Commerzbank-Umweltpraktikum

Geheimagent im Dienste der Natur

Foto: Lara Kaiser

Es ist Sonntagmorgen und anstatt auszuschlafen heißt es Rucksack packen. Das ist allerdings gar nicht schlimm, denn heute ist für mich ein Arbeitstag als Mystery-Checker. Man könnte auch sagen ich bin Geheimagent im Dienste der Natur. Ich packe also Messer, Brettchen und einen Korb ein und mache mich auf den Weg ins Lautertal. Hier mäandert der Donauzufluss Lauter durch ein wunderschönes Tal und lockt zu einer Wanderung.
Als Mystery-Checker überprüft man anhand festgelegter Kriterien die Qualität der Partner des Biosphärengebiets und um die Qualität eines Landschafts-führers zu prüfen, muss man sich natürlich durch die Landschaft führen lassen.

Um 10:00 Uhr geht es los. Wir sind etwa 15 Leute und ich bin mit Abstand die Jüngste. Unser Alb-Guide hat heute eine Kräuterwanderung angeboten und ich bin schon ganz gespannt, was ich heute Nachmittag auf dem Tisch haben werde. Kaum sind wir die ersten 100m gelaufen, machen wir auch schon Halt und die ersten Kräuter werden präsentiert. Die wunderschöne, pinke Blüte der Lichtnelke schmeckt mir leider gar nicht, aber umso besser mundet das unscheinbare Labkraut. Ich sammle schon fleißig in meinen Korb, obwohl wir eigentlich erst später damit beginnen sollen, da sonst alles welk ist bis wir essen. An der nächsten Kurve stehen wir im Sonnenschein ganz nah an der Lauter und ich sehe zum ersten Mal Bäume an denen sich Biber zu schaffen gemacht haben. Weiter oben am Fluss, so der Landschaftsführer, hat sich ein Biber seine Heimstätte eingerichtet. Am nächsten eher schattigen und feuchten Ort entdecken wir den Schlangenknöterich, dessen Name mich wohl davon abgehalten hätte hineinzubeißen, der mir aber ausgesprochen gut schmeckt. Wie kleine Hasen strömen wir aus und sammeln Knospen, Blüten und Blätter der unterschiedlichsten Pflanzen und immer wieder hört man ein erstauntes „ das ist ja lecker“ wenn jemand ins Gras beißt. Die seltene Teufelskralle und den giftigen Hahnenfuß lassen wir stehen. Am Nachmittag erreichen wir mit vollen Körben eine Grillstelle und schnell ist ein Feuer entfacht und alle sitzen fröhlich beisammen und trennen Blüten von Blättern und bereiten den Salat vor. Ich habe mich bereit erklärt die Brennnesseln zu schneiden und bereue so langsam diesen Mut, aber mit Hilfe meiner Jacke ist auch das zu schaffen, und was tut man nicht alles für eine schmackhafte Suppe. Ich komme ins Gespräch mit meinen Mitwanderern und erfahre, dass sie schon seit Jahren immer wieder von Stuttgart herfahren, um an den Führungen der Alb-Guides teilzunehmen.
Dann ist es endlich soweit und die Suppe kocht, der Salat ist angemacht und jeder hat seine Scheibe Biobrot in der Hand. Während wir essen, erklärt der Guide die Aufgaben des Biosphärengebiets und erfüllt somit die Auflagen, die ich prüfen soll. Jeder isst mit großer Freude den Salat, der mit blauen, pinken und gelben Blüten geschmückt ist und genießt die Suppe, die zum Glück eine ordentliche Kartoffelgrundlage hat. Denn auch wenn die Kräuter super schmecken kann ich mir nicht vorstellen davon satt zu werden. Immer wieder kommen Radfahrer an unserer Gruppe vorbei und blicken neidisch in unseren Topf, der allerdings sehr bald leer gegessen ist. Um 15:00 Uhr ist die Tour dann beendet und nach allgemeinem Bedanken machen wir uns auf den Rückweg.

Eigentlich schade, denke ich mir, dass ich jetzt nur die Kräuter kenne, die im Frühling blühen und fasse den Entschluss im Sommer wieder an einer Kräuterwanderung teilzunehmen. Am nächsten Tag werde ich im Büro die Formulare über die Wanderung ausfüllen und in der Teambesprechung von meinen Erlebnissen berichten. Wenn ich wieder zuhause bin, will ich zu allererst einen Rundgang durch unseren Garten machen und prüfen, welches vermeintliche Unkraut ab sofort nicht mehr dem Rasenmäher, sondern mir zum Opfer fällt. 

 

Lara Kaiser, Umweltpraktikantin 2015, Biosphärengebiet Schwäbische Alb