Commerzbank-Umweltpraktikum

Die Zeit neigt sich dem Ende zu

Ein bisschen aufgeregt und wehmütig blicke ich dem Tag entgegen. Es lässt sich nicht mehr verleugnen, meine Zeit als Umweltpraktikantin im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft neigt sich dem Ende zu.

In meiner Einsatzstelle in Born habe ich eine ereignisreiche Zeit verbracht mit Höhen und Tiefen, aber rückblickend lässt sich sagen, dass die positiven Erlebnisse deutlich überwiegen. Gerade die unbeschreibliche Natur hier hat mir so viele schöne und intensive Momente geschenkt, für die ich unendlich dankbar bin und einen solchen Moment wird es mit meiner letzten Führung heute geben.  

Den ganzen Sommer über war es meine Hauptaufgabe, ein Angebot an Familienführungen für den Nationalpark zu konzipieren und durchzuführen. In diesem Rahmen habe ich auch die, in vergangenen Jahren bereits erfolgreich durchgeführte, Dämmerwaldwanderung wieder aufgegriffen und für mich weiterentwickelt, welche ich heute Abend zum zweiten und letzten Mal leiten werde. 

Bevor wir aber in die Dämmerung starten können, muss ich erst einmal ein bisschen Büroarbeit leisten. In dieser Zeit bereite ich mich vor allem auf die Führung vor, gehe nochmal thematische Besonderheiten durch, überdenke den Ablauf und stimme mich mit der FÖJlerin ab, die mich unterstützt. 

Eine Stunde bevor die Führung losgeht, fahre ich mit meinen Betreuerinnen sowie Vertretern der Commerzbank an den Treffpunkt der Führung, wo wir mit einem Journalisten der örtlichen Presse verabredet sind. Ich erzähle von mir und meiner Zeit hier auf dem Darß, anschließend wird noch ein Foto gemacht und damit mein letzter offizieller „Auftritt“ hier dokumentiert. 

Jetzt ist es soweit: Punkt 18.30 Uhr stehen 14 gespannte Menschen vor mir, die sich heute mit mir in den Wald zur Dämmerung trauen. Am Anfang erzähle ich etwas allgemein über den Nationalpark sowie über seine Besonderheiten und bereite die Teilnehmer darauf vor, was sie die nächsten Stunden erwarten wird und wie unsere Wahrnehmung sich verändern wird.

Da es noch hell ist, können wir uns voll und ganz auf den Sinn unserer Augen verlassen und ich lasse die Gäste durch einen Spiegellauf den Wald bewusst anders betreten. Auf den Weg zum Strand erläutere ich außerdem, wie sich unsere Umgebung im Dämmerungszustand ändert.

Sobald die ersten Lichtstrahlen der untergehenden Sonne durch den Wald schimmern, werden einige unter uns unruhig, denn sie wollen den Sonnenuntergang nicht verpassen. Ein guter Grund sich nicht weiter lange aufzuhalten und über die Dünen an den Strand zu gehen, sich niederzulassen und der Natur in ihrer letzten Farbenpracht des Tages zuzusehen. Wie viele Sonnenuntergänge ich schon am Weststrand hier gesehen habe und wie es mich doch jedes Mal auf unterschiedlichste Weise berührt, und sich keiner auf irgendeine Art und Weise gleicht, jeder ist für sich etwas Besonderes.

Wir warten bis die Sonne untergegangen ist, dann fahren wir mit unserem Programm fort. Beim letzten Licht erläutern wir Strandfunde, die gesammelt wurden, und gehen dann über die Düne zurück in den Wald. Welche Tiere werden wir wohl sehen oder hören?

Fledermäuse sind heute ein bisschen schüchtern unterwegs, dafür hören wir einiges Wild neben uns, das sich wundert, wer da immer tiefer und tiefer in den dunklen Wald marschiert. Da das Auge im Dunklen nicht seine vollen Fähigkeiten entfalten kann, sind jetzt unsere anderen Sinne gefragt. Die Ohren sind gespitzt, die Nase arbeitet auf Hochtouren und meine Füße erfahren intensiv den Boden unter mir. Alles hilft mir, um meine Umwelt besser wahrzunehmen.

Ich spüre wie Frösche vor mir zur Seite hüpfen und den Weg freimachen, da – war das ein Käuzchen? Schon habe ich einen Moment nicht auf den Weg vor mir aufgepasst und ein Ast trifft mein Gesicht, leise warne ich die Gruppe hinter mir und lasse meine Füße weiter den Weg für mich finden. Man merkt, dass es Altweibersommer ist, Spinnenfäden finden auf allen möglichen Wegen ihren Platz auf meinen Körper, Feuchte steigt auf, leichter Nebel ist zu sehen.

Plötzlich wird es laut, wir haben eine Wildschweinrotte aufgescheucht, man hört sie noch lange in die Nacht hinein. Da es bewölkt ist, ist es heute sehr dunkel, querfeldein erkennt man fast nichts mehr und trotzdem finden wir unseren Weg.

Nach 3 Stunden Wanderung nähern wir uns unserem Ausgangspunkt, ich halte die Gruppe noch einmal an, sich die Zeit zu nehmen, für sich ein Plätzchen zu suchen und ein letztes Mal intensiv diese Nacht wahrzunehmen. Aus der Ferne hört man die Hirsche röhren, der Wind lässt die Blätter spielen und ganz in der Nähe bellt ein Rehbock, dem der nächtliche Besuch gar nicht passt und der sich schwer wieder einkriegt. Dann geht es weiter in Richtung Zivilisation, die sich bereits durch Scheinwerferlicht ankündigt. Ich bedanke mich für das Vertrauen der Teilnehmer und verabschiede mich.

Was für eine Nacht und wie wild sie doch war!

Pauline Ecke, Umweltpraktikantin 2016 im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft