 02:39 Uhr sein. Die Wartezeit überbrückten wir mit Schokolade und heißem Tee gegen die Kälte. Gespannt liefen, beziehungsweise wateten wir wieder zum Netz. Das Wasser stand uns nun teilweise bis zum Bauch. Vorsichtig befreiten wir die Vögel und brachten sie zum Vermessen und Wiegen. Gar nicht so einfach bei Nacht und Wind. Mit einem individuellen Ring am Bein ausgestattet, wurden sie anschließend wieder freigelassen. Ein Großer Brachvogel ist uns allerdings nicht ins Netz gegangen. Schließlich schlossen wir das Netz und hofften auf mehr Erfolg in der morgigen Nacht. Doch auch Sonntagnacht sollte uns kein Glück bringen, da halfen auch die Lockrufe über einen Minilautsprecher nicht. Am Ende bauten wir das Netz wieder ab. Eine Belohnung für die ganze Mühe gab es dennoch, ein traumhafter Sonnenaufgang und die Chance Watvögel aus nächster Nähe betrachten zu können. Mit dem Wissen nunmehr der einzige wache Mensch auf der Hallig zu sein, ging ich zu meinem kleinen reetgedeckten Häuschen und fiel todmüde aber zufrieden ins Bett.

Tabea Streicher, Umweltpraktikantin 2015 auf der Hamburger Hallig im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer