Commerzbank-Umweltpraktikum

Gipfelrasur für einen König

Foto: Lea Prüß


Als beliebtes Ausflugsziel und prächtiger Besuchermagnet ist der Große Arber weit über die Grenzen des Bayerischen Waldes hinaus bekannt. Jährlich erwandern über eine Million Urlauber den 1456 Meter hohen Berg im Osten Bayerns, weshalb belebte Szenen auf dem Gipfelplateau daher nichts Ungewöhnliches sondern Alltag sind.

An einigen Tagen im September ging es allerdings doch noch etwas geräuschvoller zu als sonst, denn die Naturschutzbehörden hatten dem Staatlichen Bauamt Passau Ausgleichsmaßnahmen auferlegt, die nun durch landschaftspflegerische Aktionen auf dem Arber erfüllt wurden.

So war es auch am 4. September, als ich einen meiner ersten richtigen Außeneinätze während des Praktikums hatte und mir vom Gipfel einen recht ordentlichen Überblick über mein Einsatzgebiet verschaffen konnte. Als wir – meine Praktikumsbetreuerin und Arber-Gebietsbetreuerin Isabelle und unser FÖLler Christian – morgens den Gipfel erreichten, hörten wir bereits von Weitem das nette Geräusch der Kantenschneider, mit denen zwei Biologen fachkundig schachbrettartige Muster aus der Heidelbeervegetation herausmähten, um auf diese Weise Freiflächen für den seltenen Ungarischen Enzian zu schaffen, dessen Samen ansonsten nicht genügend Licht bekommen würden.

Anders als im Nationalparkgebiet, werden im Naturpark natürliche Prozesse zum Teil aktiv gesteuert, um spezielle Zielarten zu fördern und auf diese Weise die Vielfalt zu erhalten. Der Große Arber zum Beispiel ist der einzige Gipfel des Bayerisch-Böhmischen Grenzmassivs, der die klimatische Waldgrenze erreicht und daher für die Region einmalige Lebensräume bietet.

Für den Ungarischen Enzian sahen wir also über das Wegegebot hinweg und griffen zu Rechen, bzw. Harke nach meinem norddeutschen Wortschatz, und Forke, um die abgemähten Pflanzenteile zu Haufen aufzuschichten. Dabei wurden wir immer wieder durch fröhliche Kommentare von Seiten der zunehmenden Zahl Besucher unterstützt, die sich nach dem Grund für unsere Gipfelrasur erkundigten. Und als Isabelle gegen Mittag schließlich ihre Führung zum Thema „Herbst am Arbergipfel“ hatte, wurde dann auch mein touristischer Blick für den Berg geschärft, während wir umgekehrt den Teilnehmern und anderen Interessierten unsere Landschaftspflegeaktion erklärten.

Dieser Tag war für mich auch rückblickend etwas Besonderes, weil er den Abwechslungsreichtum meiner Arbeit während des Umweltpraktikums beim Naturpark widerspiegelte.  Einerseits den tatkräftigen Einsatz in der Natur, der direkt speziellen Arten zugute kommt, andererseits die informierende Arbeit für Besucher und Touristen, die sich indirekt positiv auf die Umwelt auswirkt. Beide Arbeitsbereiche wirken gemeinsam, zumal es ohne eine gute Kenntnis des Geländes und seiner Eigenarten kaum möglich ist, sinnvolle Auskünfte gegenüber Interessierten zu geben bzw. sämtliche Kosten solcher arbeitsintensiver Einsätze ohne Einnahmen aus dem Natur- oder Umwelttourismus zu tragen.

Lea Prüß, Naturpark Bayerischer Wald 2014