Commerzbank-Umweltpraktikum

Mein schönstes Ferienerlebnis

 

Mein schönstes Ferienerlebnis

 

Es ist 6 Uhr, die Sonne scheint, das Bett ist kuschlig weich … und ich muss aufstehen. Eine Stunde Fahrradtour liegt vor mir, um auf Arbeit zu kommen. Da ich nicht, wie die meisten anderen Praktikanten im Müritz-Nationalpark in Serrahn untergebracht bin, sondern im Müritz-Teil des Nationalparks wohne, ist die Strecke als morgendliche und abendliche Tour gerade noch tragbar (für jemanden meiner Sportlichkeit).
Für Öffentlichkeitsarbeits-Praktikanten aus Serrahn würde der Tag allerdings eher mit einer Autofahrt beginnen, da die Strecke von Serrahn nach Hohenzieritz noch weiter ist als von mir. Der Weg zum Nationalparkamt-Müritz führt für mich (wenigstens teilweise) durch den Nationalpark. Es geht durch Nationalparkdörfer, Wiesen und Wälder und ist, leider, größtenteils asphaltiert. Erst zum Schluss geht es noch einmal über Waldwege. Das ist dann auch der schönste Teil der Strecke, der aber ironischerweise natürlich nicht mehr im Nationalparkgebiet liegt. Uralte Eichen, Buchen und eine Art Mini-Moor säumen dort den Weg. Und wenn man zur rechten Zeit unterwegs ist, kann man einen wunderschönen Sonnenaufgang bewundern.

 

Ebenso wenig wie der beschriebene Wald, liegt das Amt im Nationalpark. Es residiert stattdessen zwischen den beiden Nationalpark-Teilen in Hohenzieritz. In einem Schloss. In ebendiesem wohnt auch noch eine Gedenkstätte  - die Louisengedenkstätte. Das kommt daher, dass die Liebste von Friedrich Wilhelm III. (und auch die Angetraute, damals war das ja auch nicht unbedingt gleichbedeutend) sich sagte: „Hier will ich ruhen“ und das just tat, wenn auch ein bißchen vorzeitig, das heißt schon mit 34. Aufgrund ihrer hochherrschaftlichen Wurzeln zieht sie auch heute als versteinerte Büste noch eine ganz klar definierte Zielgruppe an: Menschen mit Rentnerporschen und grauem Haupthaar, die in ganzen Busladungen, von bösen Zungen auch gern „Mumienexpress“ genannt, herangekarrt und vor der kettenen Absperrung ausgespien werden. Von da müssen sie dann noch einen fast verboten weiten Weg bis zur Freitreppe zurücklegen, welche es dann auch noch zu erklimmen gilt bis schließlich – endlich - das Ziel erreicht ist. Die alternative Ankunftsart der Besucher ist per Rad. Das sind dann die eher rüstigen Senioren mit Ganzkörperfahrradausrüstung, die sicherheitshalber weder vorm Gang zum Klo noch vorm Treppenaufstieg den Fahrradhelm abnehmen. 

 

Für dieses ganz und gar „ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice“-freie Unterhaltungsprogramm, ist man im Büro für Öffentlichkeitsarbeit im Müritz-Nationalpark bestens platziert. Während man dann über seinen Pressetexten über den Nationalpark brütet, kann man den Blick immer einmal nach draußen auf die Freitreppe wandern und sich vom Anblick gebeugter aber kulturinteressierter Pensionäre inspirieren lassen.

 

Das Büro an sich ist ein heller, nicht immer warmer Ort mit sehr freundlichen fröhlichen Menschen. Ein Tag gestaltet sich meistens so, dass einer nach dem Anderen (der Eine früher, der Andere später) im Büro eintrudelt (wir sind momentan zu viert) und dann friedlich an seinem Computer seiner Arbeit nachkommt. Die sieht dann meist aus wie viel tippen (Pressetexte, Veranstaltungen vorbereiten, Texte korrigieren, Besucheranfragen beantworten), noch mehr denken (ohne geht’s nicht, also man ist schon intellektuell und kreativ gefordert) und hin und wieder auch mal reden. Zur Formulierung von haarigen Pressemitteilungen, versammelt man sich dann gern gemeinsam um einen Computer und analysiert in mühevoller und langwieriger (aber auch lustiger) Kleinarbeit wie ein jeder Satz aus möglichen verschiedenen Perspektiven interpretiert werden könnte, um Missverständnisse beim Leser zu vermeiden. Dabei ist es natürlich nicht so unwahrscheinlich, dass die entscheidenden Zeilen dann vor der Veröffentlichung noch von der Zeitung verändert wurden, aber damit muss man leben. 

 

Am Nachmittag geht es dann wieder mit dem Fahrrad zurück. Zeit für das Erkunden des Nationalparks beschränkt sich also zu großen Teilen auf die Freizeit. Je nachdem ob man eher um 7 oder um 9 mit der Arbeit anfängt ist das dann also der Spätnachmittag bis Abend. Ich persönlich hab die Zeit dann meist mit Spaziergängen, Fahrradfahren oder Baden verbracht, wozu die Möglichkeiten im Müritz-Nationalpark ja mannigfach direkt vor der Haustür liegen. Da man theoretisch auch nur 8,5h am Schreibtisch verbringt, bleibt dafür auch allemal genug Zeit. 

 

Wer es also mag mit erwachsenen Menschen zu kommunizieren, gern auch mal Texte schreibt und den Nationalpark lieber individuell als mit einer Gruppe Halbstarker im Schlepptau erkundet, ist hier an der richtigen Stelle! Ich für meinen Teil mochte es sehr.

 

-Lydia Dietz