Commerzbank-Umweltpraktikum

Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön!

Foto: Thomas Weiß

Donnerstag, 21. Mai 2015, 5 Uhr morgens. 5 Uhr! Als Student ist man sich in der Regel ja gar nicht bewusst, dass es diese Stunde überhaupt gibt... . Grund für den Aufbruch mitten in der Nacht: Die Wasser- und Schiffahrtsverwaltung Wittenberge (WSV) nahm meine Mitpraktikantin Andrea und mich auf eine ihrer Kontrollfahrten mit. Es ging die Elbe hinauf nach Havelberg. Unsere Aufgabe für das Biosphärenreservat: Mögliche Rastplätze für Kanuten und Ruderer ausfindig machen. Außerdem wollten wir herausfinden, an welchen Stellen es sinnvoll ist, entsprechende Hinweisschilder anzubringen, wie groß diese sein sollten und welche Informationen sich darauf wiederfinden müssten.

Schon auf der Fahrt von unserem Einsatzort Rühstädt (dem Dorf mit der größten Weißstorchpopulation Deutschlands) nach Wittenberge einer dieser fast magischen Momente, wie ich sie in der Elbaue schon des Öfteren erleben durfte: Dichter Morgennebel liegt über den Wiesen und Feldern, langsam steigt die Sonne am Horizont hoch und weckt nach und nach die zahlreichen Singvögel, die hier in einer der letzten naturnahen Flusslandschaften Mitteleuropas eine Heimat gefunden haben. Zwei besonders bekannte "Gesichter" des Biosphärenreservats sind da schon auf Nahrungssuche: Gemessenen Schritts stakt ein Weißstorch über die Wiesen, während über der Elbe bereits der Seeadler seine Kreise zieht.

In Wittenberge angekommen, geht es nach einer kurzen Vorstellungsrunde dann endlich an Bord der "Prignitz". Für einen Dresdner wie mich ist es immer wieder schön, auf der Elbe unterwegs zu sein. Zumal sie sich hier von einer anderen Seite zeigt - breiter, ruhiger, urtümlich, irgendwie majestätischer. Während an Back- und Steuerbord die weiten Auenflächen der Elbe vorbeiziehen, aus der Ferne die Backsteintürme alter Dorfkirchen hinter dem Deich grüßen, plaudern unsere beiden Begleiter der WSV aus dem Nähkästchen über das Leben am großen Strom, das sie von Kindesbeinen an kennen. Besonders beeindruckend sind die Erzählungen über die Zeit vor der Wiedervereinigung Deutschlands, als sich selbst auf den Deichen kilometerlange Grenzzäune befanden und die Menschen an vielen Stellen vom Fluss abgeschnitten waren. Heute ist davon nichts mehr zusehen, lediglich einzelne erhaltene Wachtürme (von denen der Blick schweift über herrliche Auwälder und Weidelandschaften) zeugen davon, dass die Erzählungen kein Seemannsgarn sind. Bemerkenswerte Bilder aus dieser Zeit sollte ich dann auch wenig später im Grenzlandmuseum in Schnackenburg sehen. Die Geschichte ist aber gleichzeitig ein Grund, weshalb sich hier ein einzigartiger Naturraum erhalten hat und wir während der Fahrt unter anderem mehrere Fischadler beim Jagen beobachten oder aber kleine Gänseküken bei ihren ersten Schwimmversuchen anfeuern konnten. Höhepunkt des Tages: Andrea und ich durften die „Prignitz“ ein paar Kilometer lang selbst einmal steuern. Auch wenn Dank moderner Navigation kaum etwas schief gehen kann, muss man die Augen offen halten, um nicht doch auf einen der zahlreichen Buhnenköpfe aufzusetzen, die hier charakteristisch für den Fluss sind und weit in ihn hineinragen.

Nach gut acht Stunden auf "hoher See" landen wir schließlich wieder in Wittenberge. Ein ereignisreicher Tag geht zu Ende, ein Tag, der spannende Einblicke gewährt hat in einen einmaligen Landschaftsraum und dessen Geschichte und den ich noch lange in Erinnerung behalten werde.

Thomas Weiß, Umweltpraktikant 2015 im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg