Commerzbank-Umweltpraktikum

Exkursion zum Hohnekamm

Foto: Miriam Witte

Anfang Juni 2015 hatte ich das Glück, an einer Führung des Leiters des Nationalparks Harz, Herrn Andreas Pusch, teilnehmen zu können. Anlass war der Betriebsausflug der Belegschaft seines ehemaligen Forstamts.

Los ging’s gegen 12 Uhr vom HohneHof, wo ich eingesetzt bin. Die ca. 30 Teilnehmer machten sich bei schönstem Wetter in Richtung Trudenstein auf den Weg. Unterwegs hielten wir an markanten Stellen immer wieder an und Herr Pusch gab Erläuterungen zu den bestehenden und entstehenden Waldbildern des Nationalparks. So zum Beispiel an einer Pflanzung junger Buchen, denen hier als einst vorherrschenden Baumart eine Starthilfe zur Wiederansiedlung gegeben wird.

Am Trudenstein teilte sich die Gruppe und die „ältere“ Abteilung machte sich auf zu einem Besuch der Brockenkuppe. Während wir anderen weiter den Eichendorff-Stieg hinauf den Hohnekamm erklommen, änderte sich so langsam das Waldbild. Dem dunklen und fast nur mit gleichalten Bäumen bewachsenen Fichtenwald der ehemaligen Wirtschafswälder sieht man noch deutlich die menschengemachte Herkunft an, doch je höher man kommt, desto naturnaher wird er. Die durch den Borkenkäfer abgestorbenen Bäume stehen als kahle Gerippe aus dem niederen Bewuchs heraus oder liegen als Totholz neben den Wegen und nähren neues Leben. Junge Fichten, Birken und Ebereschen sind dabei, die offenen Flächen wieder zu schließen und dem Wald einzuverleiben.

Nach einem Abstecher auf den Moorstieg über das hiesige kleine Hochmoor bestiegen wir die über den Wald aufragenden Leistenklippen, von denen man eine fantastische Aussicht auf Harz, Harzvorland und auch den Brocken hat. Anschließend betraten wir den ursprünglichsten und wildesten Teil des Waldes – einen Kernzonenbereich, der seit ca. 80 Jahren sich selbst überlassen ist. Umgestürzte Bäume kreuzen den Weg, ihre aufragenden Wurzelteller sind Lebensraum für Pilze, Insekten und neue Schösslinge. Fast erwartet man, hinter dem nächsten Gebüsch oder Felsen die Pinselohren eines Luchses hervorspähen zu sehen. Die geplante Besteigung der Landmannklippe wurde auf halbem Wege abgebrochen, da der Pfad nicht mehr passierbar war.

Als wir nach dem Abstieg aus der Kernzone in den Forstwald traten, wirkte er umso düsterer, kälter und fast steril. Und auch die Forstleute, die aufgrund des „baren Geldes“, das man einfach im Wald vergammeln lässt, anfangs die Köpfe schüttelten, mussten nun zugeben, dass ein Wirtschaftswald solche Lebensräume nicht bieten kann und der Urwald eine wilde und ungezähmte Schönheit hat, die ihresgleichen sucht.

Es ist schon ein spannendes Arbeitsfeld, in dem ich derzeit mein Praktikum absolviere.

Miriam Witte, Umweltpraktikantin 2015 im Nationalpark Harz