Commerzbank-Umweltpraktikum

Ein Tag wie kein anderer

Foto: Anna Wilhelm
Foto: Anna Wilhelm

Wie jeder Tag während meines Praktikums im Biosphärenreservat, begann auch dieser Tag mit meiner Fahrt raus aus der Stadt, durch drei, vier Dörfer bis ins schöne Bliesgau. Angekommen in der Geschäftsstelle erwarteten mich einige organisatorische Aufgaben für die Vorbereitung des großen Biosphärenfests, das kurz bevor stand. Dann stand, wie jeden Mittwoch, auch schon die Teamsitzung an, in der sich das Team des Biosphärenzweck-verbands auf den neuesten Stand der Dinge bringt. Da sich der Zweckverband in drei Fachbereiche gliedert, ist es schwierig aber wichtig den Überblick zu behalten, an was denn die Kollegen gerade arbeiten.
Ich unterstütze während meines Praktikums hauptsächlich den Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Da ich aber auch sehr am Natur- und Artenschutz interessiert bin, spitzte ich die Ohren, als meine Kollegin erzählte, sie würde am Nachmittag auf die Suche nach Libellen gehen. Für mich eine sehr gute Gelegenheit einmal das Thema Artenvielfalt hautnah zu erleben. Außerdem war es natürlich schön, an einem sonnigen Tag, das Büro etwas früher zu verlassen, an die nahe gelegene Blies zu fahren, sich durchs Gebüsch und Brennnesseln zu  kämpfen, wenn auch falsch bekleidet, und am Uferrand nach den kleinen, flinken, wunderschönen Tierchen Ausschau zu halten.
Natürlich machten wir das nicht nur aus Spaß. Nein, wir waren auf der Suche nach einer ganz bestimmten Art, die womöglich einige Tage zuvor zum ersten Mal im Saarland gesichtet wurde. Wir wollten das Vorkommen dieser Art bestätigen. Begleitet wurden meine Kollegin Anita Naumann und ich von Martin Lemke, der diese Forschung ehrenamtlich für die Delattinia (Naturforschende Gesellschaft des Saarlandes) leistet. Die Art, die wir suchten, gehört zu den Großlibellen und wird die Westliche Geisterlibelle (Boyeria irene) genannt. Sie lebt ursprünglich im westlichen Mittelmeergebiet (Portugal, Spanien, Südfrankreich, Italien, Nordafrika). Im Norden reicht das Verbreitungsgebiet bis an den Bodensee und auch in Niedersachen wurde sie an einer bestimmten Stelle schon gesichtet. Sie bevorzugt Flussufer mit überhängenden Ästen, wo sie im Halbschatten dicht über der Wasseroberfläche fliegen kann.
Leider war es für uns schwierig genau diese Stellen zu erreichen, da die Blies sehr steile Ufer hat und es für uns schwierig bis unmöglich war, bis ans Wasser zu kommen, bzw. unmöglich gewesen wäre wieder nach oben zu gelangen. Dafür wäre ein Kanu nötig gewesen. So konnten wir das Vorkommen der Geisterlibelle zunächst einmal nicht bestätigen. Für mich war diese kleine Exkursion dennoch etwas Besonderes, denn ich lernte einiges über Libellen und konnte zwei Arten auch hautnah erleben: die Gebänderte Prachtlibelle (linkes Bild) und die Grüne Flussjungfer (rechtes Bild). Diese konnten wir einfangen und von nahem betrachten und befühlen. Ganz schön spannend diese kleine Lebewesen, die doch so gewisse Züge eines Monsters haben. Man muss sehr vorsichtig sein, denn die kleinen Beinchen können auch ganz schnell mal abreißen. Das würde die Kleinen zwar nicht umbringen, aber schön ist es für sie bestimmt auch nicht.

Schon mal was von Exuvien gehört? Unser Begleiter war die ganze Zeit emsig auf der Suche danach und für mich war es erstmal ein Rätsel, was er denn damit meinen könnte. Doch natürlich konnte er mich schnell aufklären. Bei Exuvien handelt es sich um die leere Haut der Libellen, die übrig bleibt, wenn diese schlüpfen. Gefunden haben wir leider keine. Das Keschern nach Larven im Wasser ergab auch keine zufrieden stellenden Ergebnisse.
Für mich war es trotzdem ein spannender Nachmittag, denn viel zu selten schenkt man den kleinen Dingen, die man eben nicht ständig vor der Nase hat, seine volle Aufmerksamkeit. Tut man es doch, ist es meist sehr bereichernd.

 

Anna Wilhelm, Umweltpraktikantin 2015 im Biosphärenreservat Bliesgau