Commerzbank-Umweltpraktikum

Mountainbiken im Naturpark

Foto: Jannik Müller

Meine sechs Monate Umweltpraktikum im Natur- und Geopark TERRA.vita nähern sich dem Ende. Natürlich hatte ich viele Aufgaben, doch eine liegt mir besonders am Herzen, denn immerhin ist es mein eigenes Projekt. Der Natur- und Geopark TERRA.vita arbeitet bereits seit einigen Jahren am Thema Mountainbike-Infrastruktur. Es geht dabei im Wesentlichen um Meinungsverschiedenheiten zwischen Mountainbikern und Waldbesitzern. In den vergangenen Monaten war ich oft im Iburger Wald und Hüggel unterwegs, auf der Suche nach Mountainbikestrecken. Meine Hauptaufgabe bestand darin, die Wege zu kartieren und klassifizieren um ein möglichst gutes Bild der Situation zu bekommen. Mit dem Ende der Zeit hier, war heute auch ein wichtiger Punkt für mein Projekt erreicht. Der Landkreis hatte zu einem Gespräch mit den Mountainbikern geladen um über möglichen Lösungsansatz zu diskutieren. Im Rahmen dessen, sollte auch ich meine Ergebnisse vorstellen.

Vortrag? Kein Problem, immerhin bin ich Mountainbiker, habe mich Monate lang mit dem Thema beschäftigt und Vorträge waren im Studium an der Tagesordnung. Viel wichtiger waren alle anderen Dinge, die für die Veranstaltung zu erledigen waren. Also morgens nochmal alles im Kopf durchgehen: Der Raum, schon vor Wochen gebucht und Platz für 120 Besucher. Die Einladungen, über Presse, soziale Netzwerke und Aushänge in den Fahrradläden rechtzeitig erledigt. Auch die Kollegen vom Naturschutz und Wandern hatten schon zugesagt. Letzter Punkt, Fragebögen für die Mountainbiker, denn immerhin wollen wir ja möglichst von allen wissen, was sie sich vorstellen. Aber auch die hatten bereits am Vortag ihren Feinschliff bekommen und mussten nur noch ausgedruckt werden.

Auf der Fahrt zur Veranstaltung dann, die ersten Fragen: Was ist, wenn zu wenige Mountainbiker kommen? Was ist, wenn mehr kommen als in den Raum passen? Denn das Interesse in der Region ist groß. Was ist, wenn die Waldbesitzer auch kommen und die ewige Diskussion den Abend bestimmt?

Der erste Besucher, ein Waldbesitzer, na das ging ja schon mal gut los. Zum Beginn der Veranstaltung waren es dann zehn Waldbesitzer und mehr als 40 Mountainbiker. Somit ist die Frage nach zu viel und wenig Platz schon mal erledigt. Timo Kluttig, der schon seit Jahren für TERRA.vita das Thema Mountainbiken betreut, machte den Anfang. Nach der Begrüßung, folgt ein kurzer Rückblick auf die Entwicklung des Mountainbiken und auf die Lösungsversuche in der Region. Die ewige Diskussion zwischen Waldbesitzern und Mountainbikern begann. Vorwürfe und Forderungen von beiden Seite, Lesungen aus mitgebrachten Gesetzesauszügen und die Aussicht auf das übliche Ende. Doch plötzlich auch Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten. Ein Guter Zeitpunkt um beide Parteien auf einen Wissensstand zu bringen. Damit war ich an der Reihe meine Ergebnisse zu präsentieren. 60 Kilometer, eine Menge Wege auf 1500 ha Wald. Strecken auf Wanderwegen, über Wanderwege hinweg und ganz abgeschieden im Wald. Aber die Mountainbiker stimmten direkt zu: „Die brauchen wir ja gar nicht alle.“ Knappe 1 ½ Stunden konstruktiver Diskussion mit Mountainbikern und Waldbesitzern folgten. Was für ein Glück, dass auch die Waldbesitzer so zahlreich erschienen waren. Am Ende stand fest, ein Lösung ist möglich, ein runder Tisch ist notwendig, und die Kommunen müssen mit ins Boot geholt werden. Das einzige was fehlte, die Fragebögen! Die konnten leider nicht ausgefüllt werden, da die gesamte Tüte Kugelschreiber ausgetrocknet war. Alles halb so schlimm, denn während der Diskussion ist schon deutlich geworden, dass der Fragebogen noch angepasst werden musste. Damit steht dann schon die nächste Aufgabe fest. Es wir halt auch in den letzten Tagen nicht langweilig.

Jannik Müller, Natur- und Geopark TERRA.vita 2014