Commerzbank-Umweltpraktikum

Englisch-Deutsch-Somali-Tigrinisch oder besser: Hände und Füße

Im Rahmen meines Commerzbank Umweltpraktikums im Nationalpark Hainich stehen wöchentlich unterschiedlichste Führungen auf dem Programm. Vom Kindergarten bis zur Oberstufe. Von Kleingruppen bis zu Mammutprojekten mit bis zu 150 Personen. Für Menschen mit oder ohne Einschränkungen. Jedes Mal passen meine Kollegen und ich die Konzepte an die Gruppen an.

Heute an einem warmen Julivormittag habe ich aber eine ganz besondere Art von Führung. In den letzten Wochen habe ich einen bestehenden Geo-Cache entlang des Hünenteichwanderwegs mit 10 Stationen etwas modifiziert und ins Englische übersetzt. Meine Zielgruppe heute sind acht 16-17-jährige Flüchtlinge aus Somalia und Eritrea.

Ich bin etwas ahnungslos, was genau da heute auf mich zukommt. Wie gut können die acht schon Deutsch oder Englisch? Waren sie schon mal in einem europäischen Wald? Was ist ihnen von der hiesigen Fauna und Flora bekannt? Haben sie schon mal von einem Geo-Cache gehört oder ein GPS-Gerät bedient? Nun gut, ich bin ja nicht allein, einer unserer FÖJler Eike und Lisa, aus dem Umweltbildungsteam, sind als Unterstützung für die erste Durchführung mitgekommen.

Bei der Begrüßung stellt sich schnell heraus, mit Deutsch wird es heute nichts. Also gleich mal mit Englisch weiter. Einer der Flüchtlinge, versteht relativ gut Englisch und gibt die Informationen an die anderen weiter. Zu Beginn, ist den acht nicht so ganz klar, was sie jetzt machen sollen. Aber nachdem der erste Cache gefunden, die Aufgabe gelöst und die neue Koordinate in das GPS-Gerät eingegeben ist, scheinen alle zu begreifen was zu tun ist. Mit viel Motivation geht es auf zum nächsten Punkt. Dort gibt es neue Informationen und eine dazugehörige Frage. Diesmal zum Thema Wildkatze. Und weiter geht‘s zum nächsten Cache. Es ist zwar nicht einfach die zum Teil sehr komplexen Themen über Sukzession, Muschelkalkböden, Lebensräume verschiedener Tierarten, das Unesco Weltnaturerbe, etc. in ein einfaches Englisch zu packen, aber die Gruppe ist sehr wissbegierig und hört gut zu. Meist müssen Hände, Füße, Grimassen und Tiergeräusche zur Verständigung mit benutzt werden. Somit lernen die Acht nicht nur einen alten Buchenwald und dessen Geheimnisse kennen, sondern haben auch einiges zu Lachen. Am Ende der Tour darf die Gruppe sich in ein Logbuch eintragen, denn sie haben es geschafft alle Hinweise zu finden. Unterwegs haben wir neben vielen verschiedenen Pflanzen auch zwei Blindschleichen angetroffen, was neben dem dunklen Wald etwas ganz neues und spannendes für die Gruppe war. Am Ende hat es allen gut gefallen, ich bin sehr stolz auf die Jungs und hatte einen wundervollen Vormittag.

Sarah Hüthwohl, Umweltpraktikantin 2016 im Nationalpark Hainich