Commerzbank-Umweltpraktikum

Eine Schulklasse, vier Nordseetiere und spannende Experimente

Schon der erste Gedanken nach dem Aufstehen galt an diesem Tag Muscheln und Seepocken. Wie genau funktioniert das nochmal mit dem Atemwasserstrom im Kiemenraum der Seepocken und wohin gelangen die herausgefilterten Mikroorganismen? Und wie schafft es die Seepocke, sich mit dem stärksten in der Natur bekannten Haftmechanismus auf verschiedensten Untergründen anzuhaften und einzuzementieren? Und wie erkläre ich das am besten einer Schulklasse? All diese Fragen schwirrten in meinem Kopf, als ich mich an diesem besonderen Morgen früher als sonst auf den Weg zur Arbeit machte – mit dem Rad außen am Deich entlang.

Heute sollte eine Schulklasse ins Nationalpark-Haus Museum Fedderwardersiel kommen und Friederike, eine der beiden Hausleiterinnen, und ich, wollten diesmal etwas Neues ausprobieren. Anstelle der üblichen Führung, die wir zu den Tieren des Wattenmeers anbieten, hatten wir uns vorgenommen, mit dieser Schulklasse Experimente zu den Wattbewohnern durchzuführen, um damit die Tierwelt für die Kinder noch greifbarer und erlebbar zu machen und durch den direkten Kontakt mit der Tierwelt ihre Begeisterung zu wecken.

Wir hatten uns für die Strandkrabbe, die Nordseegarnele, die Miesmuschel und die Seepocken entschieden, diese auf den ersten Blick unscheinbaren Tiere sollten unter die Lupe genommen und ihre Besonderheiten entdeckt werden. Dabei hatten wir die Tiere aufgeteilt, während Friederike sich mit Strandkrabbe und Nordseegarnele beschäftigte, plante ich Experimente zur Miesmuschel und zur Seepocke. Damit diese jedoch mit der Schulklasse gut klappten, mussten sie zunächst ihren Praxistest bestehen und so führte ich meine geplanten Versuche am Tag vorher erst einmal selbst durch.

Ich bereitete einen Versuch zur Filterleistung der Miesmuschel vor: dazu stellte ich eine Schlicksuspension her, füllte diese in zwei Gläser und legte ins eins der Gläser eine Miesmuschel. Schon nach 20 Minuten war ein deutlicher Unterschied erkennbar, die Miesmuschel hatte das Wasser schon deutlich geklärt, mein Versuch zur Miesmuschel, dem „Klärwerk der Nordsee“ ließ sich also erfolgreich durchzuführen. Das nächste Experiment war etwas komplexer. Anhand von Milchtropfen, die in ein Gefäß mit einer Miesmuschel pipettiert wurden, sollte die Strömungs-richtung des ein- und ausströmenden Wassers sichtbar gemacht werden. Dieser Versuch erforderte etwas mehr Geduld, da die aus dem Aquarium umgesetzte Miesmuschel zunächst verschlossen blieb. Erst nach einiger Zeit öffnete sie sich und mit der eingeträufelten Milch konnte man die Strömungen des Wassers erkennen. Anschließend erprobte ich die Versuche zu den Seepocken, die ich mir überlegt hatte. Unter dem Binokular sollte der Lebensweise dieser unscheinbaren Tiere auf den Grund gegangen werden. Mit der Vergrößerung ließen sich der Aufbau des kalkhaltigen Gehäuses gut erkennen und nach kurzer Zeit öffneten sich die Platten und die fächerartig umgebildeten Rankenfüßchen begannen mit ihrer Filteraktivität. Es wurde gut sichtbar, wie viel Leben in diesen kalkigen, weitestgehend unbeweglichen Tieren steckt.

In weiteren Versuchen wollte ich die Temperatur- und Lichtempfindlichkeit der Organismen zeigen, die sich in der veränderten Filteraktivität niederschlägt. Um den Versuchsaufbau aber möglichst einfach zu halten, entschied ich mich aber, nur die Reaktion auf Licht bzw. Schatten zu untersuchen, schließlich sollten die SchülerInnen die Versuche gut selbstständig durchführen können. Im Licht des Binokulars filterten die Seepocken sehr aktiv, hielt man jedoch ein dunkles Papier direkt über die Tiere, hörten sie schlagartig auf. Diese Reaktion dient in der Natur dem Schutz vor Feinden.

Nachdem der Versuchsaufbau stand, fertigte ich Arbeitsblätter zu den Versuchen an, in denen der Aufbau beschrieben war, sowie ein Steckbrief der Tiere zum Ausfüllen und eine Zeichnung zum Beschriften. So sollten die Kinder die Versuche möglichst selbstständig durchführen und ihre Ergebnisse festhalten können.

Der Besuch der Schulklasse war dann doch ganz schön aufregend: würde alles klappen, welche Fragen würden sie stellen? Die meisten Schülerinnen und Schüler waren sehr gespannt auf die Experimente, die, mit ein bisschen mehr Anleitung als gedacht, gut funktionierten. Nur die Miesmuschel im „Strömungsversuch“ öffnete sich erst sehr spät. Vor allem die Seepocken unter dem Binokular faszinierten die Kinder sehr, da diese auf den ersten Blick fast leblos erscheinenden Tiere in der Vergrößerung so viel Aktivität und Leben zeigten.

Auch wenn der Vormittag mit vier Schülergruppen etwas anstrengend war, hat es großen Spaß gemacht. Ich hatte das Gefühl, dass die Kinder im direkten Kontakt mit der Natur etwas Neues und Interessantes entdeckt hatten und der Tag bei manchen neue Begeisterung und Interesse geweckt hatte. Da die Veranstaltung, die wir ja zum ersten Mal ausprobiert hatten, so gut ankam, beschloss Friederike, sie nun mit leichten Veränderungen ins Programm fürs nächste Jahr aufzunehmen, was mich sehr freut.
 
Mareike Ehlert, Umweltpraktikantin 2016 im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer