Commerzbank-Umweltpraktikum

Ein Tag im Elbsandsteingebirge

7 Uhr, der Morgen bricht an, ich schaue aus dem Fenster und die letzten Nebelschwaden ziehen träge vom benachbarten Lilienstein über die Wiese hinab ins Elbtal. Wir wohnen auf dem Einzelgut „Sellnitz“, oberhalb von Königstein, welches die Umweltbildungsstätte und unsere WG unter einem Dach vereint. Das Haus liegt am Fuße des Liliensteins im Nationalpark und von hier aus starten die Bildungsprogramme für Schüler der ersten bis vierten Klasse. Heute steht das Programm „Lebensnetz“ an, in dem spielerisch die ökologischen Wechselwirkungen zwischen Boden, Pflanzen und Tieren vermittelt werden sollen. Während meine zwei Mitbewohnerinnen die Kinder am Elbe-Fähranleger abholen, ist es meine Aufgabe, Kisten der drei Erlebnisbereiche an festgelegten Orten im Wald zu verstecken. Inzwischen ist der Nebel der Sonne gewichen, die Wiese trocknet und der Wald erfüllt sich mit Kiefernduft. Bei der Vorbereitung einer der Kisten höre ich plötzlich ein „Knacksen“ neben mir, ich halte still und wenige Meter vor mir tritt eine Hirschkuh mit Kalb aus dem Dickicht. Nach einem kurzen Sich-Anstarren laufen die beiden plötzlich panisch davon und ich grinse vor mich hin. Auf dem Rückweg zur Sellnitz sehe ich dann auf der Streuobstwiese am Haus einen Grauspecht nach Futter suchen. Was für ein guter Start in den Tag.

Nach einer kurzen Verschnaufpause höre ich dann auch schon aus einiger Entfernung Kindergeschrei. Nachdem alle angekommen sind ist nun erstmal Zeit für eine kleine Frühstückspause. Ich stelle mich der Meute noch einmal persönlich vor und anschließend teilen wir die Kinder in drei Gruppen auf und machen eine Wanderung mit verschiedenen Aufgaben und Spielen zu den Themen Boden, Pflanzen und Tiere. Die Kinder haben großen Spaß und auch bei der Abschlussaufgabe sind alle noch motiviert. Sie sollen mit Hilfe eines Wollknäuels die kennengelernten Ökosystemkomponenten in Form eines großen Lebensnetzes visualisieren. Nach so einem langen Tag sind alle schon ein wenig unruhig aber auch diese Aufgabe funktioniert gut. Die Kinder erkennen wie alle Komponenten eines Ökosystems miteinander in Beziehung stehen und das der Mensch von diesem Netz abhängig ist, dass aber die Natur auch ohne den Menschen überleben kann.

Nachdem die Schüler sich noch ein wenig auf unsrer Wiese ausgetobt haben, wird es Zeit in Richtung Fähre zu wandern um rechtzeitig am Bahnhof zu sein. Auf dem Weg ins Tal merke ich den Schülern an, dass sie großen Spaß hatten und viele der Inhalte verinnerlicht haben. Ich verabschiede mich von der Klasse und gehe mit einem guten Gefühl wieder bergauf in mein abgeschiedenes Heim.

Simon Dorner, Umweltpraktikant 2016 im Nationalpark Sächsische Schweiz