Commerzbank-Umweltpraktikum

Einmal quer durch die vier Ws

Foto: Laura Danzeisen

Es ist sieben Uhr morgens und ich steige auf mein Fahrrad. Noch etwas müde trete ich in die Pedale und starte in den warmen Sommermorgen und einen neuen Praktikumstag. Was mich wohl heute erwarten wird? Viel Zeit, darüber nachzudenken, bleibt mir nicht, denn schon kommt der erste Anstieg von vielen auf meiner Route. Beim Hochstrampeln der Steigung schießt mir ein Text durch den Kopf, den ich tags zuvor im Büro getippt habe: „Seien Sie willkommen in der sanft hügeligen Landschaft des Biosphärenreservats Bliesgau!“ Nun, so sanft dann wohl doch nicht. Vielleicht sollte ich den Text noch mal anpassen…

Doch schon bald werde ich für meine Mühen belohnt: Ich bin auf der Spitze des Hügels angekommen und die Sonne scheint hell über die Weiden eines kleinen Bauernhofs. In dessen Hofladen schaue ich nach Feierabend gerne vorbei, denn dort steht eines von vielen Bliesgau-Regalen. Das sind Einkaufsecken mit leckerem Senf, Apfelsaft, „Apfelsecco“ und Ölen aus regionaler Herkunft, hergestellt von Landwirten aus dem Biosphärenreservat. Aber einkaufen kann ich auf dem Rückweg, also schnell weitergefahren!

Ich tauche ein in den Wald eines Naturschutzgebiets. Hier ist es kühl, links und rechts des Weges stehen alte Buchen und spenden angenehmen Schatten. Ich bin mitten in einer Pflegezone des Biosphärenreservats und fahre entlang eines Flusslaufs, vorbei an den vier großen Ws, die die Landschaft des Bliesgaus für mich ausmachen: Weiher, Weiden, Wiesen, Wald. Ebendort wird Naturschutz gemeinsam mit Forst- und Landwirten umgesetzt und es entwickelt sich die abwechslungs- und artenreiche Kulturlandschaft, wegen der die UNESCO die Region mit dem Titel „Biosphärenreservat“ ausgezeichnet hat. Wie schön es hier ist!

Ein großer Greifvogel fliegt unvermittelt vor mir quer über den Waldweg und platziert sich auf einer Eiche. Meine Bremse quietscht, Arbeitsbeginn hin oder her, ich muss genauer hinsehen. Ist das ein Schwarzmilan? Hm, sicher bin ich mir nicht, zur Ornithologin des Jahres werde ich nämlich eher nicht ernannt… Ich nehme mir vor, das zu ändern - gleich heute werde ich mich im Veranstaltungskalender des Biosphärenreservats zu den zahlreichen geführten Touren über die Arten des Bliesgaus informieren.

Ungefähr die Hälfte der Strecke habe ich nun hinter mir und der Radweg schlängelt sich durch kleine Orte. Ein Biosphärenbus überholt mich. Für dessen Einrichtung hat die Deutsche Bahn dem Bliesgau einen Fahrtziel Natur-Award überreicht hat. Mir fällt ein, dass ich noch einen Artikel aus der Bahn-Zeitschrift DB mobil für die Postmappe kopieren muss. Darin wird beworben, dass jeden Sonntag Natur- und Landschaftsführer den Biosphärenbussen zusteigen und den Fahrgästen interessante Fakten über den Bliesgau erzählen.

Die Stadt Blieskastel kommt in Sicht, gleich bin ich angekommen. Ein kleiner Abstecher durch die barocke Innenstadt muss sein, denn nur hier bekomme ich mein Lieblingsbrot, das – wie könnte es anders sein – Biosphärenbrot einer lokalen Bäckerei.

„Frau Danzeise, sie hann doch angefroht, ob mir Sie bei Ihrem Projäkt, der Brotbox für die Erschtklässler mit biologische Produkte drin unterschtütze würde. Mir mache ger mit!“, teilt mir die Verkäuferin an der Theke noch mit, als ich schon auf dem Weg nach draußen bin. Schön, ein weiterer Sponsor für mein großes Praktikumsprojekt, die Organisation einer mit Bio-Lebensmitteln gefüllten Brotbox für die neu eingeschulten Kinder im Bliesgau, ist also mit im Boot.

Während ich das Fahrrad vor der Geschäftsstelle parke, lasse ich mir noch einmal durch den Kopf gehen, was ich heute unter anderem zu tun habe: Pressetext umschreiben, DB mobil-Artikel kopieren, das Veranstaltungsangebot der Natur- und Landschaftsführer zur Artenkunde durchgehen und das Bio-Brotbox-Projekt weiter vorantreiben. Die morgendliche Fahrt durch die Biosphäre hat mich mal wieder direkt in den Praktikumstag katapultiert – los geht’s!

Laura Danzeisen, Umweltpraktikantin 2015 im Biosphärenreservat Bliesgau