Commerzbank-Umweltpraktikum

Hamburger Hallig

Foto: Martin Suanjak

Ein Erlebnis für alle Sinne

Ein Credo der Naturvermittlung ist es, die Natur mit allen Sinnen zu erleben, wie das auch während des Commerzbank Umweltpraktikums geht, berichtet Martin Suanjak aus dem NP Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer:

Abfahrt Hamburger Hallig: 15 Minuten mit dem Rad, 30 mit dem Auto und 90 Minuten mit dem Adler-Express-Schiff durchs Wattenmeer zischen und schon betritt man Hallig Hooge. Heute mit der Mission in Küsten- und Flussseeschwalbenkolonien Bruterfolgsmonitoring durchzuführen. Nachdem die bekannten Nester und Jungvögel schon mit Nummern gekennzeichnet wurden, sollen wir heute diese Arbeit fortführen. Wir heißt in diesem Fall Nationalpark-Ranger Martin Kühn und ich als sein Begleiter. Alle Vorbereitungen wurden schon auf der Fähre bzw. im Haus der Schutzstation auf Hooge getroffen. So geht es bei schwachem Wind und angenehmen Temperaturen in die erste Seeschwalben-Kolonie; die Sinne der Erfasser: aufs Äußerte konzentriert. Und das ist auch notwendig, denn einerseits muss man bei jedem Schritt aufpassen nicht in Gelege oder auf Jungvögel zu treten und wenn solche gefunden werden, verschiedene Parameter aufzunehmen, andererseits die vorgegebene Route („Schlangenlinien“) in der Kolonie nicht zu verlassen. Die erlaubte Stunde in der Kolonie vergeht so im Flug und alle Sinne werden angeregt:

Sehen: Jungvögel und Eier müssen mit Adleraugen erspäht werden.

Hören: Die Altvögel versuchen mit möglichst lauten Warnrufen die Eindringlinge zu verscheuchen.

Fühlen: Hilft all das Gekreische nichts mehr, dann muss zum direkten Angriff übergegangen werden. Die Schnabelhiebe auf dem Kopf wären sehr schmerzhaft, hätte man nicht schon Vorkehrungen getroffen und die Kappe mit Pappe als Dämpfer ausgestattet.

Riechen: Der süßlich-sämige Geruch einer Vogelkolonie steckt noch lange in der Nase.

Schmecken: Die süßen, kleinen Küken sind wirklich zum Anbeißen! (-> Passierte natürlich nicht!)

 

Diese Prozedur wird bei zwei weiteren Kolonien fortgeführt bis die Kleidung völlig zugekotet ist. Danach wird zur Entspannung auch noch auf andere Vögel geschaut und auch gleich eine Trauerseeschwalbe und vier Goldregenpfeifer entdeckt.

Der lange, erlebnisreiche Tag klingt auf der Heimfahrt auf der Adler-Express aus, in der man auch anderen Gäste zumindest das olfaktorische Erlebnis einer Seeschwalbenkolonie näherbringt!

 

Martin Suanjak, Umweltpraktikant 2016 auf der Hamburger Hallig im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer.