Commerzbank-Umweltpraktikum

Eine Kahnfahrt die ist lustig...

Ja, da waren wir doch tatsächlich mitten auf den Fließen des Spreewaldes stecken geblieben. Ein Baum hatte sich quer über das Fließ gelegt und versperrte uns den Weg auf unserer Tour durch den Hochwald des Spreewaldes.

Warm eingewickelt in Decken, da das Wetter eher mäßig war, machten wir uns am heutigen Tage auf, um eine Kahnfahrt durch den Spreewald mit seinem eindrucksvollen Netz aus 1500km Fließen zu unternehmen. Zusammen mit dem Landesforst und der Naturschutzbehörde ging es dabei darum, im Rahmen des FFH-Managementplans (Managementplan für die Flora-Fauna-Habitat Richtlinie) den Hochwald zu besichtigen, um ihn für die anschließende Planung besser einschätzen zu können.

Der FFH-Managementplan ist zusammen mit der Vogelschutzrichtlinie Teil des NATURA 2000-Managements, welches das zentrale Element zur Erhaltung der biologischen Vielfalt in Deutschland darstellt. Der FFH-Managementplan hat dabei das Ziel, Maßnahmen zum Schutz und zur Erhaltung von FFH-Gebieten zu erstellen und umzusetzen. Des Weiteren bilden Managementpläne eine Grundlage für das Monitoring und beschreiben ggf. verträgliche und unverträgliche Nutzungen.

Die Hochwasserereignisse der Jahre 2010 und 2013 hatten im Spreewald erhebliche Waldschäden an den Erlen und Erlen-Eschenwäldern des inneren Ober- und Unterspreewaldes verursacht. Auch das flächige Absterben der Esche durch das neuartige Eschen-Triebsterben (pilzlicher Erreger) bereitet große Sorgen im Unterspreewald. Die Frage ist nun also, was soll mit diesem Wald geschehen? Während der Landesforst vor allem einen raschen Einschlag und eine Wiederbewaldung der Bestände anstrebt, liegt dem Naturschutz der Erhalt des Totholzes am Herzen, um eine möglichst hohe Artenvielfalt zu gewährleisten. Die Aufgabe des Biospährenreservates ist es nun, zwischen den beiden Parteien zu vermitteln damit die anstehende FFH-Managementplanung weder die Holznutzung im Einklang mit Forst und Naturschutzrecht, als auch die nötige Wiederbewaldung verhindert. 

Nach der Kahnfahrt ging es dann noch zu Fuß in die beschädigten Gebiete um die Bäume auch einmal aus der Nähe zu betrachten. Da die Füße aller Beteiligten aber langsam immer kälter wurden, gestaltete sich dieser Ausflug eher kurz und man einigte sich schnell darauf die weitere Planung lieber bei einer heißen Tasse Kaffee fortzuführen.

Übrigens, unsere Kahnfahrt konnten wir dank der Hilfe eines netten Waldarbeiters, der sich zum Glück in der Nähe aufhielt und kurzerhand den störenden Baum in Einzelteile zerlegte, dann doch noch fortsetzen. Ja im Spreewald hilft halt jeder jedem J

Annabel Vogler, Biosphärenreservat Spreewald