Commerzbank-Umweltpraktikum

Ein Tag wie ein Leben – Wolfsfährten im Nationalpark Bayerischer Wald

14.12 Uhr. Nervös laufe ich hin und her. Jeden Moment könnten sie da sein - die Gruppe für die erste Umsetzung meines neuen Konzeptes. Einige Wochen habe ich mich auf diesen Tag vorbereitet.

Während meiner Zeit im Nationalpark Bayerischer Wald habe ich mir als persönliches Projekt die Entwicklung eines Konzeptes für einen Wolf-Kindergeburtstag zur Aufgabe gemacht.  Die Geburtstage werden an verschiedenen Stellen im Nationalpark angeboten. Unter anderem im Hans-Eisenmann-Haus in Neuschönau und im Waldspielgelände in Spiegelau. Für dieses habe ich auch das Konzept ausgelegt. Das Waldspielgelände bietet neben dem Naturerlebnispfad und verschiedenen Spielplätzen einige interessante Ausgangspunkte für einen solchen Geburtstag.

Bereits in meiner Bachelorthesis habe ich mich mit der gesellschaftlichen Akzeptanz des Wolfes befasst. Während meines Praktikums wollte ich daher ein Konzept entwickeln, mit dem Kindern und Jugendlichen dieses kontrovers diskutierte Thema auf eine Weise näher gebracht wird, die sie selbst erleben können.

Endlich, da sind sie! Ich freue mich und begrüße die Gruppe herzlich. Zum Einstieg bekommen alle Kinder eine kleine Holzescheibe mit eingebrannter Wolfsfährte als Namensschild. Auf die Rückseite können sie ihren Namen schreiben. Ich erzähle die Geschichte vom kleinen Wolf Lupo und wir machen uns auf den Weg in den Wald.

Inhaltlich begleitet das Konzept das Leben des jungen Wolfes Lupo, von seinen ersten Tagen als Welpe, über seine Einwanderung von Italien in den Bayerischen Wald und das Gründen seines eigenen Wolfsrudels können die Kinder Schritt für Schritt mitverfolgen. Dabei lernen sie unter anderem die Strukturen eines Wolfsrudels, ihre Ernährungsweise und die ökologische Bedeutung anhand von spielerischer Wissensvermittlung kennen. In einem kleinen Rollenspiel erfahren die Kinder, welche unterschiedlichen Positionen und Meinungen es zur Rückkehr des Wolfes nach Deutschland gibt und bekommen ein Gespür für die Komplexität dieses Themas.

Das Highlight für die Kinder ist jedoch das Auffinden von „echten“ Wolfsfährten. Diese hatte ich vor Beginn der Veranstaltung mit Hilfe eines Fährtenstempels angelegt. Leuchtende Augen und großes Staunen waren die Folge. Ich freute mich sehr über diese Reaktion und als wir einen Abguss von der Fährte anlegten, den die Kinder später mitnehmen konnten, war die Begeisterung umso größer. Ein wirklich schöner, spannender und ereignisreicher Nachmittag ging zu Ende. Ich bedankte mich bei meinen Teilnehmern, die mir eine wunderbare erste Umsetzung meines Konzeptes beschert hatten und freute mich, dass sie so begeistert waren.  

Am darauffolgenden Morgen erhielt ich eine sehr freundliche Mail der Mutter des Geburtstagskindes. Sie berichtete wie begeistert die Kinder und natürlich besonders ihre Tochter von diesem für sie unvergesslichen Tag gewesen waren. Ich habe mich sehr über diese Rückmeldung gefreut und in der Nachbesprechung mit meinem Betreuer wurde mir schnell klar, dass ein solcher Geburtstag tatsächlich ein unvergessliches Erlebnis für viele Kinder darstellt. Aber auch für mich war diese Erfahrung, ein eigenes Konzept von der Idee und Planung am Schreibtisch bis zur realen Umsetzung mit Kindern zu entwickeln, sehr bedeutend.

Birgit Siepmann, Umweltpraktikantin 2016 im Nationalpark Bayerischer Wald