Commerzbank-Umweltpraktikum

Ein typischer Sommertag im Reich der urigen Buchen

Foto: Sally Retz

Mein Tag im BuchenHaus beginnt um 7 Uhr. Die Sonne scheint bereits, und ich merke sofort: Heute wird ein warmer,  sehr schöner Sommertag! Also schnappe ich mir zuerst die Müllzange und befreie den Spiel- und den Parkplatz von den Hinterlassenschaften der gestrigen Besucher. Jeden Tag kommen neue Besucher und man bekommt nie eine zweite Chance einen ersten Eindruck zu hinterlassen. Wildtierpark und Buchenhaus sind wichtige Aushängeschilder für unseren Nationalpark. Außerdem gefällt mir an der Müllrunde den verschiedenen Vögeln zu lauschen und noch einmal die Ruhe des frühen Morgens draußen zu genießen, bevor es ins Büro geht.
Dort angekommen checke ich kurz den Dienstplan und mache mich dann auf den Weg zum vereinbarten Treffpunkt mit Ranger Uwe, der heute mit einer Kindergartengruppe unter dem Motto „Was lebt in Bach und Tümpel?“ den Heimbach erforscht. Da ich den Ranger zu diesem Thema schon mehrmals unterstützt habe, darf ich heute das Tuchspiel alleine anleiten. Nach einer Frühstückspause im Waldsofa mit dem herrlich murmelnden Bach im Hintergrund, startet die Erforschung der Bachlebewesen. Wir teilen die Kinder in Forscherteams auf, und ich übernehme die Leitung einer Gruppe. Als ich mit den kleinen Forschern den  uns zugeteilten Bachabschnitt erreiche, traue ich meinen  Augen nicht: Ein Feuersalamander sitzt direkt vor meiner Nase auf einem Stein! Ich fange ihn vorsichtig ein und nach der Besprechung dürfen ihn alle einmal ansehen. Die Kinder sind natürlich total begeistert: Bachflohkrebs, Dreieckskopfwurm und Köcherfliegenlarve können mit diesem wunderschönen Salamander nicht mithalten. Heute ist mein Glückstag!

Nach diesem erfolgreichen Vormittag fahre ich positiv gestimmt zurück ins BuchenHaus. Dort unterstütze ich nachmittags einen anderen Ranger beim heutigen Treffen der Junior Ranger. Das Thema lautet „Der Boden lebt!“ und bevor es richtig losgeht, werden die Kinder erstmal barfuß mit Augenmasken über verschiedene Bodenverhältnisse, wie z.B. Gras, Moos und Steine geführt. Das sensibilisiert sie für das Thema, und es ist faszinierend, wie unterschiedlich sie danach ihre Wahrnehmungen schildern. Nach dieser schönen Einstimmung legen alle zusammen eine „Bodenleiter“, die die unterschiedlichen Stadien der Laubstreuzersetzung verdeutlicht. Zuletzt werden dann noch die kleinen Tierchen, die für diese Zersetzung verantwortlich sind, mit Becherlupen eingefangen, mit Bestimmungsschlüsseln und Steckbriefen bestimmt und unter dem Mikroskop angeschaut. Nachdem alle Ergebnisse zusammen getragen und alle Arbeitsmaterialien wieder ordnungsgemäß weggeräumt wurden, mache ich mich müde aber zufrieden auf den Heimweg.
Die Arbeit hier kann manchmal anstrengend sein, aber mir bereitet sie auch sehr viel Freude. Nun  
freue mich darauf, diesen abwechslungsreichen Tag auf dem Balkon mit Blick auf den Nationalpark über einem guten Buch ausklingen zu lassen. 

Sally Retz, Umweltpraktikantin 2016 im Nationalpark Kellerwald-Edersee