Commerzbank-Umweltpraktikum

Fledermausnacht im Grenzbahnhof

Die ersten zwei Monate hier beim Naturpark Bayerischer Wald hatten schon viel Spannendes zu bieten und vergingen wie im Flug. Ein besonderes Highlight war dabei die Europäische Fledermausnacht in den NaturparkWelten im Grenzbahnhof Bayerisch Eisenstein. Die Europäische Fledermausnacht ist ein jährlich wiederkehrender Termin an zahlreichen Orten in ganz Europa. Ziel der Fledermausnacht ist es, die Öffentlichkeit für den Schutz der Fledermäuse zu sensibilisieren. 

Zu Beginn des Abends war ich gleich gefordert, denn es gab als Aktion für Kinder die Möglichkeit, Fledermauskästen zu bauen und Papierfledermäuse zu basteln. Dafür hatte ich schon im Vorfeld Bretter und Werkzeug für die Fledermauskästen sowie Papier, Klopapierrollen, Stifte und Scheren für die Papierfledermäuse bereitgelegt. Nach kurzer Zeit kamen auch gleich die Ersten zum Bauen und Basteln.

Beim Fledermauskasten-Bauen machte ich jeweils immer den Anfang beim Hämmern und überließ dann den Kindern den Hammer. Alle waren mit sichtlicher Begeisterung dabei und am Ende ziemlich stolz auf ihren Fledermauskasten. Für die Papierfledermäuse malten die Kinder zuerst den Körper an, schnitten dann Körper und Flügel aus und klebten zum Schluss alles auf die Klopapierrolle. Auch dabei hatten die Kleinen sichtlich Spaß. 

Den Anfang beim Bauen und Basteln machte ein Junge aus dem Stuttgarter Raum mit seinem Vater, da konnte ich gleich mit meiner Ortskenntnis durch mein Studium in Tübingen glänzen. Später wurde es schon schwieriger mit Ortskenntnis und Sprache, denn jetzt kam eine Familie aus Tschechien. So etwas kommt hier am Grenzbahnhof direkt an der Grenze zu Tschechien öfters vor. Leider kann ich kein Tschechisch, doch mit Deutsch, Englisch, Händen und Füßen komme ich meistens gut durch. So auch diesmal, die Kinder und Eltern strahlten zufrieden, als die Fledermauskästen und Papierfledermäuse fertig waren. 

Nach der Bau- und Bastelaktion gab es
eine Führung durch die Fledermaus-Ausstellung im Kellergewölbe des Grenzbahnhofs durch den Arbergebietsbetreuer (und zugleich mein Praktikumsbetreuer) Johannes Matt. Da ein paar Kinder jetzt erst gekommen waren und lieber auch noch Bauen und Basteln wollten, legte ich spontan eine weitere Runde dieses Programmpunktes ein und konnte so die zuerst noch skeptischen Kinder für das Thema Fledermäuse begeistern. 

Anschließend folgte im historischen Wartesaal erster Klasse ein Vortrag unserer Fledermausexpertin Susanne Morgenroth. Mittlerweile hatten sich einige Interessierte dort eingefunden und lauschten gespannt ihren Ausführungen. Ich hörte ebenfalls gespannt zu und schoss ein paar Fotos für den Pressebericht über die Fledermausnacht, den ich später schreiben durfte. Am Ende des Vortrags gab es noch etwas ganz Besonderes: unsere Fledermausexpertin hatte einen Abendsegler-Pflegling dabei, den Kinder und Erwachsene mit Mehlwürmer füttern durften. Der Kleine zeigte sich gar nicht scheu und mampfte eifrig einige Larven. 

Danach ging es endlich nach draußen, um die Fledermäuse in freier Natur zu beobachten. Mit Taschenlampen und Fledermausdetektoren, die die Rufe für das menschliche Ohr hörbar machen, konnten etliche Arten im nächtlichen Bayerisch Eisenstein gehört und auch gesehen werden. In dieser Nacht waren vor allem Zwergfledermäuse unterwegs, aber auch Wasserfledermäuse und Abendsegler konnten gesichtet werden. Insgesamt waren es so viele, dass man fast die Vermutung haben könnte, dass es mehr Fledermäuse als Einwohner in Bayerisch Eisenstein gibt. Aber mir soll das nur recht sein, denn die eifrigen Jäger verspeisen bis zu 1500 Insekten pro Stunde und sorgen so dafür, dass es den ganzen Sommer über so gut wie gar keine Stechmücken in der Praktikanten-WG im Grenzbahnhof gibt. 

Dieser ereignisreiche Abend hat mir gezeigt, dass es trotz aller Schwierigkeiten doch möglich ist, die Öffentlichkeit für die Natur und deren Schutz zu begeistern. Ich bin gespannt, was die nächsten Wochen noch bringen werden. 

Fabian Roser, Umweltpraktikant 2016 im Naturpark Bayerischer Wald