Commerzbank-Umweltpraktikum

Mein Highlight-Praktikumstag

Foto: Elena Dorrani

Heute war ein ganz besonderer Tag in den drei Monaten hier im Bayerischen Wald – denn heute hatte ich viele tolle Sachen vor!

Und dieser Arbeitstag begann schon relativ früh um 7.45 Uhr. Nach einem schnellen Frühstück fuhr ich los Richtung Viechtach zum Pfahl. Heute sollte mich eine Grundschulveranstaltung zum Thema Weiher erwarten. Dort angekommen begann ich der Referentin Frau Haas und den Kindern beim Kescher basteln zu helfen. Dafür brauchten wir nur einen Stock, einen Draht, ein Klebeband und eine engmaschige Gardine. Später konnten die Kinder den Stock vom Kescher noch mit farbigem Isolierband verzieren. So entstand individuell angefertigtes Arbeitsmaterial, welches die Kinder auch nach dem Halbtagesausflug mit nach Hause nehmen konnten. Fertig ausgerüstet für den „Teichtag“ machte sich die Gruppe mit uns auf zu den Weihern. Diese wurden zwar ursprünglich künstlich angelegt, sind aber mittlerweile verwildert und beherbergen Unmengen an unterschiedlichen Lebewesen. Allerdings ist nur ein kleiner Teichuntergrund so präpariert, dass er sich für Schulveranstaltungen eignet: Statt eines sumpfigen Untergrundes wurde der Teichboden mit Kieselsteinen befestigt. Zusätzlich ist die Wassertiefe sehr gering, so dass auch kleine Kinder ohne Bedenken in den Teich gehen können um nach Wassertierchen zu keschern. Auf dem Weg dorthin mussten wir sehr vorsichtig sein, wo wir hintraten, da auch noch hunderte kleine Frösche und Kröten den Weg benutzten. Überall hüpften sie zwischen den Kieselsteinen und es fiel auf den ersten Blick schwer diese kleinen Lebewesen von Ameisen oder Spinnen zu unterscheiden. Letztendlich kamen wir am Steg des präparierten Teiches an. Nach einer kurzen Anweisung zum richtigen Keschern und Aufbewahren im Beobachtungsaquarium, fingen die Schüler an gespannt auf die Lauer zu gehen. Ziel war es, möglichst viele verschiedene Tierchen zu fangen und sie mit Hilfe von einem Artenfaltblatt zu bestimmen. Nach einer Weile befanden sich Wassertiere wie: Rückenschwimmer, Wasserläufer, Gelbrandkäferlarven, Kaulquappen von Fröschen, Kröten, Unken und Molchen, Muscheln, Schnecken und Libellenlarven in allen Größen in den Aquarien. Immer unterstützte ich die Kinder bei der Bestimmungsarbeit oder erzählte ihnen etwas über die gefundenen Tiere. Nach dem aktiven Veranstaltungsteil siedelten wir von jeder Art ein paar Exemplare in die Becherlupen um. So konnte jedes Kind das jeweilige Tier genau betrachten während Frau Haas näher auf das Lebewesen einging. So lernten sie etwas über den Unterschied im Essverhalten von Muscheln und Schnecken, das unterschiedliche Wachstumsverhalten von Molch- und Frosch- bzw. Krötenkaulquappen, das Tarnverhalten von Rückenschwimmer, die Verwandlungsmethode von Schmetterlingslarven zu Schmetterlingen und die Nahrungsauswahl und den Lebensraum von Gelbrandkäfern und deren Larven. Zum Beispiel erklärte Frau Haas, dass Schnecken den Teichgrund mit ihrer rauen Zunge „abgrasen“, während Muscheln ständig Teichwasser durch ein Röhrensystem im Körper pumpen und so Nährstoffe herausfiltern. Daher müssen sich Schnecken zum Essen fortbewegen während Muscheln statisch unbewegt an einer Teichstelle fest halten. Interessant war auch die Tatsache, dass bei Molchkaulquappen zuerst die Vorderbeine und bei allen anderen Kaulquappen zuerst die Hinterbeine gebildet werden. Das Tarnverhalten von Rückenschwimmern ist sehr geschickt, da sie durch ihre dunkle Oberseite für Vögel in einem dunklen Teich so gut wie unsichtbar werden und ihre weiße durch kleine Wasserblasen entstandene Unterseite für Raubtiere in dem Teich optisch kaum von der sonnigen Wasseroberfläche zu unterscheiden ist. Außerdem interessant war die Tatsache, dass diese Wanzenart mit ihrem „Popo“ atmet. Deshalb streckt sie diesen von Zeit zu Zeit immer wieder an die Wasseroberfläche. Anfangs dachten die Kinder daher oft, dass die Rückenschwimmer nicht mehr lebten. Schmetterlingslarven verpuppen sich im Gegensatz zu vielen Insekten nicht, bevor sie zum Schmetterling werden, sondern häuten sich nur. Dafür klettern sie meist einen Grashalm entlang und warten dort einige Stunden, bis genug Blut in die Flügel gepumpt wurde und sie losfliegen können. Das hungrigste und bei der Beutewahl am wenigsten wählerische Raubtier ist die sogenannte Gelbrandkäferlarve. Auch der ausgewachsene Gelbrandkäfer lebt noch unter Wasser. Trotzdem sind seine Flügel noch flugfähig, so dass diese den Teich auch selbstständig verlassen können. Schnecken und Muscheln hingegen besiedeln nur andere Weiher, indem deren Laich im Gefieder von Wasservögeln dorthin transportiert wird. Das grausame aber naturgegebene Highlight des Tages für die Kinder war die Jagd einer Gelbrandkäferlarve auf eine Kaulquappe. Zunächst machte sie die Kaulquappe fluchtunfähig, indem sie seine Schwimmflosse abbiss und anschließend wurde die Kaulquappe ausgesaugt. Rechtzeitig zum Ende der interaktiven Lehrveranstaltung fing es an „wie aus Kübeln“ zu regnen. Die Kinder rannten schnell mit ihren Keschern zum Bus, während Frau Haas und ich unter einem Unterstand auf das schnelle Ende des Sommergewitters warteten. Danach räumten wir noch die Utensilien auf und brachten die Tiere wieder in den Teich zurück. 

