Commerzbank-Umweltpraktikum

Hammer und Säge statt Telefon und Laptop

Foto: Nationalpark Harz - Wimmer
Anbringen des Infoschilds an der Nisthilfe

Hammer, Säge und Bohrmaschine waren sicher nicht die Werkzeuge, die ich während meines Praktikums am häufigsten in der Hand hatte – meistens waren es doch eher Telefon und Laptop.

Dass ich mich dennoch handwerklich betätigen durfte, habe ich den Wildbienen und Solitärwespen  zu verdanken.

Denn nicht nur Imker halten Bienen – neben der Honigbiene gibt es in Deutschland über 550 Arten Wildbienen. Diese produzieren zwar keinen Honig, sind weniger bekannt und dennoch ökologisch sehr wichtig als Bestäuber für zahlreiche Wild- und Nutzpflanzen.

Dabei hat jede Bienenart eigene Ansprüche an den Lebensraum und an die Strukturen, in denen sie ihre Nester bauen. Die meisten Wildbienen leben solitär, das heißt, jede einzelne weibliche Biene baut ein eigenes Nest. Arten, die in vorhandenen Hohlräumen nisten, können durch das Anbieten von Nistgelegenheiten gezielt gefördert werden. Genau das ist das Ziel einer Hautflügler-Nisthillfe, wie auf dem Gelände des Nationalparkhauses zu finden ist. Im Rahmen eines kleinen Projekts habe ich die schon vorhandenen Nisthilfen ergänzt und erweitert sowie ein Infoschild entworfen.

Natürlich habe ich mehr als nur einen Tag an der Nisthilfe gearbeitet und neben Säge und Bohrmaschine auch Bestimmungshilfen und Literatur zu den Wildbienen und anderen Hautflüglern zur Hand genommen. Vor der handwerklichen Arbeit stand eine ausführliche Bestandsaufnahme: Welche Arten haben in den schon vorhandenen Elementen Nester gebaut? Warum werden bestimmte Nisthilfen gut besiedelt, andere dagegen kaum angenommen? Gäbe es weitere Möglichkeiten, attraktive Nistmöglichkeiten für andere Arten anzubieten? Und welche günstigen Baustoffe würden zur Verfügung stehen?

Das Baumaterial wurde größtenteils vom Leiter des Nationalparkhauses beschafft, einen Teil habe ich auch selbst gesammelt. So gehörte dann auch das „Ernten“ von Stängeln des Japanischen Knöterichs zu meinen Tätigkeiten.

Schließlich kamen dann Handsäge und Bohrmaschine zum Einsatz. Pflanzenstängel wurden auf die richtige Länge gebracht, und Holzklötze zurechtgesägt und mit Bohrlöchern versehen. Auch der „Einbau“ von Lehmziegeln, Holzwolle und Schilfstängeln nahm einige Zeit in Anspruch.

Trotzdem kam auch für dieses Projekt am Ende der Laptop zum Einsatz: Einige Stunden habe ich dafür aufgewendet, eine Infotafel für die Nisthilfe zu entwerfen, erläuternde Texte zu verfassen und die Tafel mit Bildern zu versehen. Warum? Eine Nisthilfe am Nationalparkhaus soll eben doch nicht nur den Zweck haben, Raum für die Nester von Wildbienen zu bieten – es soll ebenso Menschen über Wildbienen und (harmlose!) Solitärwespen informieren, erklären welchen Zweck Nisthilfen haben und vielleicht auch dazu anregen, selbst eine Nisthilfe zu konstruieren.

Für mich war das Projekt eine gute Möglichkeiten „mit den Händen“ zu arbeiten, anstatt vom Schreibtisch aus. Im Verlauf des Projekts habe ich auch gelernt, mich in ein zuvor völlig neues Themenfeld einzuarbeiten und anschließend dieses Wissen allgemein verständlich zu formulieren.
Julius Weimper, Nationalpark Harz 2014