Commerzbank-Umweltpraktikum

Ein Streifzug durch den Bliesgau

Mein Tag im Biosphärenzweckverband Bliesgau startet eigentlich wie immer. Ich steige kurz nach 7.00 Uhr in den Bus und fahre erst mal durch ein paar Dörfer des Bliesgaus. Ich genieße die Fahrt, denn die Gegend lädt zum aus-dem-Fenster-schauen ein. Allein bei der Busfahrt gibt es einiges zu entdecken. Sei es der Waldrand, der morgens mit seinen in den Wald laufenden Wegen etwas Ruhiges und Mystisches hat. Oder die vielen netten Vorgärten in den Dörfern, wovon jeder ganz individuell eingerichtet und gestaltet ist. Ich genieße es in die Umgebung zu schauen und meine Gedanken schweifen zu lassen: „Was verbirgt sich wohl in dem Wald? Wo führt der Weg hin? Wow, der Weiher sieht herrlich aus! ….“ So ziehen meine Gedanken und mein Blick schweift durch die Gegend.

In der Geschäftsstelle angekommen checke ich die Mails, schreibe ein Protokoll, aktualisiere die ToDo-Liste der Bio-Brotbox-Aktion und erledige noch einige andere anstehende Aufgaben. Aber auf heute Nachmittag freue ich mich schon besonders! Ich darf mit meiner Kollegin Anita Naumann nach draußen ein paar Kontrollgänge erledigen. Das hört sich jetzt erst mal langweilig und wie ein Behördengang an, aber das ist es ganz und gar nicht! Es geht raus in die Natur, raus in den Bliesgau, mal ab von den Straßen und ab von der morgendlichen Busstrecke.

Der erste Besuch bei unserem Rundgang ist beim Biber in Blieskastel. Mitten in einer Wohnsiedlung haust dieses Kerlchen, direkt vor einem Sandwerk. Nicht unbedingt üblich für ein wildes Tier in einer so unruhigen Lage zu wohnen. Aber es scheint ihm dort gut zu gefallen! Überall sind Biberspuren zu sehen. Hier angenagte Rinde, dort nur noch ein spitzer Stumpf oder ein umgelegter Baum (Abb. 1). Sehr gut, der Biber lebt also noch und ist fleißig am „rumbibern“. Raus aus dem Gestrüpp fliegt uns etwas Elfengleiches entgegen, eine Libelle. Schnell hinterher! Wow, ist die schön! Anita weiß gleich zu welcher Gruppe diese gehört, eine Prachtlibelle (Abb. 2). Wenn man die Augen offen hält kann man auch in Wohnsiedlungen verschiedenste Arten sehen, wenn auch nicht immer so große wie den Biber.

Weiter geht’s zum Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim bei Gersheim. Auf dem Gelände des Europäischen Kulturparks wurden durch ein Förderprojekt in der Bliesaue Kleingewässer angelegt, um das Gelände in eine Art Urzustand zurück zu führen. Die Gewässer nehmen unter anderem größere Mengen Wasser bei Hochwasser auf und bieten zudem verschiedenen Arten einen Lebensraum. Die Wiese wird von Yaks, Eseln (Abb. 3) und Pferden beweidet und in den angelegten Wassergräben sind jede menge Frösche zu hören, die ihr Revier durch lautes Gequake markieren. Im Großen und Ganzen scheint hier alles in Ordnung zu sein. Bleibt noch kurz Zeit einen Gang durch den Kulturpark zu machen, wo einst Römer und Kelten gelebt haben.

Hab ich ein Glück! Heute bekomme ich das volle Programm, von der Biologie und Artenkunde zu Projektvorstellungen und jetzt noch geschichtlicher Hintergrund des Bliesgaus. Auch bei verschiedensten Insekten, Vögel und Pflanzen, die uns zwischendurch auffallen, wird inne gehalten und versucht die entsprechende Art zuzuordnen. Hier muss ich ganz klar erwähnen, dass ich dabei noch viel von Anita lernen kann. Es ist so beeindruckend was für eine Vielfalt an Lebensformen uns umgibt, man muss nur mal genau hinschauen!

Unsere letzte Station für heute ist das Naturschutzgebiet Badstube bei Blieskastel. Wir möchten überprüfen wie weit die verschiedenen Orchideen sind. Mal sehen, ob schon welche blühen?! Auf dem Halbtrockenrasen sind jedoch keineswegs nur Orchideen, wie das Brandknabenkraut (Abb. 4), zu sehen. Als erstes kommt uns ein Schmetterling entgegen, eine Schecktageule (Abb. 5) erklärt mir Anita. Auf einem Blatt ruht sich eine kleine Biene (Abb. 6) aus und etwas weiter paaren sich zwei Schnaken einer großen Schnakenart (Abb. 7). An einer vertrockneten Pflanze sitzt ein Schnecklein, wahrscheinlich eine Heideschnecke (Abb. 8) - wer hätte gedacht, dass man so fasziniert von einer Schnecke sein kann – und die Wiese ist voll mit verschiedenen Pflanzenarten, wie z.B. dem kleinen Wiesenknopf (Abb. 9).

Viele Arten habe ich bestimmt schon mal gesehen, aber nie bewusst wahrgenommen. Umso beeindruckter über die reiche Artenvielfalt im schönen Bliesgau bin ich und schaue bei der Heimfahrt mit dem Bus nun bewusster aus dem Fenster.

 

Julia Geppert, Umweltpraktikantin 2016 im Biosphärenreservat Bliesgau