Commerzbank-Umweltpraktikum

Ein Highlight im Biosphärenreservat Rhön

Es ist Montag der 01.08.2016 und ich bin bereits seit gut einer Woche im Amt. Der höchste Berg der Rhön, die Wasserkuppe (950m) wurde zu meiner Wahlheimat für das Umweltpraktikum 2016. In den folgenden Zeilen möchte ich euch ein Highlight meines Aufenthalts schildern.

Ein sonniger, wolkenloser Augusttag kündigte sich an. Einziger Zeuge einer verregneten Nacht war der Tau auf den feuchten Wiesen, der langsam im Sonnenaufgang verdunstete und die Rhön in eine mystische Kulisse verwandelte. Angekommen in der Arbeitsstelle -die Uhr schlug gerade acht- ging es auch gleich an die tägliche Routine, wie an das Auffüllen der Prospekte und Flyer in den Inforäumen. Mit meinen schweren Wanderschuhen und einem Fernglas ausgestattet, watete ich durch die Gänge der Information und tat meine Arbeit, in Gedanken jedoch war ich schon voller Vorfreude auf das was kommen sollte. Heute ging es auf einem Außentermin zum Charaktervogel der Rhön, dem Rotmilan.

Der Biologe Bastian Sauer, Projektleiter des „Artenhilfsprojekt Rotmilan Rhön“, und der ehemalige Praktikant Philipp Gräf, der nun seine Bachelorarbeit dem Rhöner Milan widmet, nahmen mich mit auf eine Kartierung der beeindruckenden Greifvögel. Als Tagesaufgabe galt es einige bekannte Nester aufzusuchen und den Bruterfolg zu überprüfen. Außerdem hatten wir eine Kamera mit Stativ im Gepäck und erhofften uns den ein oder anderen Schnappschuss. Ehrlich gesagt war mir die Existenz eines Rotmilans zwar bewusst, jedoch besaß ich kaum Fachwissen, was mich dazu bewog ein bisschen Recherche zu betreiben. Der Rotmilan im Volksmund auch als Gabelweihe bezeichnet, gehört zu den Habichtartigen. Haupterkennungsmerkmal ist der tief gegabelte Schwanz, weiße Stellen an der Unterseite der Flügel gefolgt von schwarzen Flügelspitzen. Am liebsten ernährt er sich von Mäusen, Regenwürmern oder Aas. Er gilt als Nahrungsopportunist und verschmäht deshalb auch keine Insekten, seltener Fische sowie Singvögel und Reptilien. Aufgrund des Strukturwandels in der Landwirtschaft wird es immer schwerer für den Roten an Nahrung zu kommen, denn am liebsten hat er strukturreiche, offene, artenreiche Wiesenlandschaften, die immer seltener werden. Deswegen beschränkt sich sein Vorkommen heute auf Südwest Europa was Deutschland bzw. die Rhön zu einem der wichtigsten Verbreitungsgebiete macht.
Aber nun zurück aufs Feld. Angekommen auf einem hügeligen Wiesenstück unterhalb der Wasserkuppe wurden wir schnell fündig. Auf einem frisch gemähten Wiesenstück fanden wir ca. 
zehn Greifvögel vor, die gerade beim Mittagstisch waren. Wie mir Bastian erläuterte, ist das ein beliebter Platz unter Greifvögeln. So dauerte es nicht lange bis wir unter einer Baumreihe in der Nähe auf Federn und Kotspritzer aufmerksam wurden. Bei näherem Betrachten mit dem Fernglas wurde allerdings klar, dass es nicht nur Rotmilane waren, die sich am reich gedeckten Tisch bedienten, sondern auch einige Bussarde und Falken. Nach diesem ersten schönen Einblick brachen wir mit GPS-Gerät und Karte auf in Richtung eines Horstes auf, welcher in diesem Jahr als nicht besetzt gewesen gemeldet wurde.
Beim Anpirschen ans Gelege fiel uns ein ausgewachsenes Rotmilanpaar auf, welches seine Kreise über einer nahegelegenen Lichtung zog. So stapften wir weiter den Bergkamm entlang bis wir schließlich fündig wurden. Beim Näherkommen konnten wir auch schon die Jungtiere betteln hören, die vermutlich in den Bäumen verstreut um das ehemalige Nest sitzend auf Fütterung warteten. Da der Wind gerade günstig stand konnten wir ziemlich lange unentdeckt im Unterholz verweilen und dem Schauspiel beiwohnen. Es war magisch wie die Altvögel über unseren Köpfen immer wieder einflogen, um ihre Jungen zu füttern. Wir zählten insgesamt drei Jungtiere. Bei genauerem Umsehen konnten wir auch den Horst ausmachen, welcher sich artenuntypisch in einer Fichte befand. Der Biologe Bastian erläuterte, dass zu dieser Jahreszeit der Nachwuchs bereits flügge ist, jedoch morgens und abends sich gerne in die Nähe des ehemaligen Nestes aufhält und hofft von seinen Eltern gefüttert zu werden.
Laut raschelnd quiekte es auf einmal aus dem Unterholz neben uns auf. Wie sich später herausstellte, befanden wir uns inmitten eines „Wildschwein-Kindergartens“ wieder, der sich jetzt rasch in Bewegung setzte. Die Greifvögel bekamen natürlich schnell Wind von der Situation und flogen aus. Nur ein paar verängstigte Wildschweinchen blieben uns treu und verharrtem im Unterholz, während wir uns daran machten die Lichtung zu erkunden. Allzulange wollten wir aber dennoch nicht verharren, aus Angst das Mama Wildschwein nach Hause kommt, deshalb notierten wir noch schnell die Geodaten der Fundstelle und traten zufrieden den Heimweg an.

Fazit des Tages: Der Rotmilan ist ein majestätischer Vogel, den es zu schützen gilt! Für mich persönlich war es ein spannender Einblick in die Arbeit rund um den Roten und ich erwische mich nun immer häufiger dabei, den Blick in den Himmel gerichtet, Ausschau zu halten nach dem Rhöner König der Lüfte.

Manoel Fick, Umweltpraktikant 2016 im Biosphärenreservat Rhön