Commerzbank-Umweltpraktikum

Dornröschen der Nordsee

 

Kann man überhaupt drei Monate ein Praktikum auf einer Mini-Insel wie Baltrum machen, kleinste der sieben Ostfriesischen Inseln, fast schon eine Hallig? Dem auch sogenannten „Dornröschen der Nordsee“, welches erst mit dem Beginn der Osterferien wachgeküsst wird und am Ende der Herbstferien wieder in seinen Dornröschenschlaf verfällt?

Doch, doch man kann und trotzdem gibt es Leute, die fest daran glauben, dass der Name der Insel seine Wurzeln in „bald rum“ hat. Das ist natürlich ein belächenswerter Irrtum, denn um jede Ecke des annähernd rechtwinkligen Eilandes mitzunehmen, sind immerhin gemütlich 15 Kilometer unter den Füßen zurückzulegen. Und „unter die Füße nehmen“ stimmt, denn auf der Insel gibt es (außer einem Rettungswagen, zwei Feuerwehrwagen und momentan ein paar Baufahrzeugen) keine Kraftfahrzeuge, selbst einen Fahrradverleih sucht man vergebens. Nur die Insulaner, etwa 500 an der Zahl, dürfen sich in den Sattel schwingen, um zum Beispiel mit angehängter „Wippe“ das Gepäck der Inselgäste von der Fähre abzuholen. Diese dampft per täglich wechselndem, weil gezeitenabhängigen Fährplan vom unfernen 4,5 Kilometer entfernten Festland heran und entlässt bei der Ankunft einen Schwall von Fußgängern, die sich schnell über Baltrums Dörfer (West-, Mittel, Ost- und „altes“ Ostdorf) verteilen.

Direkt zwischen Fähranleger und dem Inseldorf liegt außendeichs meine Arbeitsstätte das Nationalpark-Haus. Das Team ist genauso klein wie die Insel mit einer hauptamtlichen Leitung, zwei Saisonmitarbeitern, einem FöJler und schließlich mich als PfdUlerin.

Und dort sitze ich nun gerade in der Ausstellung, höre das Plätschern und Gurgeln der Meerwasseraquarienpumpen, Austernfischer, Brand- und Ringelgans trällern auf Knopfdruck im Salzwiesendiorama und man hört Kinder an der neuen Mikroskopierstation Staunen. Dies ist nur ein Teil meines Praktikums, daneben führe ich Gäste über die Insel, bespaße „kleine Nixen und Wassermänner“ in den Ferienkursen oder baue mit „kleinen Forschern“ zum Thema Küstenschutz die Insel Baltrum am Strand nach und testen deren Standfestigkeit gegen Wind, Wasser und Wellen. Außerdem lassen drei Monate neben dem Hochbetrieb der Sommerferien noch Zeit für eigenständige Projekte.

„Gemütlich“ ist aber dennoch das Wort, um das Leben auf Baltrum zu beschreiben. Wer Ruhe sucht ist auf dieser Insel genau richtig. Die einzige Geräuschkulisse ist das Bullern der Nordsee, Möwenrufe und das Rauschen des Windes. Es ist zudem unüblich auf Baltrum, Haustüren abzuschließen und die von Autos sowieso nicht, es sind ja keine da, also daher auch keine Fahrräder. Man muss allerdings damit rechnen, dass ein zu Fuß daher gelaufener Insulaner sich des Nachts auf dem Rückweg eines der Räder „ausleiht“ und den eigentlich nicht weiten Weg - dafür ist die Insel zu klein - nach Hause fährt. Und genau diese Erfahrung durfte ich bzw. mein Dienstrad nach nicht mal zwei Tagen auf dem kleinen Eiland machen. Aber schnell übt sich auch ein Festländer im Zurückklauen…

„Bald rum“ trifft nun aber leider in einer weiteren Beziehung zu. Meine Zeit hier ist´s nämlich auch irgendwann mal, und ich werde mich mit großem Bedauern von dieser liebenswerten Insel trennen müssen, die mir mit ihren weißen Stränden und grüner Natur, den netten Arbeitskollegen und Insulanern schnell ans Herz gewachsen ist. Aber sie ist trotz Erderwärmung und Anstieg des Meeresspiegels im nächsten Jahr immer noch da=)! Und ich werde daher im Winter zurückkehren, um dieses wunderhübsche Eiland in seiner anderen Extreme noch einmal kennen zu lernen.

Andrea Deloy, Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

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