Direkt im Anschluss durfte ich den restlichen Tag netterweise im Haus zur Wildnis verbringen. Dieses Museum wurde zwar vom Nationalpark errichtet, passt aber von den ausgestellten Informationen auch sehr gut zu meinem Umweltpraktikumsthema. Dort konnte man auf bereitgestellten Relax-Liegen in Ruhe Musik hören  und währenddessen einen Natur-Film anschauen, der an der Decke ausgestrahlt wurde. Außerdem gab es dort drehende Zahnräder in verschiedenen Größen. Jedes Zahnrad stand hierbei für ein anderes Lebewesen und die Größe des Zahnrades sollte die Lebenserwartung darstellen. Es war sehr interessant zu sehen, wie unterschiedlich schnell ein Lebenszyklus zu Ende ging. Während der Zyklus der Miesmuschel und des Menschen fast äquivalent war, war der der Spitzmaus viel kleiner und der der Eibe größer. Des Weiteren wurden unterirdische Ameisengänge in Menschengröße nachgeahmt. Bei dem Hindurchgehen konnte man die Welt aus einer ganz neuen Perspektive entdecken und zusätzlich noch einiges über Themen wie beispielsweise „Gesteine“, „unterschiedliche Landschaftsbilder im Bayerischen Wald“ und „biologische Zersetzung“ lernen.

Alles in allem war dies ein sehr schöner, einzigartiger, langer, informativer und außergewöhnlicher Tag! 

Elena Dorrani, Umweltpraktikantin 2015 im Naturpark Bayerischer Wald,