Commerzbank-Umweltpraktikum

Im Reich der Zwerge

Foto: Anna Heck

Marina, auch Commerzi, und mir, ist es etwas unwohl zumute. Wir sollen heute mit einer zweiten Klasse die „Weißwölkchen und Tannengrün“-Führung machen, die eigentlich für Kindergartenkinder ausgelegt ist. Nicht umsonst – es geht um eine Wolke und eine Tanne, die sprechen können sowie Zwerge und einen Waldgeist! Nicht viele heutige Zweitklässler haben noch genug Fantasie, um in eine solche Welt einzutauchen. So fallen unsere ersten Sätze der Geschichte auch etwas unbeholfen und vorsichtig aus. Wir haben wirklich die Befürchtung, dass die Kinder gleich jammern, wie doof und kindisch das alles ist! Umso überraschter sind wir, als gleich am Eingang des Zauberwaldes die ersten Fragen aufkommen wie „Gibt es hier auch Zwerge?“ „Und eine Hexe?“ „Sehen wir die Zwerge heute?“ – wir sind begeistert und sofort macht meine Lieblingsführung doppelt so viel Spaß.

Zunächst jedoch geht es einmal darum, was es mit Weißwölkchen und Tannengrün überhaupt auf sich hat. Das Abenteuer handelt von einer kleinen Wolke, die den Hintersee von oben so schön fand, dass sie einmal hinunter regnen wollte und so auf Tannengrün trifft. Die beiden werden Freundinnen und erkunden gemeinsam den Wald, denn so viele tolle Dinge hat Weißwölkchen noch nirgends gesehen. Doch im Zauberwald am Hintersee gibt es ein Problem: Die Zwerge haben dem Waldgeist den Schatz des Waldes gestohlen. Damit dieser zurückgegeben werden kann, müssen die Kinder jetzt richtig schöne Häuser für die Zwerge bauen, damit diese umgestimmt werden und den Schatz herausrücken.

Als ich selbst ein Kind war, ging meine Mutter mit mir durch den Zauberwald und wir suchten nach Zwergenhöhlen. So geht mit dem Bauen solcher Behausungen ein eigener kleiner Kindheitstraum in Erfüllung. Zu dritt errichten wir dann eine schöne kleine Hütte mit Bett, Haustüre, Garten und sogar einem Balkon! Natürlich sind die Zwerge total begeistern von ihren neuen Häusern und verraten uns, wo sie den Schatz versteckt haben. Dieser besteht aus vielen kleinen „Goldsteinen“ – für jedes Kind einen sowie einem etwas größeren Brocken – für uns ein ganz gewöhnlicher Stein, für die Zwerge jedoch ein glitzernder Edelstein. Dieser wird dann mit allen zusammen zurück in den See geworfen und das Abenteuer ist bestanden.

Auf dem Rückweg läuft ein Junge neben mir und wir unterhalten uns darüber, wie die Zwerge wohl sprechen und was für Namen sie haben könnten. Den Stein betrachtend sagt er zu mir: "Für mich ist das nur ein angemalter Stein, aber für die Zwerge ist es ein Schatz, also ist er auch für mich wertvoll."

Als wir uns verabschieden, befinde ich mich auf einmal inmitten lauter kleiner Kinderhände, die mir tschüss sagen wollen und wild durcheinander „Pfüati Anna!“ rufen. 

Anna Heck, Umweltpraktikantin 2015 im Nationalpark Berchtesgaden